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Fachwerkhäuser restaurieren

Ein großes Thema hat sich der unbestritten holzkundige Verfasser vorgenommen - weit über den reinen Fachwerkbereich hinaus vom Keller bis zum Dach. Das hätte er besser lassen sollen, denn dabei hat er sich in wichtigen Teilen aufs fachliche Glatteis begeben. Um das Positive vorweg zu nehmen: Die Kapitel über Fachwerkreparatur und die Dachkonstruktion bieten gute Einblicke in Reparaturverfahren und -möglichkeiten. Sie bilden mit über 70 Seiten den Schwerpunkt des Buches, sind anschaulich bebildert und bieten in der Rubrik: "Was Sie unbedingt vermeiden sollten" echte Hilfe vor üblichem Handwerkspfusch. Auch in den Kapiteln zu Fenster, Verputz, Anstrich und Fassade ist durchaus nicht alles falsch. Probleme bieten aber die eingestreuten Falschinformationen aus produzentenfreundlicher, sozusagen genormter Sicht. Was über kapillarblockierende synthetik- bzw. silikonharzhaltige Anstriche, über Fensterdichtung und Wärmeschutz, über k-Wert und Stoßlüftung geschrieben wird, muß kritisch gegenlesen werden, sonst droht wirtschaftlicher und technischer Reinfall. In viel höherem Maße gilt das für die Themen Keller- und Feuchtesanierung sowie Wärmedämmung. Hier liest sich das Buch wie eine Zweitausgabe einschlägiger Firmenwerbeschriften. Beispiele: Es gibt eben keine aufsteigende Feuchte in Mauerwerksystemen, da von Feinporen des Steins kein Kapillartransport in den grobporigen Mauermörtel möglich ist. All die Autorentipps rund um die Horizontalisolierung schädigen also das Bauwerk und die Bauherrnkasse. Ebenso sind die empfehlenden Hinweise auf "Sanierungsputz" besser zu vergessen. Er ist wasserabweisend, kapillarsperrend und begünstigt dank zementärer Bindung die Treibmineralbildung auf sulfathaltigem Untergrund. Zur Salz- und Feuchteentlastung des Bauwerks trägt dieser Sperrputz jedenfalls nichts bei. Die Ausführungen zum Dämmstoffverbau vernachlässigen die schadensgestützte Kritik. "Fachwerkhäuser liegen wärmetechnisch weit unter jeder Norm und bedürfen deshalb einer umfassenden Nachdämmung" (S. 110). Das ist falsch. Wer sich hier auf die industrienormgestützen Ratschläge des Buches verläßt, produziert schlimme Bauschäden, aber keine Energieeinsparung. Das gelingt nur mit der klassischen Massivbauweise des traditionellen Fachwerkbaus: Vollholz, massive Gefache ohne Leichtbaustoffe, kapillaroffener Luftkalkmörtel und -anstrich. Fazit: Mit Vorsicht zu genießen.
Konrad Fischer
Lenze, Wolfgang: Fachwerkhäuser restaurieren - sanieren - modernisieren. Materialien und Verfahren für eine dauerhafte Instandsetzung. 2001. 196 S., 122 Abb., EUR[D] 30,17
ISBN 3-8167-4730-2
 
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