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Wasmuth Verlag

 
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Testfall der Moderne. Diskurs und Transfer im Schulbau der 1950er Jahre. Renz, Kerstin. 2017. 380 S. zahlr. Abb. 24 x 17 cm. Engl. Br. EUR 45,00. ISBN: 978-3-8030-0816-9 Wasmuth
Kaum eine Bauaufgabe wurde nach 1945 in Deutschland so sehr von Erwartungen an einen demokratischen Neubeginn begleitet wie das Schulhaus. Die Architektur und der Standort der Schule im städtebaulichen Kontext standen im Fokus der Pädagogen, der Lokalpolitik und nicht zuletzt der Architekten. Ein zentrales Thema der modernen Architektur, die Geschichte der „Neuen Schule“ für den „Neuen Menschen“, schien sich zu wiederholen. Dieses Mal allerdings unter umgekehrten Vorzeichen: Waren in den 1920er und 1930er Jahren die Impulse für die Schulbaumoderne vor allem von Deutschland und der Schweiz ausgegangen, verfolgten nun die Besatzungsmächte ihre jeweils eigene Vorstellung von der idealen Schule. Die Architektur der Schule wurde in diesen Jahren zum Testfall der Moderne.
Die Architekturhistorikerin Kerstin Renz öffnet mit diesem Buch ein spannendes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte. Das Bauen von Schulen war in der jungen Bundesrepublik eine dringende Notwendigkeit und zugleich ein Politikum. Ging es nach einzelnen Reformern, sollte aus der Neuen Schule die New School werden, deren leichte Architekturen im Grünen für den Frieden, für Demokratie und ein neues, supranationales Gesellschaftsverständnis stehen sollten. In der Auseinandersetzung um die ideale Schule standen sich Erfahrung und Experiment, eingeübte Baupraxis und Reformbereitschaft nicht selten unversöhnlich gegenüber. Die Autorin zeigt anhand zahlreicher Schularchitekturen der 1950er Jahre, wie unterschiedlich der Begriff der „Schulbaureform“ ausgelegt wurde und wie Diskurs und Ideentransfer die Baupraxis beeinflussten.
Stadtplanerische und städtebauliche Leitbilder seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Überblick. Jonas, Carsten. 2017. 328 S. zahlr. Abb. 22 x 17 cm. Pb. EUR 24,80. ISBN: 978-3-8030-0812-1 Wasmuth
Berlinkontinuum. Dreihundert Jahre Stadtarchitektur in Berlin. Meisse, Maximilian. Fotograf Meisse, Maximilian; Einführung von Tubessing, Markus. Engl.; Dtsch. 2016. 96 S. 54 fb. Abb. 29 x 25 cm. Gb. EUR 29,80. ISBN: 978-3-8030-0818-3 Wasmuth
Ein Berlinkontinuum zu entwerfen ist gewiss eine Utopie, in Meisses Bildern aber wird sie konkret. Denn er zeigt uns nicht die Metapher einer Stadt, sondern ein Berlin, in dem Menschen wohnen, arbeiten, leben und genießen. Meisse zeigt uns: Berlinkontinuum, längst wird es wieder real.
Tesfaye Urgessa. Fremdkörper. Hrsg.: Schacher – Raum für Kunst; Beitr.: Schacher, Marko; Urgessa, Tesfaye. Engl.; Dtsch. 2016. 124 S. 112 fb. Abb. 30 x 21 cm. Pb. EUR 19,80. ISBN: 978-3-8030-3387-1 Wasmuth
Der anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Stuttgarter Galerie „Schacher – Raum für Kunst“ erschienene Katalog gleicht einem Werksverzeichnis des 1983 in Addis Abeba, Äthiopien, geborenen Künstlers. Neben allen zwischen 2009 und 2016 entstandenen Ölgemälden ist eine repräsentative Auswahl der zeitgleich gemalten und gezeichneten Arbeiten auf Papier abgebildet – ausgeführt mit Graphit, Lack, Ölpastell, Kohle, teils als übermalte Monotypien.
2009 aus Äthiopien nach Deutschland gekommen, weiß Tesfaye Urgessa, wie es ist, sich fremd und unter Beobachtung zu fühlen. In seinen gleichermaßen surreal wie sinnlich anmutenden Gemälden greift er eigene biografische Erfahrungen auf und präsentiert buchstäblich vielschichtige Körper- und Möbelfragmente. Die unmittelbare Umgebung der Figuren bleibt immer unklar. Oft erinnert die Innenarchitektur an Wartezimmer, Hotel-Interieurs oder Peepshow-Bühnen.
Urgessas Protagonisten wirken verletzlich, aber gleichzeitig selbstbewusst. Unbekleidet, unseren Blicken ausgesetzt, offenbaren sie uns die ihr Innenleben. Haben wir noch die Beobachtungs-Hoheit oder werden wir selbst beobachtet? Requisiten und integrierte Kommentare wie „lost and never found“ laden die Bilder narrativ auf.
Es geht dem Künstler nicht darum, gesehene und erlebte Situationen und Personen adäquat eins zu eins abzubilden, sondern um das Aufgreifen und Weiterausarbeiten eines Gefühls oder einer Begegnung. Konkrete Formen wie Möbel und Lampen und abstrakte Formsplitter sind zusammen mit den Figuren in einen reizvollen Dialog gesetzt. Verschiedene Perspektiven und Körper-Torsi sind zum unrealistischen, aber ästhetischen Ensemble vereint.
