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Gebr. Mann Verlag

 
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Die Münzen König Friedrichs II. von Preußen (1740–1786). Ausstellung im Berliner Münzkabinett zu Münzen und Medaillen Friedrichs des Großen – 24. Januar – 14. Oktober 2012. Bearbeitet von Kluge, Bernd; Mitwirkung (sonst.): Bannicke, Elke; Vogel, Renate. Berliner Numismatische Forschungen. Neue Folge (10). 2011. 320 S. 1500 fb. Abb. 30 x 21 cm. Gb. EUR 49,00. CHF 65,50 ISBN: 978-3-7861-2667-6 Gebr. Mann Verlag
Auf der Grundlage der Sammlung des Berliner Münzkabinetts wird ein kompakter, durchgängig farbig bebilderter Gesamtkatalog aller Münzen Friedrichs des Großen geboten. Zugleich eine Neubearbeitung des bisherigen wissenschaftlichen Standardwerkes Friedrich Freiherr von Schrötters aus dem Jahre 1904.
Zum 300. Geburtstag Friedrichs II. legt das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin Stiftung Preußischer Kulturbesitz den Gesamtkatalog seiner Münzen des großen Königs vor. Mit über 3.500 Münzen ist sie nicht nur die weitaus größte, sondern auch die relativ vollständigste Sammlung dieser Art. Sie diente bereits Friedrich Freiherr von Schrötter als Grundlage für sein 1904 publiziertes Corpus der Münzen Friedrichs II. und ist seither noch um einiges gewachsen. So wie in dem bis heute maßgeblichen Standardwerk der Berliner Bestand mit dem Gesamtcorpus der Münzen Friedrich II. verzahnt ist, so wurde auch dieses Buch gleichermaßen als Gesamtkatalog der Münzen Friedrichs angelegt und liefert eine aktuelle Neubearbeitung des »Schrötter«. Es bietet einen übersichtlichen Typenkatalog für den Münzsammler, ohne auf die für den Kenner und weiterführende Forschungen unerlässliche Akribie im Detail zu verzichten. Mit über 1.500 Münzabbildungen präsentiert es eine in dieser Breite bisher noch nicht erschlossene Quelle zur Person und Geschichte Friedrichs des Großen.
Burcu Dogramaci und Karin Wimmer (Hg.). Netzwerke des Exils Künstlerische Verflechtungen, Austausch und Patronage nach 1933. 2011. 472 S., 194 Abb., 17 x 24 cm, Gb. EUR 39,00 ISBN: 978-3-7861-2658-4 Gebr. Mann Verlag
Der Sammelband beschäftigt sich mit dem künstlerischen Exil nach 1933 und untersucht die vielfältigen Kontakte, die Künstler auf der Flucht vor den Nationalsozialisten und in der Emigration unterhielten. Die Beiträge widmen sich den Netzwerken in verschiedenen künstlerischen Gattungen, von der Malerei über die Fotografie und Architektur bis zum Grafikdesign.
Zahlreiche bildende Künstler mussten nach 1933 aus Deutschland emigrieren und versuchten, auch in der Fremde weiterhin künstlerisch tätig zu sein. Bedeutung für das Scheitern oder Bestehen im Exil konnte der künstlerische, organisatorische, bisweilen auch politische Zusammenschluss mit anderen Emigranten, Auftraggebern und Förderern haben. Die Beiträge international anerkannter Wissenschaftler beschäftigen sich mit den vielfältigen Netzwerken, in denen Künstler vor und nach der Exilierung aktiv waren. Emigranten vergaben Bauaufträge an ebenfalls emigrierte Architekten, als Gründer von Zeitschriften und Bildagenturen konnten sie exilierten Fotografen zu Erfolgen in ihrer Exilheimat verhelfen. Galeristen, Kunsthändler und Sammler setzten sich ebenso wie Kunsthistoriker oder Kritiker für emigrierte Künstler ein. Teilweise kam es durch die gemeinsame Erfahrung der Emigration zu kreativen Kooperationen. Der Vergleich der Exilerfahrungen in unterschiedlichen Gattungen soll übergreifende Erkenntnisse zu den Grenzen und Perspektiven künstlerischen Schaffens unter den schwierigen Bedingungen der Emigration liefern.
U. a. mit Beiträgen über Else Lasker-Schüler, Erich Mendelsohn, Martin Wagner, Max Beckmann, Otto Neurath, Erika Mann und Max Ernst.
