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Wie kam das Wasser auf die Burg?

Ohne Wasser ging gar nichts auf den Höhenburgen des Mittelalters. Meist wurde es aus nahe gelegenen Brunnen herangeschafft, oder man hatte auf der Burg selbst einen Brunnen angelegt, bzw. speicherte das anfallende Regenwasser in Zisternen. Aufwendige Wasserleitungen waren eine Seltenheit, oder wurden im Laufe der Jahrhunderte so gründlich zerstört, dass heute darüber keine Kenntnisse mehr vorliegen und meist nur Vermutungen angestellt werden können.

Die Wasserbauanlagen waren hoch komplizierte technische Anlagen, und was von ihnen in den wenigen Fällen übrig blieb sind einzigartige Dokumente der Technikgeschichte.
Axel W. Gleue, wissenschaftlicher Bauingenieur, geht im vorliegenden Band diesem bislang wenig erforschten Gebiet der Burgenkunde nach und beschreibt auf anschauliche Weise anhand verschiedener Beispielen den Bau und Betrieb von Brunnen in Burgen und Vesten.

Eine zusammenfassende Darstellung zum Brunnenbau auf Höhenburgen fehlte bisher. Zum Beispiel ermöglichte die Befahrung und Räumung des tiefen Brunnens auf der Veste Otzberg im Odenwald erstaunliche Rückschlüsse auf das Baugeschehen. Weitere Brunnenbefahrungen sowie umfangreiche archivalische Studien lassen es zu, grundsätzliche Fragen zum Wasserbedarf und zur Wassergewinnung zu beantworten und den zeitlichen Wandel bei der Wasserversorgung zu schildern.

Im Eingangskapitel führt Gleue zunächst grundsätzlich in die Probleme der Wasserversorgung ein und erläutert an vier Beispielen den Wandel in der Beschaffung dieses wichtigen Lebensmittels.

Anschließend werden die wichtigsten bautechnischen Aspekte beim Abteufen und Ausmauern der Brunnenschächte dargestellt, ebenso wie Wasserförderung, Bau- und Betriebskosten an 16 Beispielen von der Burg Heiligenberg bei Heidelberg bis nach Orvieto, der Stadtburg des Papstes ausführlich beschrieben.

Axel Gleue eröffnet mit seinem Buch einen grundlegenden Zugang zu einem bisher kaum erforschten Gebiet der Technik- und Kulturgeschichte. Bleibt zu wünschen, dass man sich auf dem Gebiet der Höhenburgen neben der Baugeschichte und der Erforschung von Kochstellen und Abortanlagen künftig mehr den technikgeschichtlich interessanten Fragen der Wasserversorgung und Wasserbeschaffung widmet. Ungehobene Schätze dieser Art darf man reichlich vermuten.

2.7.2009
Susanne Holst
Axel, Gleue: Wie kam das Wasser auf die Burg? Vom Brunnenbau auf Höhenburgen und Bergvesten. 1. Auflage 2008. 287 S., 17 sw. u. 18 fb. Abb., 105 histor. Ansichten, 19 Grundr., Zeichn. u. Diagr. 24 x 17 cm. Pb Schnell & Steiner, Regensburg 2008. EUR 24,90
ISBN 978-3-7954-2085-7   [Schnell & Steiner]
 
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