“Mich interessiert die psychische Verfassung des Menschen, wie sie sich in Beziehung zu politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen herausbildet. Daher sind die Figuren die wichtigsten Elemente meiner Bilder. Sie sind eine Art Sprache, ein Gedanke, verkörpert in menschlichem Fleisch.“ (Tesfaye Urgessa)
ATMOS. Marlis Albrecht. Dtsch/Engl. Hrsg.: Sedler, Irmgard. Beitr.: Mildenberger, Hermann; Sedler, Irmgard. Interviewer Schmidt, Heidi. 2016. 96 S., 71 fb. Abb. 30 x 24 cm. Gb. EUR 28,00 ISBN: 978-3-8030-3386-4 Wasmuth
„Ich möchte nicht den Wald oder die Menschen malen, sondern vielmehr das Geheimnis, das sie umgibt.“ Die Aussage der 1956 geborenen Marlis Albrecht formuliert eine künstlerische Position, die auf den magischen Gehalt des Kunstaktes und des Kunstobjektes rekurriert. Denn gute Kunst, die die Zeiten überdauert, verrät nie ihr letztes Geheimnis.
In diesem Kontext ist es kein Zufall, dass die Künstlerin auf das Wachs als Gestaltungsmaterial zurückgreift, da dessen Eigenschaften und ästhetische Wirkung ebenso wenig erschöpfend zu erklären sind, wie das Wesen der Malerei selbst.
Der Katalog zu der Ausstellung im Kleihues-Bau vereint Werke aus der jüngsten, die letzten zwei Jahre umfassenden Schaffensperiode von Marlis Albrecht. Thematisch fokussiert auf die zwei schon erwähnten Bereiche – das menschliche Antlitz und der Wald, beides Symbole unergründlicher Natur –, bewegt sich die Künstlerin noch im Bereich des Figurativen, wobei sie gekonnt den Bogen zwischen vermeintlicher Realitätsspiegelung und purer Imagination spannt.
Die malerische Umsetzung einer Idee, die sich in der untersten Wachsschichtung konturiert, um sich dann im fortschreitenden Malprozess behutsam bis an die Oberfläche zu „vertiefen“, lässt ein solches Werk lebendig und offen bleiben. Es wirkt auf den Betrachter auf entrückte Weise poetisch-lyrisch. Ob sensualistisches Landschaftserlebnis oder verrätseltes Antlitz – Marlis Albrechts Arbeiten wenden sich einem zutiefst romantisch geprägten Weltverständnis als zeitgemäß neu zu definierendes künstlerisches Paradigma zu. Der Katalog zur Ausstellung von Arbeiten der Künstlerin im Museum im Kleihues-Bau, Kornwestheim, vom 7. Oktober 2016 bis 5. Februar 2017 veranschaulicht dieses eindrucksvoll.
Gestaltete Sehnsucht. Reiseplakate um 1900. Hrsg.: Haas, Mechthild; Hessisches Landesmuseum Darmstadt; Dossi, Davide. 2016. 104 S., 65 fb. Abb. 30 x 24 cm. Engl. Br. EUR 24,00 ISBN: 978-3-8030-3385-7 Wasmuth
Um 1900 stand der Massentourismus noch am Anfang, der Wettstreit um Gäste hatte aber schon begonnen. So versuchten die Werbetreibenden das Besondere der jeweiligen Region ins rechte Bild zu rücken: Großflächig, in kräftigen Farben und schwungvollen Konturen werben Reiseplakate für den Urlaub in den Bergen mit Wandern oder Skifahren. Kurbäder locken mit ihren mondänen Hotelanlagen, jodhaltigem Wasser und gesunder Luft. Städte inszenieren ihre Wahrzeichen. Moderne Fortbewegungsmittel und die Motorisierung werden Thema, etwa bei geselligen Radtouren, bequemen Zugfahrten oder dem schnellen Automobil. Bergbahnen und Rundflüge versprechen neue Perspektiven. Reiseveranstalter bieten Weltreisen in Luftschiffen oder auf Luxusdampfern. Reizvoll sind außerdem die historischen Details auf den Reklametafeln für Mode, Reiseutensilien, Wander- oder Ski-Ausrüstungen.
Das Katalogbuch präsentiert 40 solcher Plakate zum Thema Reisen aus der Graphischen Sammlung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt und bespricht sie ausführlich. Es dokumentiert damit nicht nur die Entwicklung des modernen Plakats von seinen Anfängen in den 1880er Jahren bis zur Weimarer Republik, sondern liefert auch eine spannende kulturgeschichtliche Zeitreise. In der Auswahl sind berühmte Pioniere des Genres wie Jules Chéret, Alphonse Mucha, Lucian Bernhard, Edmund Edel, Ludwig Hohlwein, Carl Kunst oder Julius Klinger vertreten. Daneben sind aber auch seltene oder noch nie publizierte Beispiele bislang unbeachteter Plakatkünstler zu entdecken. Mit seinen großformatig abgedruckten Plakaten bietet das Buch ein Fest für die Augen und entführt seine Leser zu den Sehnsuchtsorten vergangener Zeiten.
Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Hessischen Landesmuseum Darmstadt vom 27. Oktober 2016 bis 22. Januar 2017.
