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Afritecture – Bauen in Afrika

Die Ausstellung Afritecture, Bauen in Afrika oder wie es im Buchtitel heißt „Bauen mit der Gemeinschaft" läuft in der Münchner Pinakothek der Moderne, Architekturmuseum der TU München noch bis zum 13.Januar 2014.

Auch wenn dies manche Seelen in Europa noch nicht, oder nur kaum wahrnehmen, die Wirtschaft Afrikas boomt. Wem das zu Gute kommt, sei erst einmal dahin gestellt, aber die Städte wachsen rasant und verändern das Bild Afrikas einschneidend.
Schon in den 1960er Jahren beschwor der Kunsthistoriker Udo Kultermann, dass die Architektur Afrikas nur durch afrikanische Architekten unter Berücksichtigung der eigenen Traditionen und der gesellschaftlichen Notwendigkeiten erreicht werden müsse.
Doch erst seit 2007 gibt es mit dem African Center for Cities an der Universität Kapstadt eine afrikanische Institution, die die urbanen Entwicklungen nicht nur aus der Perspektive von Architekten und Städteplanern, sondern mithilfe von Soziologen, Künstlern und Anthropologen betrachtet. Innerhalb dieser Prozesse entstehen Projekte einer individuellen, ökologischen und regionalen Architektur, die innerhalb der sich verändernden städtischen Strukturen auch eine gesellschaftliche Wirkung erzielen.

Unter dem Titel Afritecture – Bauen mit der Gemeinschaft, richtet der vorliegende Katalog den Blick auf 29 Architekturbüros und –fakultäten bzw. auf 26 realisierte Bauten in 10 Ländern Afrikas, die eine nachhaltige Auseinandersetzung mit den jeweiligen sozialen, ökonomischen und kulturellen Bedingungen vor Ort zeigen. Dazu gehören Schulen, Kindergärten, Krankenstationen und Frauenzentren, aber auch Bibliotheken, eine Markthalle und Sportanlagen sowie Versammlungsräume. Bautypen, die einer Gruppe von Menschen Raum für Heilung, Erziehung, Bildung, Handel, Kommunikation oder auch andere soziale Zwecke bieten. Es wurden dabei bewusst solche Gebäude gewählt, die auf Fragen nach lokalen Kontexten eingehen, sei es mittels Materialien oder auch im Rahmen ökologischer und sozialer Bedingungen.
So machen viele, meist gemeinsam mit der Bevölkerung konzipierte Bauvorhaben die Stadt zum Experimentierfeld der Gestaltung. Planungen auf dem Land hingegen entwickeln lokale Traditionen der Bautechnik, Architektursprache und Materialien durch technologische und stilistische Neuerungen weiter.

Der umfangreiche, reich bebilderte Katalog mit Beiträgen unter anderem des Architekturhistorikers Andres Lepik präsentiert beispielhafte und eindrucksvolle Positionen der zeitgenössischen Architektur Afrikas südlich der Sahara. Zusammen mit Interviews von Architekten, Auftraggebern und Förderern entsteht ein umfassender Einblick in eine innovative und lebendige afrikanische Baukultur.
Eine Baukultur, die auch für unsere Breitengrade von Belang sein dürfte.

06.01.2014



Gabriele Klempert
Afritecture. Bauen in Afrika. Hrsg.: Lepik, Andres; Text.: Boeck, Filip De; Doherty, Killian; Lokko, Lesley Naa Norle; Low, Iain; Pieterse, Edgar. Hatje-Cantz, Ostfildern 2013. 240 Abb. 29 x 23 cm. Gb. EUR 38,00. CHF 50,90
ISBN 978-3-7757-3660-2
 
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