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Architekturführer Iran

So viel wie möglich Information auf knappem Raum unterzubringen und dabei den Besucher sicher und urteilsstark durch ein bestimmtes Objekt zu lotsen: das macht einen guten Architekturführer aus. Thomas Meyer-Wieser, Schweizer Architekt und Stadtplaner mit hoher Affinität zum Orient, gelingt das bei den meisten Bauten seines „Architekturführers Iran“ hervorragend.
Es gelingt ihm allerdings noch mehr und das macht die Publikation wirklich empfehlenswert: er legt seinem Buch eine ganz klare Struktur zugrunde, die sich an den (touristisch erschlossenen) Zentren Teheran, Isfahan und Shiraz orientiert und zum jeweiligen Ort die jeweilige Geschichte abhandelt, die dann durch die vorgestellten Bauten illustriert wird – von diesen strukturellen Zentren aus wagt er aber immer wieder zeitliche (Persepolis, die Zoroaster), geographische (das Maison d’Iran in Paris) und thematische (sehr lehrreich: über den „Garten als Antizipation der Stadt“) Sprünge, um auf diese Weise ein Gesamtbild der iranischen Architekturentwicklung von der Vorzeit bis in die Gegenwart zusammenzusetzen.
Gerade der Moderne und der Gegenwart wegen ist der vorliegende Band eine wichtige Ergänzung zu bisherigen Büchern: über Shiraz, das Teheran vor den Pahalavi, vor allem natürlich über das Isfahan der Safawiden findet man viel Literatur, von der kunsthistorischen Würdigung bis hin zum Reiseführer. Mit der Moderne jedoch wurde es bislang dünn: ihr aber begegnet man (und das in teils unglaublicher Qualität) bei einer Iranreise auf Schritt und Tritt. Daß Meyer-Wieser das erkannt und ernst genommen hat, ist sein Verdienst.
Kritik gibt es natürlich trotzdem, wenngleich sie in diesem Fall weniger den Autor trifft: „Books made by Architects“ behauptet der Verlag in seinem Werbeslogan – und da Architekten von Berufswegen nun mal keine Bücher machen, dafür aber verschrien sind, nur ungern zu lesen, ist das kein gutes Omen. In der Tat: Man hätte dem Band von Verlagsseite aus eine gründlichere Textredaktion angedeihen lassen sollen, um manch merkwürdige Formulierung auszumerzen (Ein Beispiel: „Das Haus (Maison d’Iran in Paris) wurde zum Foyer der Opposition gegen den Schah und von der damaligen Regierung aufgegeben.“ – Was ist ein „Foyer der Opposition“, welche „damalige Regierung“?). Auch eine bessere Bildqualität hätte man sich gewünscht: denn chinesischer Digitaldruck ist zwar billig, sieht aber auch so aus. Und mit 48 Euro gehört das Buch nicht unbedingt zu den günstigen Publikationen.
Thomas Meyer-Wieser kann dafür natürlich wenig. Allerdings hätte er den über sein hier ausgebreitetes Wissen hocherfreuten Lesern doch in Form eines Literaturverzeichnisses verraten dürfen, woher er seine Informationen bezog und wo man weiterlesen kann.

05.01.2018
Christian Welzbacher
Architekturführer Iran. Meyer-Wieser, Thomas. 480 S. 1000 Abb. 25 x 14 cm. Pb.
DOM publishers, Berlin 2016. EUR 48,00.
ISBN 978-3-86922-392-6
 
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