ARCHITEKTUR RAUM THEORIE. Eine kommentierte Anthologie. Hrsg.: Denk, Andreas; Schröder, Uwe; Schützeichel, Rainer. Mitwirkung Schreiner, Christopher. 2016. 752 S. 22 x 16 cm. Gb. EUR 39,90 CHF 41,10 ISBN: 978-3-8030-0774-2 Wasmuth
Die vorliegende Anthologie unternimmt ausgehend von einer historischen Betrachtung den Versuch einer Verständigung über die grundsätzliche Auffassung, die Bedeutung und den Zusammenhang von Raum, Räumen und Räumlichkeit und eine daraus hervorgehende Gestaltung von Architektur und Stadt. Die ausgewählten Texte spannen einen Bogen der Begriffsgeschichte des architektonischen Raumes, doch lässt sich jeder Text dieser Anthologie auch separat lesen. Jeder Quellentext ist mit einem kurzen Kommentar versehen, der neben biographischen Hinweisen zum Autor die zentrale Idee des jeweiligen raumtheoretischen Konzepts umreißt, Hinweise auf Zusammenhänge mit anderen Disziplinen, auf Auswirkungen und Folgen, auf Vorbilder und Nachahmer gibt sowie eine kontextuelle Einordnung der jeweiligen Raumtheorie leistet.
Mit Texten von: Marc Augé • Leo Adler • Gaston Bachelard • Franz Xaver Baier • Gernot Böhme • Otto Friedrich Bollnow • Philippe Boudon • Albert Erich Brinckmann • Hermann Cohen • Theo van Doesburg • Karlfried von Dürckheim • Gustav Ebe • Peter Eisenman • August Endell • Christoph Feldtkeller • Michel Foucault • Paul Frankl • Dagobert Frey • Jean Gebser • Sigfried Giedion • Erwin Anton Gutkind • Martin Heidegger • Adolf Hildebrand • Otto Karow • Rem Koolhaas • Rob Krier • Dom Hans van der Laan • Henri Lefèbvre • Daniel Libeskind • Theodor Lipps • El Lissitzky • Martina Löw • Adolf Loos • Richard Lucae • Wolfgang Meienheimer • Maurice Merleau-Ponty • László Moholy-Nagy • Richard Neutra • Christian Norberg-Schulz • Friedrich Ostendorf • August Schmarsow • Hermann Schmitz • Fritz Schumacher • Martin Seel • Gottfried Semper • Georg Simmel • Camillo Sitte • Peter Sloterdijk • Herman Sörgel • Leopold Ziegler • Paul Zucker
Florian Baudrexel. Gelächter von außen. Hrsg.: Christian Malycha für den Kunstverein Reutlingen Texte: Annette Hans, Christian Malycha, Jan Wagner. Dtsch, Engl. 2016. 72 S., 42 z. T. fb. Abb. 30 x 24 cm. Pb. EUR 16,30 ISBN: 978-3-8030-3381-9 Wasmuth
Florian Baudrexels Reutlinger Ausstellung eröffnet ein weites Bezugsfeld, das große Wandreliefe, skulpturale Prototypen, Einbauten, Möbel und einen digital collagierten ´Bildteppich´ in modellhaften Raumsituationen miteinander verschränkt. Geradezu kaleidoskopisch spannt sich das Gewebe der Ausstellung von Kurt Schwitters Raumfantasien und dem Expressionistischen Film – beispielsweise schuf der Bildhauer Rudolf Belling 1914 den "Golem"“ für Paul Wegener – bis zu den form- und gestaltwandelnden Robotern in Michael Bays "Transformers" (2007).
Wie die Dichtung eigentlich alltägliche Worte aus ihrem angestammten Gebrauch herausnimmt, sie entformelt und in einen neuen Zusammenhang stellt, macht Baudrexel seine Gegenstände frei von ihrer dienenden Funktionalität und versetzt sie wieder in einen materiell rohen Bedeutungszustand. In seinem unvoreingenommenen Formungsprozess verschweigen diese ungeprägten Elemente ihre Herkunft zwar nicht, doch stoßen sie sich mit beträchtlichem Eigensinn von ihr ab und erlangen so eine beschwingte Anstößigkeit.
Sehnsuchtsfels Mallorca. Porträt einer Insel. Kerner, Charlotte; Fotos: Doehring, Anja. 2016. 160 S., 120 z. T. fb. Abb., 29 x 20 cm. Gb. EUR 34,00 CHF 35,00 ISBN: 978-3-8030-3379-6 Wasmuth
Liebevoll nennen die Mallorquiner ihre Heimat sa Roqueta, „unser Fels“ – wohl auch, weil die größte Baleareninsel jedes Jahr dem Ansturm von Millionen Touristen standhält und sich seit Jahrzehnten dabei ihre Schönheit und mallorquinische Eigenart bewahren kann. Die Menschen aus dem Norden haben viele Sehnsüchte im Gepäck, wenn sie auf diese Mittelmeerinsel reisen, auf der nicht nur „die Zitronen blühn“. Mallorca hat eine spannende, nicht immer sonnige Geschichte und fern der vollen Strände viele Gesichter, und zwar zu jeder Jahreszeit. Die Insel ist ruhig und überdreht, lieblich und schroff, steinig und heilig, dunkel und sonnig, kommerzialisiert und magisch, betäubend und anregend.
Die Fotografin Anja Doehring und die Schriftstellerin Charlotte Kerner, die beide seit vielen Jahren die beliebteste Ferieninsel Europas besuchen, zeichnen in einem Dialog von Wort und Bild ein ungewöhnliches, vielstimmiges und vielschichtiges Porträt der Illa Mallorca als „Sehnsuchtsfels“.