Hausdorf, Eva. Monumente der Aufklärung. Die Grab- und Denkmäler von Jean-Baptiste Pigalle (1714 –1785) zwischen Konvention und Erneuerung.Hrsg.: Kunsthistorisches Institut d. Freien Universität Berlin. Berliner Schriften zur Kunst (XXV). 2011. 356 S. 158 Abb. , davon 8 fbig. 24 x 17 cm. Leinen. EUR 69,00. CHF 92,50 ISBN: 978-3-7861-2669-0 Gebr. Mann Verlag
Ein herausragender Protagonist der französischen Skulptur im Zeitalter der Aufklärung: Mit seinen radikal innovativen Konzepten antwortete Jean-Baptiste Pigalle auf zeitgenössische Forderungen, nicht ohne die Betrachter zu schockieren. Vier Monumente von Jean-Baptiste Pigalle (1714–1785) werden hinsichtlich Auftragslage, Genese und Rezeption anhand von bisher unbeachtetem Quellenmaterial dargestellt. Das Grabmonument für Marschall Moritz von Sachsen in Straßburg verzichtet auf traditionelle Symbole ewigen Lebens und feiert stattdessen den stolzen Soldatenführer. Die allegorische Sockelfigur des glücklichen Bürgers am Königsdenkmal in Reims ist ein Selbstporträt des Künstlers. Auf zeitgenössische Allegoriekritik antwortend, macht Pigalle damit den citoyen zu einer ungewöhnlichen künstlerischen Programmfigur. Radikaler noch setzt er seine Idee von künstlerischer Genialität in der skandalträchtigen Statue des greisen, nackten Voltaire (im Pariser Louvre) um. Das Pariser Grabmal für Comte d’Harcourt zeigt sodann paradigmatisch die schleichende Auflösung der konventionellen christlichen Inhalte und ihrer Ikonografie, die durch säkularisierte, von der Aufklärung geprägte Ideen ersetzt werden. Dieser künstlerische Transformationsprozess charakterisiert Pigalles OEuvre. Traditionelle Motive deutet der selbstbewusste Künstler zugunsten neuer Inhalte um und überschreitet damit Gattungsgrenzen.
Gördüren, Petra. Das Porträt nach dem Porträt. Positionen der Bildniskunst im späten 20. Jahrhundert. Hrsg.: Kunsthistorisches Institut d. Freien Universität Berlin. Berliner Schriften zur Kunst (XXIV). 2011. 384 S. 150 Abb. 24 x 17 cm. Leinen. EUR 69,00. CHF 92,50 ISBN: 978-3-7861-2666-9 Gebr. Mann Verlag
Porträt ohne Antlitz – Antlitz ohne Porträt: Zwischen diesen gegensätzlichen Polen bewegt sich die Bildniskunst der Gegenwart. Zeitgenössische Künstler loten die Grenzen einer Gattung aus, die wie kaum eine andere an ihr natürliches Vorbild gebunden scheint.
Die Gegenwartskunst konfrontiert den Betrachter mit Formen des Porträts, die noch hundert Jahre zuvor kaum als Bildnisse kategorisiert worden wären. Künstlerische Strategien reichen vom mechanischen Abbildungsverfahren bis zur Aufgabe der Figuration. Das Bild des menschlichen Individuums wird oft außerhalb klassischer Werkgattungen realisiert und verzichtet nicht selten auf mimetische Ähnlichkeit. Am Beispiel künstlerischer Positionen des späten 20. Jahrhunderts analysiert Petra Gördüren porträt- und gattungskritische Qualitäten sowohl figurativer als auch nicht-figurativer Bildnisse. Ausgewählte Werke von Marc Quinn, Christian Boltanski und Sophie Calle, Felix Gonzalez-Torres, Imi Knoebel und Thomas Ruff verdeutlichen, dass die aktuelle Porträtkunst oftmals die Nicht-Darstellbarkeit des menschlichen Wesens thematisiert. Zugleich eröffnet sie jedoch vielfältige Zugänge zu einem aktuellen Menschenbild. Im Bezug auf die eigene Medialität definiert sich das Porträt als Bildform, die sich ihrer Geschichte, ihrer vermittelnden Rolle, bewusst ist: Nicht allein der Mensch ist der kritisch befragte Gegenstand einer zeitgemäßen Bildniskunst, sondern auch die Gattung selbst.
Schröder, Uwe. Raumwerk I–III. 2011. 88 S. 80 Abb. , davon 24 fbig. 28 x 22 cm. Gb. EUR 29,00. CHF 40,90 ISBN: 978-3-7861-2668-3 Gebr. Mann Verlag
Zwölf Texte, zwölf Fotos und zwölf Zeichnungen bilden die Deskriptionen zum Haus auf der Hostert des Bonner Architekten Uwe Schröder. Das »Raumwerk« ist dabei sowohl Ergänzung zur Publikation »Bauwerk« (erschienen 2007) als auch eigenständiges Werk zur Darstellung des Gebäudes.
In diesen Deskriptionen wird das Haus des Kunstsammlerpaares Brunhilde und Günther Friedrichs in Text, Fotografie und Zeichnung aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet: Zwölf Autoren, darunter Michael Mönninger, Jan Pieper, Gerwin Zohlen, der Architekt Uwe Schröder und das Bauherrenpaar selbst, legen ihre Sicht auf das Gebäude dar. Der Berliner Fotograf Stefan Müller porträtiert es in zwölf großformatigen Farbfotografien. Dazu kommen zwölf erläuternde Zeichnungen des Architekturbüros. Komplettiert werden diese Zugänge durch jeweils ergänzende Materialien – Anmerkungen, textliche Querverweise, kleinformatige Schwarzweißfotografien und piktogrammatische Strichzeichnungen. Nach der Ausstellung und der dazugehörigen Publikation aus dem Jahr 2007 entsteht so ein weitgefächerter Eindruck eines Hauses, das Michael Mönninger in seinem Beitrag eine »wenig alltägliche Synthese aus Wohnhaus und Wunderkammer« nennt.
