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Rekonstruktion. Wiedergewonnenes Erbe oder nutzloser Kitsch?

„Echt“ oder „wie echt“, darüber streiten sich zuweilen Laien und Architekten wenn es um die Rettung oder Wiederauferstehung historischer Bauwerke geht. Dabei liegen die Meinungen nicht selten weit auseinander. Mit diesen Fragen beschäftigt sich der vorliegende Tagungsband des Vereins „Stadtbild Deutschland“ aus dem Sommer 2008.

Während die Laien Rekonstruktionen historischer Bauten, besonders in vom Krieg zerstörten Städten, einen „Neubau“ historisch bedeutsamer Bauten als identitätsstiftend erleben, bevorzugen es viele Architekten auf den Kahlstellen des Krieges oder anstelle inzwischen baufälliger Nachbauten moderne, bzw. zeitgemäße Architekturen zu errichten, Nicht selten erhoffen sie sich, dass diese in einigen Jahrzehnten wiederum zum Denkmal avancieren könnten.
Rekonstruktionen von einst großartigen Bauwerken waren bereits im 19. Jahrhundert in Mode, als man den Kölner Dom zu seiner heutigen Gestalt verhalf oder im Taunus ganz nach dem Geschmack des wilhelminischen Kaiserhauses das Römerkastell Saalburg errichtete.
Geht es um Zerstörungen von Baudenkmälern in Folge des 2. Weltkrieges, bedienen sich Rekonstruktionsgegner unter anderem mit dem Argument, dass auch der Zustand der Zerstörung, wie die Ruine der Dresdner Frauenkirche sich viele Jahre als Mahnung ins Bewußtsein der Kriegs- und Nachkriegsgeneration eingeprägt hat.
Hingegen schätzen viele Befürworter von Rekonstruktionen die modernisierten und an zeitgemäße Bedürfnisse angepassten Altbauten ihrer Stadt, da mit diesem Ambiente eine – nicht selten - kulturell elitär geprägte Infrastruktur einhergeht.

Der Tagungsband will dazu beitragen die Grabenkämpfe zwischen denkmalpflegerischen Dogmatismus, modebedingter gehobener Wohnkultur und „Wiederaufbauwut“ zu entschärfen und einen vertrauenbildenden Dialog herbeiführen. Dies scheint auch deswegen dringend geboten, um den Ensembleschutz in kleineren historisch geprägten Städten vor einer Rekonstruktionswut zu bewahren, die lediglich darauf abzielt, alte Fassaden zu erhalten oder alte Gebäude mit historisierender Versatzarchitektur zu versehen.

Der zweite Teil des Tagungsbandes beschäftigt sich mit zahlreichen, auch internationalen Rekonstruktionen. Hier werden maßgebenden Motive beleuchtet, die zur Wiederherstellung historischer Bauten führten und welchen Einflüssen Geldgeber und Spender bei der Realisierung der Vorhaben ausübten.

Ein Tagungsband, der die Diskussionen um das Thema Rekonstruktion bereichern dürfte.

Weitere Titel zum Thema:

Das Prinzip Rekonstruktion. Hrsg.: Hassler, Uta; Nerdinger, Winfried. 336 S. 24 x 21 cm. Pb. vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, 2010. EUR 49,90. CHF 69,00

Welzbacher, Christian. Durchs wilde Rekonstruktistan; Über gebaute Geschichtsbilder; 120 S.; 20 sw Abb. ; 12 x 18 cm; Parthas Verlag, Berlin 2010. EUR 12,90; CHF 22,50 978-3-86964-031-0

Denkmalpflege statt Attrappenkult. Gegen die Rekonstruktion von Baudenkmälern - eine Anthologie. Bauwelt Fundamente 146. Texte: Buttlar, Adrian von, Dolff-Bonekämper, Gabi, Falser, Michael S., Mörsch, Georg, Hubel, Achim. 224 S. 19 x 14 cm. Pb. Birkhäuser Verlag, Basel 2010. EUR 24,90 ISBN 978-3-0346-0705-6

Wirtschaftsgut Denkmal? Von Kleinmanns, Joachim. Hrsg. Kleinmanns, Joachim. 92 S., 47 Abb., 9 Tab. IRB, Verlag Stuttgart 2007. EUR 10,00 978-3-8167-7297-2

30.09.2011
Gabriele Klempert
Schediwy, Robert. Rekonstruktion. Wiedergewonnenes Erbe oder nutzloser Kitsch? Architektur und Geschichte 1. 184 S., zahlr. Abb. 23 x 16 cm, Pb. LIT Verlag, Münster 2011. EUR 24,90
ISBN 978-3-643-50262-9
 
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