Ein sehr persönliches Buch, das Mallorca-Freunde und Mallorca-Verweigerer gleichermaßen überraschen wird.
Dunkel`s Freiheit. Joachim Dunkel. Texte zu Leben und Werk. 2016. 320 S., zahlr. fb. Abb. 15 x 25 cm. Gb. EUR 29,80 ISBN: 978-3-8030-3380-2 Wasmuth
30 Autoren aus drei Generationen erinnern an den Bildhauer, Zeichner und Holzschneider Joachim Dunkel (1925 – Berlin – 2002). Dabei nähern sie sich der Person und ihrem Wirken entweder im Rückblick als Zeitzeugen oder sie stellen Werke und Werkgruppen in den Fokus ihrer aktuellen Betrachtung. Mehr als 300 Abbildungen dokumentieren die Aktivitäten des Künstlers exemplarisch, darunter seine Partizipation an "Kunst am Bau"- Projekten, von den Großplastiken in der Scharoun- Siedlung Charlottenburg-Nord ab 1959 bis zu "Europa und der Stier" 1996/97 im Gewerbezentrum Pankow. Sein Engagement bei verschiedenen Bildhauer-Initiativen wie "Plastik 71", dem Verein im Westteil Berlins, ist hier erstmals chronologisch erfasst und in der Außenwirkung beschrieben. Das Bedürfnis der Inselberliner, sich Freiräume auswärts zu schaffen, tritt in den Dunkel´schen Skizzenbüchern und Landschaftszeichnungen aus der Franche Comté vor Augen. Und die Bemühungen der Halbstadt nach Weltgeltung zeigt sich am internationalen Musikpreis 1987/88, dessen "Berolina"- Trophäe in ihrer Entstehung nachgezeichnet wird. Recherchen zur Tätigkeit der Bildgießer und Photographen gestatten ein lebhaftes Bild über deren Zusammenarbeit mit dem Künstler. Da sein skulpturales Werk nicht nur Metallgüsse umfasst, geben einige Autoren Auskunft über Terrakotta und Gips als Endstufe, sowie über farbige Fassungen seiner Plastiken. Andere Autoren setzen sich mit der weiblichen Figur auseinander, dem Kardinalthema im Dunkel´schen Universum. Aus dem weiten Spektrum der Arbeiten auf Papier stehen Bildfindungen zum Minotaurus, zum Hubertushirsch, zu Fabeltieren und Zwischenwesen im Betrachtungsfeld.
In Fortsetzung von "Dunkel´s Geheimnis" (Sammelband I von 2010) reflektiert "Dunkel´s Freiheit" weitere Facetten seines verzweigten Künstlerlebens. Die Publikation macht erneut deutlich, dass Joachim Dunkel ein steter Referenzpunkt für Figuration und einer der wenigen Brückenbauer zwischen den Perioden, Orten und bildenden Künsten ist.
Hedwig Eberle. Hrsg.: Christian Malycha für den Kunstverein Reutlingen. Einführung: Christian Malycha. Dtsch;Engl. 2016. 64 S., 30 meist fb. Abb. 30 x 24 cm. Pb. EUR 16,80 ISBN: 978-3-8030-3382-6 Wasmuth
Für ihre erste institutionelle Einzelausstellung hat Hedwig Eberles mit Aquarell, Gouache und Tusche einen Zyklus großformatiger Papierarbeiten geschaffen. Ohne Glas gerahmt zeigt sich die lichthelle Farbe in aller Unmittelbarkeit. Offen fließt oder steht sie auf den Papieren, ebenso zart wie heftig wird sie auf- oder ausgestrichen, gebündelt oder zerstreut.
Sie sind von allen Seiten her gemalt, so dass sie sich fast schon topografisch ausbreiten. Um diese immense Ausdehnung beieinander zu halten, sind die Bildkanten wie mit einem Rahmen ausdrücklich durch einen freigelassenen weißen Rand betont. Die expansive Farbigkeit ist freigestellt und gleichsam umso stärker in ihrer bildlichen Einheit gefasst.
Zudem bestehen die Bildfelder nicht aus einem Stück, sondern setzen sich aus mehreren, aneinander geklebten Einzelblättern zusammen. Das flüssige Aquarell läuft in die Zwischenräume und setzt sich in den Fugen ab, worauf sich das Papier wölbt und nach dem Trocknen eine rasterförmige Struktur ausbildet. Durch dieses Raster erhalten die Papierarbeiten eine unterschwellige geometrische Ordnung, die dem aufbrausenden Rausch der Farbe zugrunde liegt wie das Notationssystem mit seinen Höhen und Tiefen, Zäsuren und Intervallen der Musik.
Hedwig Eberle vereint diesen ordnenden Halt mit ihren gestischen Ausbrüchen. Ruhe und Bewegung fallen in eins. Das straffe Lineargerüst und der lockere Gestus steigern sich wechselseitig, denn „Struktur ohne Leben ist tot, aber Leben ohne Struktur ist nicht wahrzunehmen“, wie John Cage treffend bemerkte. Die Bildgeometrie gibt gewissermaßen den tragenden Takt, durch den hindurch sich die Farbklänge erst entfalten können.