Hörner, Unda. Die Architekten Bruno und Max Taut. Zwei Brüder – zwei Lebenswege. Mit unveröffentlichten Aquarellen und Zeichnungen der Taut-Brüder!. 250 S. 48 Abb. davon 8 fbig. 21 x 15 cm. Gb. Dietrich Reimer, Verlag Berlin 2011. EUR 29,00. CHF 40,90 ISBN: 978-3-7861-2662-1 Gebr. Mann Verlag
In der Doppelbiografie kommen die Tauts als Brüder, Eltern und Ehemänner zu Wort. In Briefen, Tagebüchern und Zeitzeugenberichten, Zeichnungen und Fotos aus dem Familienalbum werden zwei Künstlerpersönlichkeiten lebendig – und mit ihnen die Schicksale ihrer Frauen und Kinder.
Die beiden talentierten Brüder machten in Berlin als Architektenkollegen Karriere: Bruno (1880–1938) wird bekannt als Planer großer Wohnsiedlungen, Max (1884–1967) macht sich einen Namen als Architekt der Gewerkschaften. Unda Hörner erzählt ihre eng verbundenen Lebenswege als Familiengeschichte vor dem Hintergrund von Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Nachkriegszeit. Neben großen Erfolgen hatten Begabung und Charaktere auch dramatische Auswirkungen im Privaten. Die Brüder heirateten Schwestern, Töchter des Wirtes der Choriner Klosterschänke, doch nur eine der beiden Ehen hielt. Bruno, der 1933 ins Exil ging und 1938 in Istanbul starb, war der Visionäre, der in avantgardistischen und intellektuellen Kreisen verkehrte. Sein Sohn Heinrich führte einen lebenslangen inneren Kampf gegen den genialischen Papa und den berühmten Onkel. Der bodenständigere, weniger mitteilsame Max blieb in Berlin, wo er sich leidlich über Wasser hielt und das gemeinsame Büro weiterführte. Er war es, der nach 1945 das gemeinsame Erbe antrat, als Professor an der Hochschule für bildende Künste und Architekt des Wiederaufbaus.
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Braunfels, Wolfgang. Mittelalterliche Stadtbaukunst in der Toskana.Hrsg.: Braunfels, Stephan. 7. Auflage. 2011. 332 S. 100 Abb. , davon 50 fbig. 24 x 17 cm. Leinen. EUR 49,00. CHF 65,50 ISBN: 978-3-7861-2671-3 Gebr. Mann Verlag
Das Standardwerk zur Idee der Stadt als einheitlichem »Bauwerk« mit Mauern, Kirchen, Palästen, Straßen und Brücken wurde vor sechzig Jahren konzipiert und ist von der Wissenschaft bis heute nicht überholt. Zugleich ist es aus Sicht von Architekten eines der wichtigsten Lehrbücher zur Stadtbaukunst.
Wolfgang Braunfels (1911–1987) widmete sich in langjährigen, durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochenen Archivstudien der Baugenese von Florenz, Siena und Pisa, Lucca, San Gimignano, Pienza, Volterra, Cortona und anderen Städten der Toskana, deren Baugesetzgebung er auswertete. Er begründete damit eine stadtgeschichtliche Forschung, die dem Wachstum der Städte, ihrer baulichen Struktur, inneren Ordnung und ihrem ästhetischen Gefüge als Gemeinschaftswerk aller Bürger Aufmerksamkeit widmet. Widerrufen wurde damit das romantisch geprägte Bild einer zufällig »gewachsenen « Stadt des Mittelalters. Die Neuausgabe ergänzt der Sohn des Autors, der Architekt und Städtebauer Stephan Braunfels, mit zahlreichen Farbfotografien der schönsten Plätze und Gebäude. Schon als Kind begleitete er seinen Vater auf Reisen. Zu dessen 100. Geburtstag hat er alle Städte im Buch, Höhepunkte europäischer Stadtbaukunst, noch einmal besucht und ein ganz persönliches Nachwort verfasst.
Mari Laanemets. Zwischen westlicher Moderne und sowjetischer Avantgarde. Inoffizielle Kunst in Estland 1969–1978. Humboldt-Schriften zur Kunst- und Bildgeschichte, Band XIV. 2011. 296 S. 114 Abb. davon 12 fb. 17 × 24 cm. Br. EUR 49,00 ISBN: 978-3-7861-2639-3 Gebr. Mann Verlag
Mit dem Aufgreifen westlicher Kunstströmungen entwickelten sich in der sogenannten inoffiziellen, vom Staat nicht geförderten Kunst Estlands seit den späten 1960er Jahren neue künstlerische Praktiken. Anhand zahlreicher Beispiele gewährt dieses Buch einen interessanten Einblick in die osteuropäische Kunstproduktion.
Das Aufzeigen des Entwicklungszusammenhangs, der von der künstlerischen Rezeption der Pop Art über die Wiederaneignung der damaligen offiziellen Monumentalkunst hin zu Projekten einer neuen, umfassenden Umweltgestaltung führte, steht im Fokus dieser Studie. Aus dem Zusammenspiel von rezipierter westlicher Kunst und Experimenten der sowjetischen Avantgarde entstanden neue Kunstpraktiken sowie eine neue interdisziplinäre Perspektive. Durch Analyse der Arbeiten estnischer Künstler wie Sirje Runge, Jüri Okas, Leonhard Lapin sowie wichtiger Ausstellungen, Manifeste und Publikationen wird die besondere historische Konstellation rekonstruiert. Zugleich eröffnet die Darstellung des spezifischen kulturellen, sozialen und politischen Kontextes der 1970er Jahre einen Zugang zum Verständnis der künstlerischen Praxis und zu Problemstellungen in Osteuropa. Die gängige Debatte über osteuropäische Kunst, über ihr Wesen, ihre Legitimität oder Fiktionalität wird hier um konkrete Beispiele ergänzt, die die spezielle Konstitution dieser Kunst, ihre Funktion und ihr Potential beleuchten. Neue, auch kritische Einblicke in die Kunstproduktion Osteuropas werden aufgezeigt.
