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das neue frankfurt

Das „Neue Frankfurt“ ist in die Jahre gekommen und strahlt dennoch bis heute in seiner einmaligen Ästhetik und im schnörkellosen Design der Neuen Sachlichkeit.

1925 berief Oberbürgermeister Ludwig Landmann Ernst May als Stadtbaurat und Martin Elsaesser als künstlerischer Leiter des Hochbauamtes nach Frankfurt. Vordringlichste Aufgabe war die Linderung der Wohnungsnot unter sozialen Aspekten.

Ernst May holte dazu zahlreiche namhafte Architekten nach Frankfurt. Sie schufen in nur wenigen Jahren einen beachtlichen Baubestand. Das prägende Architekturelement wurde das flache Dach, ein Reizobjekt im Dächerkrieg. Auch das Grün und die Öffnung zum Grün, zum Licht, zur Luft waren ein wichtiges Antriebsmoment für die Architekten ebenso der Anspruch angemessenen Wohnraum für das Existenzminimum zu bauen. Ernst Mays Referat zu diesem Thema aus dem Jahr 1929 wird im Buch wiedergegeben. Man baute kleine, praktische Einbauschränke und Einbauküchen, in die das übliche Küchenbuffet nicht mehr passte, aber einer Arbeiterfamilie auf 50 Quadratmetern ausreichend Wohnfläche bot.
Zahlreiche, heute berühmte Architekten wie Walter Gropius, Ferdinand Kramer, Mart Stam und andere hinterließen ein Bauerbe des Neuen Bauens, das nur mit Berlin vergleichbar ist.

Doch schon nach fünf Jahren verließ May die Stadt Frankfurt, Elsaesser löste seinen Vertrag 1933 vorzeitig auf. Von ihrer Frankfurter Zeit zeugen ihre eigenen Privathäuser, wobei Ernst May seines als „Ein neuzeitliches Wohnhaus“ bezeichnet, als könne es von jedem bewohnt werden.

Der Frankfurter Fotokünstler Matthias Matzak begann 2008 dieses Bauerbe mit der Kamera zu dokumentieren. In diesem Buch präsentiert er eine beeindruckende Auswahl seiner Bilder, Detailausschnitte zeigen elegante Farb- und Formkompositionen, über deren Sicherung und Wiederherstellung, außer weiteren, historischen Texten der beteiligten Architekten Christoph Mohr berichtet.
Matzaks betont subjektiver Blick auf den Baubestand geht weit über die reine Dokumentation hinaus. "Mein Ziel ist es, das Wesen der Architektur in meinen Bildern wiederzugeben, nicht sie nur abzubilden" sagt Matzak. Am eindrucksvollsten sind Matzaks Fotos, wenn sie große Klarheit zeigen oder ungewohnte Blickwinkel, wie unspektakuläre Kleiderschränke, die Untersicht auf Balkone, eine Küchentreppe, ein Treppenhaus oder scheinbar simple Heizkörper, Treppengeländer oder Türen.

Dieser wunderbare Bildband zeigt all dies in rund 230 großartigen und großformatigen farbigen Abbildungen mit Texten von Ernst May, Martin Elsaesser, Adolf Meyer, Ferdinand Kramer, Mart Stam, Margarete Schütte-Lihotzky, Joseph Gantner, Karl Schwarz, Theodor Heuss, Eckhard Herrel, Christoph Mohr, DW Dreysse und Konrad Elsässer.


30.11.2014

Gabriele Klempert
das neue frankfurt. fotografische sammlung von matthias matzak. Foto(s) von Matzak, Matthias; Beitr.: Dreysse, D W; Elsässer, Konrad; Mohr, Christoph. 368 S. 230 fb. Abb. 31 x 25 cm. Gb. Wasmuth Verlag, Tübingen 2014. EUR 48,00. CHF 63,90
ISBN 978-3-8030-0779-7   [Wasmuth]
 
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