Die Farbzüge als Gegenpol des rationalen Rasters sind darüber hinaus menschliche Gesten, die sich als Spuren der Hand oder als immaterielle Empfindungen und Erfahrungen der ungegenständlichen Bildordnung einschreiben. Bisweilen sind es sogar ganz buchstäbliche Körperfragmente, die an Fotografien aus Magazinen oder Zeitschriften erinnern könnten. Körper in den unterschiedlichsten Situationen und Posen. Jetzt aber aus einem durch und durch ornamentalen Gefühl für die Linie gedacht, die die Erscheinung in sich aufgenommen hat und sich selbst beschreibt.
Wohin dies führen mag, ist heute keineswegs entschieden oder abgeschlossen. Was Hedwig Eberle stattdessen offenbar macht, ist der Prozess des Ringens um Farbe und Form, um die eigene Malerei. Ein malerisches Zwiegespräch, das in Konzentration und Zerstreuung, unbewusster Auflösung und bewusstem Zur-Gestalt-Kommen auch uns Betrachter miteinbezieht. In aller Offenheit ist jede ihrer Gesten eine suchende, eine versuchende.
Bauen und Wohnen. Die Geschichte der Werkbundsiedlungen. Beitr.: Flagmeier, Renate; Hanisch, Ruth; Held, Bettina; Kromrei, Claudia; Nägelke, Hans-Dieter; Nicolai, Bernd; Schirren, Matthias; Stabenow, Jörg; Sonne, Wolfgang. 2016. 256 S., 200 z. T. fb. Abb., 25 x 17 cm. Gb. EUR 39,00 CHF 40,10 ISBN: 978-3-8030-0815-2 Wasmuth
Mit dem Projekt der Werkbundstadt Am Spreebord in Berlin stellt sich der Werkbund – fast einhundert Jahre nach Stuttgart-Weißenhof – erneut der Frage nach der architektonisch angemessenen Form eines Wohnquartiers. Frühere Werkbundsiedlungen gelten längst als Wegmarken der Architekturgeschichte. Als experimentelle Wohnsiedlungen mit Muster- und Vorbildcharakter wurden sie seit den späten 1920er-Jahren vor allem im deutschsprachigen Raum bzw. in dessen unmittelbarer Nachbarschaft realisiert, um modellhafte Antworten auf die drängende Frage nach einem zeitgemäßen Wohnen und Bauen zu finden. Mit der berühmten Weißenhof-Siedlung (1925–1927) in Stuttgart, der Brünner Kolonie "Nový Dům" (1927/28), der Siedlung Grüneiche in Breslau (1927–29) sowie den Werkbundsiedlungen in Zürich-Wollishofen (1928–1932), Prag (1928–1932) und Wien-Lainz (1929–1932) entspricht ihre geografische Verbreitung der Verbreitung des Werkbund-Gedankens in Europa. Erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg und dann schon im Zeichen der Postmoderne hat man wieder den Titel einer "Werkbundsiedlung" beansprucht. Gebaut wurden mit dem "Dörfle" in Karlsruhe (1978–1992) und der Werkbundsiedlung Am Ruhrufer in Oberhausen-Alstaden (1984–1989) allerdings nur zwei der zahlreichen Planungen.
Die umfangreiche Publikation zur gleichnamigen Ausstellung zeigt den Weg von der Werkbundsiedlung zur Werkbundstadt. In ihrem Katalogteil dokumentiert sie realisierte und nicht realisierte Werkbundsiedlungen sowie – mit dem Niederrheinische Dorf auf der Kölner Werkbundausstellung von 1913–1914 und der Gartenstadt Dresden-Hellerau (1906–1913), deren Entstehung mit der Gründung des Werkbunds vielfach verbunden war – zwei ihre Vorläufer. Im Essayteil erörtern namhafte Architekturhistoriker u.a. die Entstehungsbedingungen und Vorstufen der Mustersiedlungsprojekte des Werkbunds, das Spezifische ihres städtebaulichen Erscheinungsbildes und ihre Rezeption. Eine Fotodokumentation des Berliner Fotografen Martin Tervoort zeigt den heutigen Zustand ihrer Bauten.
Gunther Klosinski. Unter Wegs und Abseits. Fotografien, Aphorismen, Gedichte. Einführung: Christoph Fasel. 2016. 160 S., 68 fb. Abb., 29 x 26 cm. Gb. EUR 35,00 ISBN: 978-3-8030-3384-0 Wasmuth
In diesem Band veröffentlicht Gunther Klosinski Fotos von "unterwegs", gewagte Blicke, grenzüberschreitend, eingefangen auf unbekannten Wegen ins Neuland, auf Pfaden abseits des Mainstreams, Begegnungen mit Ungewohntem, Befremdlichem, mit unsagbar Schönem, aber auch Konfrontationen mit bedrückenden Erlebnissen, die betroffen machen und unter die Haut gehen. Es sind Momentaufnahmen, zu kleinen Ewigkeiten geronnen, die etwas von Spiegelbildern an sich haben, die zu Metaphern unserer Lebensreise werden, unseres Lebenswegs, der uns mit Menschen zusammenbringt, die so ganz anders und doch ähnlich wie wir selbst sind. Den Fotos beigeordnet sind Aphorismen bzw. Epigramme und Gedichte, gedacht, um Assoziationen, welche die Bilder hervorrufen, zu erweitern, zu vertiefen – im Sinne eines "Addendum", einer Zugabe.