Zöbl, Dorothea. Leben am Kurfürstendamm. 100 Jahre Geschichte und Geschichten um die Mietshäuser Kurfürstendamm 48–50. Hrsg.: Bröhan, Margrit. 248 S., 121 meist fb. Abb. 24 x 17 cm, Gb. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2011. EUR 39,00 CHF 55,90 ISBN: 978-3-7861-2641-6 Gebr. Mann Verlag
Die ein Jahrhundert umfassende Geschichte der vornehmen Wohn- und Geschäftshäuser Kurfürstendamm 48–50a am heutigen George-Grosz-Platz erzählt vom Gebäude und seinen Bewohnern als Teil des Boulevards. Hinter Fassaden der Neorenaissance lebten gehobene Kreise in bis zu 500 qm großen Wohnungen. Um 1900 vom Eigentümer Heinrich Munk, Architekt und Bauunternehmer, errichtet, bot das Haus bis 1919 auch ihm und seiner Familie ein luxuriöses Wohnen. Nach und nach aber wich das Grün der parkähnlichen Höfe Autogaragen und Benzingruben. Das hohe Sockelgeschoss, von Hermann Muthesius 1925 modernisiert, beherbergte ab den Zwanziger Jahren zahlreiche Geschäfte. Im Hof produzierte zeitweise eine Zigarettenfabrik. In den Wohnungen, Läden und Büros haben viele Menschen gelebt, gearbeitet, gefeiert, gelitten. Den Schriftsteller Hans Sahl, der in seiner Jugend im Haus Kurfürstendamm 50 wohnte, zwangen die Nationalsozialisten zur Emigration, andere Bewohner wurden deportiert und ermordet. Das Häuserensemble überstand den Krieg leicht beschädigt und war eine Zuflucht für Ausgebombte, bis sich in der Nachkriegszeit mehr und mehr renommierte Geschäfte etablierten. Die politischen Veränderungen der 1960er Jahre gaben dem Kurfürstendamm und den Häusern 48–50a ein neues Gesicht.
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Arne Karsten (Hrsg.). Das Grabmal des Günstlings. Studien zur Memorialkultur frühneuzeitlicher Favoriten. Humboldt-Schriften zur Kunst- und Bildgeschichte, Band XV. 2011. 352 S. 146 Abb. 17×24 cm. Br. EUR 59,00 ISBN: 978-3-7861-2644-7 Gebr. Mann Verlag
Er gehört zu den negativ belegten Gestalten der Geschichte: der Günstling, jene Figur des einflussreichen Politikers, der seine Stellung allein der Gunst des Herrschers verdankte. Anhand von Fallbeispielen untersucht der Band, wie der Ruf frühneuzeitlicher Günstlinge bei der Nachwelt durch aufwendige Grabmonumente positiv besetzt werden sollte.
Das frühneuzeitliche Europa war geprägt durch ein altbekanntes, in dieser Epoche aber gehäuft auftretendes gesellschaftliches Phänomen: die Figur des Günstlings, der, gestützt allein auf das Vertrauen des fürstlichen Souveräns, die Fäden der Politik in den Händen hielt. Dieser »Favorit« war nicht an Herkunft und Stand, nicht an Religion, ja nicht einmal an das Geschlecht gebunden. Es gab hochadlige Günstlinge ebenso wie solche aus dem niederen Adel oder bürgerliche, protestantische und katholische (hier oft im Kardinalsrang) und ebenso weibliche Günstlinge, in der Gestalt der Mätresse. Gemeinsam war ihnen allen, dass sie ihren rasanten gesellschaftlichen Aufstieg vor allem der informellen Nähe zum Herrscher verdankten und deswegen rechtfertigen mussten. Dieser Rechtfertigung diente in besonderem Maße die wohldurchdachte, oft schon zu Lebzeiten in Auftrag gegebene Stilisierung ihres Andenkens durch kostspielige Grabmonumente. Die im vorliegenden Band vereinigten Studien untersuchen die dabei gewählten visuellen Strategien im Kontext der jeweiligen politischen Konstellationen in den Staaten des frühneuzeitlichen Europa.
Meike Leyde. Die Museen von Wim Quist. Museumsarchitektur der Niederlande seit 1970. 2011. 488 S. 375 Abb. davon 21 farbig, 21 × 28 cm, Gb., EUR 89,00 ISBN: 978-3-7861-2645-4 Gebr. Mann Verlag
Bekannt geworden durch den Erweiterungsbau für das Kröller-Müller Museum in Otterlo gilt der Architekt Wim Quist als der führende Museumsarchitekt der Niederlande. Seine Museumsbauten und -entwürfe werden hier erstmals vollständig dokumentiert, umfassend architekturhistorisch untersucht und eingeordnet.