Moisej J. Ginzburg, Ignatij F. Milinis: Narkomfin, Moscow 1928–1930. Hrsg.: Udovički-Selb. Beitr.: Danilo; Khmelnitsky, Dmitry; Paperny, Vladimir. Engl. 2016. 192 S., 115 Abb duoton, 80 fb. Abb. 30 Pläne. 22 x 30 cm. Pb. EUR 29,80 CHF 30,70 ISBN: 978-3-8030-0788-9 Wasmuth
Der sechste Band der O´Neil Ford Monograph-Reihe, herausgegeben vom Center for American Architecture and Design (CAAD) und dem O´Neil Ford Chair in Architecture an der University of Texas at Austin. Jede dieser Monografien in englischer Sprache analysiert ein wichtiges Bauwerk moderner Architektur in fundierten Essays und an Hand von zahlreichen Fotos, Originalskizzen und Plänen. Die schön aufgemachten Bände ermöglichen so dem Leser ein ausgesprochen detailliertes Studium ausgesuchter architektonischer Werke.
The House of the Narkomfin was built, or better, "Montage" – as the Constructivist Moisej J. Ginzburg (1896–1946) preferred to call it – between 1928 and 1931. It is therefore contemporaneous with Le Corbusier´s Villa Savoye, as well as with Le Corbusier´s visit to Moscow. On a superficial level, they both share a common aesthetic that in France was nicknamed "le style paquebot," while the Narkomfin was soon called the "The Steamer," or even the "Agit-Steamer" in a symbolic reference to the boats of the Agit-Prop movement that carried the message of the Revolution along the rivers of the Soviet Union.
On a deeper level, the Narkomfin is more than a housing block with a recognizable style. It is the converging point of the history of Constructivism. It is the most sophisticated expression of a "social condenser," in Ginzburg´s words, where purposefully reassembled functional spaces are given an active role in transforming everyday social life. Echoing the Russian Formalist method of analytic editing, like the cinematic "montage of attractions" – to use Eisenstein´s expression – it stems from reconfigured semantic series of the notion of traditional abode, intended to transform everyday life – the "byt." In this sense, the Narkomfin – a building without precedent – is more than a symbol; it is, in a nutshell, the very program of Constructivism. It is also the zenith of five years of intensive experimentation under Soviet Russian government sponsorship, from 1926 and 1930, with new ways of dwelling, boasting emancipatory social relationships for women in particular.
Intended for the working class, these industrialized dwelling types sought ways to raise numbers without sacrificing quality. Widely transcending the confines of Soviet architectural practice itself, the Narkomfin anticipated by twenty years Le Corbusier´s own experimental housing block in Marseille, which resulted directly from his visit to Moscow in 1928.
The Narkomfin was also the last building Ginzburg´s Society of Contemporary Architects (OSA) built with its team of brilliant young professionals, trained at the VHUTEMAS (the Soviet "BAUHAUS"), Mihail Baršč in the first place. The 1930 Bolshevik Central Committee decree condemned the experimentation as "phantasies that would alienate people from the very idea of Socialism." The effort was now seen, under Stalin´s "Revolution from above," as diverting resources from the main goal of the 1928 Five-Year-Plan, aimed exclusively at rapid industrialization of the country. "Temporary" wooden barracks, lacking essential living amenities, supplanted in a permanent way OSA´s innovative drive for affordable ways to raise the living standards of all, eliminating in the first the plague of shared apartments. Ginzburg´s resistance to the new trend, known as Socialist Realism, resulted however as late as 1938, in a sanatorium at Kislovodsk (the Caucasus) with front façades designed in the "Novecento" style to elude censorship. Hidden behind the sanatorium’s main façades – the only likely to be photographed – were tangible quotations of Le Corbusier´s, Mies van der Rohe´s, and Gropius´ architecture, including fragments of his own Narkomfin.
Die Münzstätte Damaskus von den Umayyaden bis zu den Mongolen. ca. 660-1260 AD. IVb1 Bilad aš-Šam II. Hrsg.: Forschungsstelle für Islamische Numismatik, Orientalisches Seminar der Universität Tübingen. Bearb.: Lutz Ilisch. 2016. 78 S., 28 Münztafeln. 29 x 38 cm. Pb. EUR 59,00 ISBN: 978-3-8030-1104-6 Wasmuth
In Damaskus lag nicht nur zur Zeit der hier residierenden Umayyadenkalifen die zentrale Münzstätte des Islamischen Reichs, denn später ließen die europäischen Silberimporte infolge der mit den Kreuzzügen angeknüpften Handelsbeziehungen nach Europa die Damaszener Silberwährung eine Verbreitung bis nach Anatolien und in den Iran hinein finden. Daneben lässt die Münzprägung das Auf und Ab der nach der Gründung von Baghdad an den Rand gedrängten syrischen Hauptstadt verfolgen. Musste man bisher den Eindruck haben, dass die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt in den schwierigen Zeiten zwischen dem ersten Kreuzzug und der Gründung des Ayyubidenreichs unter Saladin auch zu einem Rückgang der Geldwirtschaft geführt haben mochte, können hier erstmals kontinuierliche Münzreihen des seldschukischen Teilreichs von Damaskus vorgelegt werden. Für die nahöstliche Archäologie ist der Band von Nutzen, weil die im Fundgut weit verbreiteten, meist undatierten umayyadischen und frühabbasidischen Kupfermünzen des 8. Jahrhunderts hier durch die systematische Beobachtung von Überprägungen chronologisch geordnet und datiert werden.
Myths of Malawi. Ein Dialog in Bildern.Hrsg.: Kristina Heide. Grußworte: Christiane Bertels-Heering, Michael B. Kamphambe-Nkhoma, Johannes Scharlau. Texte: Kristina Heide, Klaus Hess. 2015. 118 S., 80 fb. Abb. 21 x 21 cm. Pb. EUR 14,80 ISBN: 978-3-8030-3378-9 Wasmuth
Der Ausstellungskatalog "MYTHS OF MALAWI – Ein Dialog in Bildern" fasst die Ergebnisse des Kunst- und Ausstellungsprojektes "Myths of Malawi – Malawian German Art Symposium" zusammen, das im April 2015 in Blantyre, Malawi stattfand. Weitere Ausstellungsorte sind Lilongwe, Hamburg, Berlin, Hannover und Tübingen. Das Projekt wird seit Mai 2014 von Ellis Tayamika Singano, malawischer Künstler und Dr. Kristina Heide (Kris Heide), deutsche Kunsthistorikerin und Künstlerin entwickelt und betreut.
Ziel des Projektes ist es, durch den Rückgriff auf die Mythen Malawis an eine präkoloniale malawische Identität heranzutreten. Im Diskurs mit aktuellen, künstlerischen Positionen Malawis und Deutschlands wird ein authentisches, zeitgemäßes und selbstbewusstes Bild der heutigen Kultur Malawis gezeichnet.
Ein Meisterwerk des Empire.Das Palais Beauharnais in Paris. Beitr. Beyer, Andreas, Bonnte, Xavier; Ebeling, Jörg; Gady, Alexandre; Gaethgens, Thomas W.; Kirchner, Thomas, Krosigk, Klaus-Henning von; Leben, Ulrich; Lemeux-Fraitot, Sidonie. Fotos: Hammond, Francis. 2016. 348 S. zahlr. fb. Abb. 35 x 27 cm. EUR 128,00 CHF 131,60 ISBN: 978-3-8030-0814-5 Wasmuth
Das Palais Beauharnais, eines der schönsten Stadtpaläste von Paris, ist seit zwei Jahrhunderten der bedeutendste Ort der deutsch-französischen Beziehungen. 1713 vom Architekt Germain Boffrand auf dem linken Seineufer errichtet, wurde das Gebäude 1803 von Eugène de Beauharnais erworben. Gemeinsam mit seiner Mutter, der Kaiserin Joséphine, ließ er seinen Palast von den bedeutendsten Künstlern und Kunsthandwerkern im Stil des frühen Empire ausstatten. 1818 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. gekauft, diente das Gebäude zunächst als preußische Gesandtschaft, dann Botschaft. Seit 1968 beherbergt es die Residenz der Deutschen Botschafter in Paris. Als Ergebnis von mehr als zehn Jahren Forschungs- und Restaurierungsarbeit bietet dieser Band erstmals eine umfangreich dokumentierte Schilderung der Geschichtedes Bauwerks, seiner Bewohner und der herausragenden Raumausstattungen aus der Zeit Napoleons, die es zu einem Meisterwerk des Empirestils machen.
Mit Beiträgen von Andreas Beyer (Ordinarius für Kunstgeschichte der Neuzeit an der Universität Basel), Xavier Bonnet (Kunsthistoriker, Polsterer, Restaurator), Jörg Ebeling (Wissenschaftlicher Abteilungsleiter am Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris), Alexandre Gady (Professor für Architekturgeschichte der Neuzeit an der Universität Paris-Sorbonne), Thomas W. Gaehtgens (Direktor des Getty Research Institute Los Angeles), Thomas Kirchner (Direktor des Deutschen Forums für Kunstgeschichte Paris), Klaus-Henning von Krosigk (Gartenhistoriker und ehemaliger Gartenbaudirektor im Landesdenkmalamt Berlin), Ulrich Leben (Wissenschaftlicher Kurator in Waddesdon Manor, The Rothschild Collection), Sidonie Lemeux-Fraitot (Verantwortlich für die Sammlung des Musée Girodet, Montargis), Hans Ottomeyer (Kunsthistoriker und ehemaliger Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum in Berlin), Frank-Walter Steinmeier (Bundesminister des Auswärtigen)
Robert Schmidt 1869–1934. Stadtbaumeister in Essen und Landesplaner im Ruhrgebiet. Petz, Ursula von. 2016. 240 S., 38 Abb. 22 x 17 cm. Pb. EUR 24,80 CHF 25,50 ISBN: 978-3-8030-0790-2 Wasmuth
Robert Schmidt (1869–1934) veröffentlichte 1912 seine berühmt gewordene "Denkschrift" zur räumlichen Ordnung des Ruhrgebiets. Diese Schrift veranlasste die Bürgermeister der Städte in der Region, 1919 den "Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk" ins Leben zu rufen. Von 1920 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1932 war Schmidt Direktor dieser ersten regionalen Planungsgemeinschaft in Europa. In diesen Jahren stand das Ruhrgebiet, nicht zuletzt in der Folge der Vereinbarungen des Versailler Vertrags, vor großen Herausforderungen, die nur durch eine intensivere Koordination der Städte im Kohlenrevier bewältigt werden konnten.