In den Niederlanden setzte ein Museumsbauboom, wie er in anderen Ländern seit den 1980er Jahren zu beobachten war, erst in den 1990er Jahren ein. Möglicherweise ist gerade deswegen die zweifelsfrei reiche Museumslandschaft der Niederlande noch weitgehend unerforscht, die durch die Bauten des Museumsarchitekten Wim Quist (*1930), dem »museumbouwer van Nederland«, nachhaltig geprägt wurde. Der Auftrag für einen Erweiterungsbau am Kröller-Müller Museum in Otterlo Anfang der 1970er Jahre bedeutete Wim Quists Einstieg in die Museumsarchitektur. Er kam aus dem Industriebau, hatte einige Wohnbauten entworfen, war aber unerfahren in der Museumsarchitektur. Umso bemerkenswerter ist sein rapider Aufstieg zum führenden niederländischen Museumsarchitekten. Der Erfolg des Kröller-Müller Museums brachte ihm fast alle Aufträge für Museumsneubauten in den Niederlanden der 1980er Jahre ein. Bis heute entwirft und baut er Museen. Im Vordergrund steht dabei stets die Funktionalität, der Museumsbau ist für Quist kein Mittel zur Selbstdarstellung. Die Einführung des Parkmuseums und des Museums als städtebauliches Instrument in den Niederlanden sind nur zwei wichtige Aspekte seines vielfältigen Werkes.
Bruno Taut. Ich liebe die japanische Kultur. Kleine Schriften über Japan. Hrsg. und Einleitung von Manfred Speidel. 2. Auflage 2004. 240 S. 140 Abb. 17 x 24 cm. Br. EUR 48,00 CHF 63,90 ISBN: 978-3-7861-2460-3 Gebr. Mann Verlag
Im vorliegenden Band trägt Manfred Speidel 20 Schriften von Bruno Taut aus den drei Jahren der Emigration nach Japan 1933-36 zusammen.
Bruno Taut, der Architekt Berliner Großsiedlungen der 20er Jahre, emigrierte 1933-1936 nach Japan. Die Hoffnung auf eine architektonische Tätigkeit dort blieb weitgehend unerfüllt. Mit Entwürfen für Gebrauchsgegenstände und Möbel, die japanisches Kunsthandwerk hoher Qualität erforderten, konnte er einen Lebensunterhalt verdienen. Etwa 300 Entwürfe und zahlreiche Texte zum Kunstgewerbe sind erhalten. Seine Haupttätigkeit wurde jedoch das Studium japanischer Architektur und Kultur, insbesondere des Wohnhauses. Er verfasste viele Artikel, die in japanischer Übersetzung oder in französisch oder englisch in Zeitschriften erschienen. Diese Schriften sind im vorliegenden Band zusammengetragen. In einem einleitenden Kapitel von Manfred Speidel wird Tauts Flucht aus Berlin und sein Leben und Wirken als Emigrant in Japan ausführlich dargestellt. 17 der 20 Essays erscheinen zum ersten Mal in deutscher Sprache. Die Essays zeigen unmittelbar Tauts Erleben einer ihm bis dahin weitgehend unbekannten Welt. Bemerkenswert ist, dass der »moderne« Berliner Architekt, Bauernhaus und Volkskultur schätzen lernt, aber immer das »Echte« als verbindlichen Wert betont.
Bruno Taut. Das japanische Haus und sein Leben. Houses and People of Japan. Hrsg. Manfred Speidel. 5. Auflage 2010. XXIV, 1 Farbabbildung; 358 S. 566 Abb. dav. 8 fbg, 18,7 x 26 cm. Gb. EUR 79,00 CHF 106,00 ISBN: 978-3-7861-1882-4 Gebr. Mann Verlag
»Das japanische Haus und sein Leben« ist eines von Bruno Tauts Hauptwerken, das der Architekt in den Jahren der Emigration auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in Japan verfaßt hat und erscheint erst jetzt in deutscher Sprache nach dem originalen Manuskript.
Hierzulande assoziiert man mit Bruno Taut seine weltberühmten Siedlungen der 20er Jahre und seinen wesentlichen Einfluß auf die Vorstellung von moderner Baukunst, die sich mit seiner Architektur verbindet. Zwar ist sein Wirken als Architekturschriftsteller nicht unbekannt geblieben, aber eines seiner Hauptwerke erscheint erst jetzt in deutscher Sprache nach dem originalen Manuskript. In englischer Sprache sind, zuerst 1937, bereits zwei Auflagen erschienen, in Japan gilt das Buch bis heute als Standardwerk zum Verständnis der Architekturgeschichte des Landes. Das, was die Architektur Bruno Tauts im besonderen auszeichnet, kehrt in der Betrachtung der historischen Architektur Japans wieder, Qualitäten wie Einfachheit, Bescheidenheit und Respekt vor wahrer Tradition zeichnen beide aus. Dem Leser des Buches bietet sich die Möglichkeit für ein tieferes Verständnis der japanischen Architektur, die aus ihren historischen und gesellschaftlichen Bedingungen heraus entworfen wird. Das Layout der deutschen Ausgabe folgt genau den Vorgaben Bruno Tauts, der das Buch bis in die letzten Details selbst entworfen hat.
Die Fülle an Material über das japanische Haus, seine Bewohner, über die klimatischen Umstände bis hin zur Religion, ist beeindruckend. (...) Dieses Buch sollte den Weg in viele Bibliotheken finden. [Zeitschrift für Architektur] Dem Leser des Buches bietet sich die Möglichkeit für ein tieferes Verständnis der japanischen Architektur, die aus ihren historischen und gesellschaftlichen Bedingungen heraus entworfen wird. [baublatt]
Taut hat für diesen Band nicht nur den Text verfasst, sondern sich auch zum Layout Gedanken gemacht und viele Fotos aufgenommen. So entstand ein in sich geschlossenes Werk, an dessen inhaltlicher Dichte manch einer der schnell gemachten Bücher unserer Zeit Maß nehmen könnte. [ZiegelForum]
Polte, Maren. Klasse Bilder. Die Fotografieästhetik der »Becher-Schule«. Hrsg.: Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin. Humboldt-Schriften zur Kunst- und Bildgeschichte (Band XVII). 2011. 256 S. 133 Abb., davon 43 fb.. 24 x 17 cm. Pb. EUR 49,00. CHF 65,50 ISBN: 978-3-7861-2655-3 Gebr. Mann Verlag
Obwohl die Schüler von Bernd und Hilla Becher längst individuelle Wege gehen, hat sich der Gruppen-Name »Becher-Schule« eingebürgert. Maren Polte untersucht die Ästhetik dieser einflussreichsten zeitgenössischen Fotokünstler Deutschlands, zeigt Gemeinsamkeiten wie Unterschiede und fragt, ob und wie weit überhaupt von einer »Schule« die Rede sein kann.
1976 wurde Bernd Becher zum ersten Professor für freie Fotografie an einer deutschen Kunstakademie ernannt. Zu seinen ersten Schülern zählen die fünf prominenten Fotokünstler Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Thomas Ruff und Thomas Struth. Mittlerweile sind ihre Werke weltweit in Museen und Sammlungen vertreten und erzielen auf dem Kunstmarkt Höchstpreise. Ab Ende der 1980er Jahre werden sie unter dem Begriff »Becher-Schule« subsummiert, der seither als Prädikat einer sich emanzipierenden, medienreflexiv und konzeptuell angelegten Fotografie gilt. Entstanden aus eher sprach-ökonomischen Gründen hat sich dieser Begriff verselbständigt und ist über die Jahre zu einem Erfolgslabel geworden. Dabei waren den Schülern die Probleme, als Kollektiv rezipiert zu werden, durchaus bewusst. Ihr Verhältnis untereinander oszilliert zwischen dem Bedürfnis nach »gruppeninterner Abgrenzung« und Lust am kollegialen Kräftemessen durch thematische Annäherung. Heute sind sie längst keine Schüler mehr, sondern arrivierte Künstler und zum Teil ihrerseits Lehrer.
Doch ihre eigenständigen Werke lassen sich klassifizieren und auf eine gemeinsame Haltung und wesentliche ästhetische Parameter zurückführen, die in dieser Arbeit erstmals umfassend untersucht werden.
Kromrei, Claudia. Albert Gessner. Das städtische Miethaus. Mit einem Katalog des Gesamtwerks. Reihe Hrsg.: Landesdenkmalamt Berlin. Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Beihefte (36). 2011. 480 S. 400 Abb. 24 x 17 cm. Gb. EUR 89,00. CHF 118,00 ISBN: 978-3-7861-2656-0 Gebr. Mann Verlag
Albert Gessner zählte in dem Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg zu den wichtigsten und bekanntesten Architekten der Stadt Berlin. Als einer der wenigen seiner Zeit hat er die Bauaufgabe städtisches Miethaus als umfassende künstlerische Herausforderung begriffen und diesen Typus in seiner ganzen Komplexität reformiert.
Sein gesamtes praktisches und theoretisches Schaffen widmete Albert Gessner (1868– 1953) einem einzigen Thema: dem Wohnen. Seine Auseinandersetzung damit erfolgte in geradezu einzigartiger Weise umfassend und intensiv: »Vom Sofakissen zum Städtebau « – von kunstgewerblichen Arbeiten über das Landhaus bis zum städtischen Miethaus, vom kleinsten Detail der Wohnung bis zum Bebauungsplan und dem Bild eines ganzen Straßenzugs. In seinem Bekenntnis zum städtischen Wohnen und dem Finden einer bis heute geeigneten Form dafür erweist sich der Reformer durchaus als Visionär. Claudia Kromrei legt mit diesem Band eine zusammenhängende Untersuchung aller Bestandteile des baukünstlerischen Schaffen Gessners vor. Auf Grundlage seiner veröffentlichten Schriften – insbesondere des Buchs Das deutsche Miethaus –, seiner Bauten und Projekte sowie seines erstmals zugänglichen schriftlichen Nachlasses stellt sie die spezifische Reform und Transformation des Typus’ Miethaus und des städtischen Wohnungsbaus im beginnenden 20. Jahrhundert dar. Das Buch schließt mit einem vollständigen Werkverzeichnis mit umfassendem Werkkatalog und liefert damit eine detaillierte und systematische Übersicht über das Gesamtwerk Albert Gessners.