Schon früh hatte sich Schmidt dafür eingesetzt, die unkoordinierte räumliche Entwicklung der Region in geordnete Bahnen zu lenken und Grünräume für die arbeitende Bevölkerung zu sichern. Anregungen dazu erhielt er während seiner langjährigen Tätigkeit in der Kommunalverwaltung der Stadt Essen. Sie machte ihn mit Entwicklungen im Ausland, insbesondere in den USA und in England, vertraut, die 1910 in den drei Städtebau-Ausstellungen in Berlin, Düsseldorf und London präsentiert wurden. Seine praktische, doch immer auch visionäre Tätigkeit im Ruhrgebiet machte Schmidt auch im Ausland zu einer hoch geschätzten Autorität. Erst zwei Generationen später wurde 1968 an der Universität Dortmund die erste deutsche Fakultät für Raumplanung gegründet. Damit fand sein Anliegen endlich auch akademische Anerkennung.
Der zukunftsweisende "Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk" existiert unter dem veränderten Namen "Regionalverband Ruhr" noch heute.
Zeit Stadt Wert. Werke von Erik Sturm. Beitr.: Bischoff, André, Haist, Iris: Kaufmann, Susanne; Littmann, Pia, Malycha, Christian; Hrsg. Haist, Iris: Lange Christiane. 2016. 108 S. 54 meist fb. Abb. 25 x 18 cm. Pb. EUR 24,00 ISBN: 978-3-8030-3383-3 Wasmuth
"Stuttgart 21" verheißt einen "schnelleren", "smarteren", "saubereren" Bahnhof und soll damit als ein Synonym für die funktionierende Stadt der Zukunft gelten. Die Stadt ist immer ein Ort des Verkehrs, etwa der Menschen, der Güter oder des Geldes. Erik Sturm betrachtet die Dinge, nachdem sie ihre Funktion im Verkehr und in der städtischen Kommunikation verloren haben. Diese ästhetisch komplexen Gegenstände machen Stadtgeschichte auf neue Weise sinnlich erfahrbar.
Erik Sturm ist durch seine künstlerische Auseinandersetzung mit den Randerscheinungen des Umbaus der Stadt bekannt geworden: Er geht auf Materialsuche an Baustellen, Abrisshäusern, arbeitet mit untauglich gewordenen Stadtmöbeln wie beispielsweise Plakatsäulen, mit Bauwerkzeugen oder mit Feinstaubablagerungen auf Fensterbänken. Mit seiner aus diesen Ablagerungen sowie Leim und Wasser selbst hergestellten "Staubfarbe Neckartorschwarz" macht Sturm die ansonsten unsichtbaren Feinstaubpartikel sichtbar.
Erik Sturm wurde kürzlich als einer der Preisträger des Kunstförderpreises der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ausgezeichnet. Die Publikation erscheint zu seiner ersten Einzelausstellung im Hospitalhof Stuttgart.
Ernst Zinsser in Hannover. ArchitekturZeit. Möller, Hartmut . Vorwort: Auffarth, Sid. 2016.113 S., 104 fb. Abb. 18 x 29 cm. Gb. EUR 19,80 CHF 20,40 ISBN: 978-3-8030-0813-8 Wasmuth
Ernst Zinsser zählt zweifellos zu den bedeutenden Vertretern der Nachkriegsmoderne Deutschlands. Aufgrund dürftiger medialer Präsenz steht er jedoch zu Unrecht im Schatten seiner damaligen Berufskollegen – wie beispielsweise Friedrich Wilhelm Kraemer oder Dieter Oesterlen.
Der Diplom-Ingenieur Hartmut Möller entwickelte schon vor geraumer Zeit ein besonderes Faible für die Architektur dieses herausragenden Baumeisters und beschäftigt sich bei wachsender Begeisterung mit dessen Werk. Als Chronist zur aktuellen Situation hat er im Laufe der vergangenen Monate zeitgenössische Fotos der Gebäude angefertigt. Während des Prozesses ergaben sich Kontakte zu diversen derzeitigen Eigentümern bzw. Nutzern, die im Wissen um die baukünstlerische Qualität auch seltene Einsichten ins Innenleben dieser Architekturperlen erlaubten. Die im Rahmen der ArchitekturZeit 2016 entstandene Ausstellung versteht sich als Hommage an einen Planer, der das Stadtbild Hannovers in den 50er-Jahren entschieden geprägt hat und somit auch heute eine angemessene Würdigung verdient. Sie fokussiert sich auf sieben Bauwerke und zeigt diese in Gesamtansichten, Fassadendetails und Innenraumbilder mit besonderer Charakteristik.
Die ergänzende Begleitpublikation deckt als Katalog zudem umfassend den vollständigen, noch erhaltenen – bisweilen stark umgebauten – Bestand aus Zinssers lokalem Oeuvre ab. Aus Rücksicht auf die Privatsphäre wurde auf eine Dokumentation der Wohn- und Reihenhäuser verzichtet. Mehrfamilienhäuser und Geschäftsbauten, die im laufenden Verkehr stehen, bilden hierbei Ausnahmen. Die unglaubliche Fülle zeigt dabei Ernst Zinssers Tatendrang und Virtuosität in den unterschiedlichsten Bauaufgaben auf engstem Raum, wie sie vermutlich selten zu finden sein dürfte.
Der Autor: Hartmut Möller, 1975 geboren. Architekturstudium in Oldenburg und Praxissemester bei SITE / James Wines in New York. 2002 Mitorganisation der Ausstellung „Die Moderne als Modell“ im Horst-Janssen-Museum, Oldenburg. 2003 Redaktionspraktikum bei der db – deutsche bauzeitung. Diverse Zeitschriften- und Buchpublikationen. Lebt und arbeitet seit 2005 in Hannover.
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