Jahrbuch Preussischer Kulturbesitz / Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz. 2010. Reihe Hrsg.: Stiftung Preussischer Kulturbesitz. 2011. 420 S. 80 Abb., davon 50 fb.. 23 x 15 cm. Gb. EUR 35,00. CHF 47,90 ISBN: 978-3-7861-2659-1 Gebr. Mann Verlag
Noch nicht lieferbar. Sie können diesen Titel vormerken. Erscheint November 2011
Im Sommer 2010 beging die Stiftung das Jubiläum »Zehn Jahre UNESCO Welterbe Museumsinsel Berlin«. Im 46. Band des Jahrbuchs werden der Festakt und die zu diesem Anlass erfolgte Eröffnung des wiederhergestellten Kolonnadenhofs dokumentiert. Ebenso festgehalten ist das Richtfest für das »Kompetenzzentrum Archäologie« der Staatlichen Museen zu Berlin, das einen weiteren Schritt zur Realisierung des »Masterplans Museumsinsel« markiert. Mit der Zukunft der Museumsinsel befasst sich auch ein Beitrag zur Bedeutung der Mschatta-Fassade und ihrer künftigen Präsentation im Pergamonmuseum. Wie jedes Jahr bietet das Jahrbuch außerdem einen Überblick über die Ausstellungen und Veröffentlichungen der Stiftung und ihrer Einrichtungen sowie die bedeutendsten Ereignisse im Berichtsjahr, in dem etwa die Tagung »Wissensarchive im Dialog mit Wissenschaft und Gesellschaft« stattfand. Der Fund von elf im Nationalsozialismus als »Entartete Kunst« gebrandmarkten Skulpturen, die bei Grabungen vor dem Berliner Roten Rathaus aus dem Bombenschutt geborgen wurden, und das Humboldt- Forum im wiedererrichteten Berliner Stadtschloss sind weitere Themen, die im Jahrbuch aufgegriffen werden. Dem Kompetenznetzwerk zur Erforschung von interdependenten Ungleichheiten in Lateinamerika, »desiguALdades«, widmet sich ein Beitrag der Direktorin des Ibero-Amerikanischen Instituts.
Pütz, Saskia. Künstlerautobiographie. Die Konstruktion von Künstlerschaft am Beispiel Ludwig Richters. Reihe Hrsg.: Kunsthistorisches Institut d. Freien Universität Berlin. Berliner Schriften zur Kunst (Band XXIII). 2011. 312 S. 20 Abb., davon 10 fb.. 24 x 17 cm. Gb. EUR 59,00. CHF 78,90 ISBN: 978-3-7861-2657-7 Gebr. Mann Verlag
Wie äußern Künstler ihre Vorstellung von sich selbst? Saskia Pütz analysiert die Konstruktion von Künstlerschaft in deutschen Autobiographien des 19. Jahrhunderts. Ausgehend von den Lebenserinnerungen Ludwig Richters stellt sie die Übernahme literarischer Motive und wissenschaftlicher Strukturen dar.
Im »Jahrhundert der Biographie« beginnen auch Künstler, ihre Lebenswege aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Der Anstieg gedruckter Künstlerautobiographien in Deutschland während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist bedeutsam. Die Texte entstehen dabei jeweils im Spannungsbereich von persönlichen Beweggründen, öffentlichem Interesse, wissenschaftlichen Anliegen und literarischen Vorbildern. Saskia Pütz untersucht diese Konstruktion von Künstlerschaft in der Künstlerautobiographie des 19. Jahrhunderts. Im Zentrum stehen die Lebenserinnerungen eines deutschen Malers von Ludwig Richter, anhand derer sie die Strukturen und Motive, mit denen künstlerische Identität im Text entworfen wird, analysiert. Im Vergleich mit anderen Selbstbiographien, so von Carl G. Carus, Wilhelm v. Kügelgen, Ernst Rietschel und Louise Seidler, werden zentrale Parameter herausgearbeitet, die für die Künstlerautobiographik des 19. Jahrhunderts allgemein von Interesse sind. Die Künstlerautobiographie erweist sich als literarischer Text, der die Entstehung und Darstellung von Künstlerschaft explizit zum Thema hat. Ihr charakteristischer Ausdruck künstlerischer Identität sowie ihre Prägung eines Modells sind kennzeichnend für die Moderne.
Hilliges, Marion. Das Stadt- und Festungstor. Fortezza und sicurezza – zur semantischen Aufrüstung im 16. Jahrhundert. Reihe Hrsg.: Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin. Humboldt-Schriften zur Kunst- und Bildgeschichte (Band XVI). 2011. 384 S. 282 Abb., davon 32 fb.. 24 x 17 cm. Br. EUR 49,00. CHF 65,50 ISBN: 978-3-7861-2654-6 Gebr. Mann Verlag
Die umwälzenden Ereignisse im 15. Jahrhundert, die eng mit der veränderten Kriegsführung zusammenhingen, haben sich mehr als bisher wahrgenommen auf die Architektursprache des 16. Jahrhunderts ausgewirkt. An ausgewählten Torbauten, den neuralgischen Punkten moderner Festungsanlagen, wird die Herausbildung neuer architektonischer Ausdrucksformen exemplarisch dargestellt.
Die neue, auf dem Einsatz der Kanone beruhende Kriegsführung zog die Entwicklung eines modernen Verteidigungssystems nach sich, das sich nicht nur durch eine überklare Geometrisierung (Sternmuster), sondern ebenso durch eine spezifische Bauornamentik auszeichnete. An Torbauten des 16. Jahrhunderts ist der Prozess der semantischen Aufrüstung in besonderem Maße erkennbar, da sie als Eingang in die Stadt oder Festung in Friedenszeiten das Repräsentationsbedürfnis befriedigen und im Kriegsfall besonders gesichert werden mussten. In den Zeichnungen und Entwürfen Francesco di Giorgios, Leonardos, Antonio da Sangallos d. J. und Michelangelos ist der Prozess der Formfindung für neue Festungs- und Torgrundrisse anschaulich nachvollziehbar. Für die Torfassade wurden neue Motive ausgebildet, die ausdrücklich der Darstellung von Festigkeit verpflichtet waren. Durch die Verbreitung der italienischen Manier bis in den nordalpinen Raum konnte sich dieser im Festungsbau erprobte neue Militärstil als eine Art internationaler Stil etablieren, der schließlich auch gezielt in der architettura civile eingesetzt wurde und die Architektursprache der Frühen Neuzeit nachhaltig prägte.
Architektur zwischen Kunst und Wissenschaft. Texte der tschechischen Architektur-Avantgarde 1918-1938. Hrsg.: Fabian, Jeanette; Mitherausgeber: Winko, Ulrich. 2011. 396 S. 115 s/w-Abb. 24 x 17 cm. Pb. EUR 39,00. ISBN: 978-3-7861-2506-8 Gebr. Mann Verlag
Architekturtheoretische Manifeste und Selbstdarstellungen der tschechischen Architektur-Avantgarde aus der Zeit der ersten tschechoslowakischen Republik liegen jetzt in deutscher Übersetzung vor. Beiträge von Krejcar, Kroha, Mukarovsky, Obrtel, Teige sowie die Reaktionen Le Corbusiers auf Letzteren werden durch Biografien und Kommentare ergänzt.
Aufschlussreiche Bezüge zwischen der tschechischen Architektur-Avantgarde und der europäischen Moderne ließen bereits Adolf Behne nach intensiver Korrespondenz mit seinem tschechischen Kollegen Karel Teige äußern, es sei für ihn „nun wirklich an der Zeit, Tschechisch zu lernen“. Jetzt liegen die architekturtheoretischen Manifeste und Selbstdarstellungen der tschechischen Architektur-Avantgarde aus der Zeit der ersten tschechoslowakischen Republik (1918–1938) erstmals in deutscher Übersetzung vor. Die Anthologie enthält unter anderen Beiträge von J. Krejcar, J. Kroha, J. Mukaovský, V. Obrtel, K. Teige sowie die Reaktionen Le Corbusiers auf Letzteren. Ursprünglich erschienen die Texte in Architekturmonografien und Zeitschriften und sind – betrachtet im Kontext der europäischen Avantgarde – sowohl hinsichtlich ihrer Qualität als auch ihrer Vielzahl einzigartig. Die Autoren werden jeweils kurz vorgestellt, und alle Texte sind erläuternd kommentiert. Die Einleitung stellt ausführlich die kulturellen und sozialen Grundlagen und das Spektrum der modernen tschechischen Architektur in der Zwischenkriegszeit dar und führt in die architekturtheoretischen Diskurse der tschechischen Architektur-Avantgarde ein.
Hecht, Christian. Katholische Bildertheologie der frühen Neuzeit. Studien zu Traktaten von Johannes Molanus, Gabriele Paleotti und anderen Autoren. 2. Auflage. 2011. 552 S. 75 Abb. 24 x 17 cm. Gb. EUR 79,00. CHF 97,90 ISBN: 978-3-7861-2622-5 Gebr. Mann Verlag
Die katholische Bildertheologie der frühen Neuzeit war eine wesentliche Grundlage für die Kunstentwicklung dieser Epoche. Anhand von zeitgenössischen Schriften werden Inhalte, Bedeutung und Auswirkungen sowohl für die grundsätzliche Beurteilung der Bilder als auch für die Ikonographie umfassend dargestellt und erörtert.
Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert entstanden zahlreiche Schriften, in denen unterschiedlichste Autoren den überkommenen katholischen Bildgebrauch gegen die Angriffe der Reformation verteidigten. Die Inhalte dieser Schriften werden in diesem Band ausführlich dargelegt und analysiert, und es werden die Bezüge dieser Texte zur Praxis der Kunst aufgezeigt. Der wichtigste Bildertheologe war der Löwener Universitätslehrer Johannes Molanus. Den Dekreten des Trienter Konzils (1563) folgend betonte er das Traditionsprinzip, das es unmöglich machte, sowohl die Bilder aufzugeben als auch ihre – ebenfalls traditionelle – Vielfalt zu reglementieren. Sein Antipode ist der Bologneser Kardinal Gabriele Paleotti, der vergeblich versuchte, umsetzbare Regeln für Bilder aufzustellen, und aus theologischen, philosophischen und kirchenpolitischen Gründen schließlich scheiterte. Sein beabsichtigtes neues Regelwerk, das nie veröffentlicht wurde, wäre nicht mit dem von der römischen Kurie vertretenen Traditionsprinzip vereinbar gewesen: Unbeabsichtigt aber wirksam sicherte dieses Prinzip die Rahmenbedingungen für eine kontinuierliche künstlerische Entwicklung.
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