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Kleidung und Mode im Mittelalter

Kleidung und Mode sind heute nahezu identische Begriffe. Wenn sich heute jeder, wenn er mag, einen Smoking anziehen kann und die Dame, so das notwendige Geld vorhanden ist, sich ein teures Designerkleid anziehen kann, wäre das im Mittelalter unmöglich, ja, sogar verboten gewesen. Es gibt heute nur noch wenige Modevorschriften. Es sei denn, weil sie im ausgeübten Beruf untauglich oder nach Meinung der Vorgesetzten unpassend sind. Und keinesfalls lässt sich an der Kleidung eines Menschen heute die gesellschaftliche Stellung des jeweiligen Trägers ablesen.
Anders im Mittelalter: »Mode« im Sinne von bewusstem Tragen und Zur-Schau-Stellen von neuen, oft gewagten Schnitten und Stilrichtungen blieb den höheren Ständen vorbehalten. Der einfache Bauer oder Handwerker trug meist schlichte Kleidung ohne modische Zier und ohne Streben nach dem modisch Neuen.

Modegewohnheiten und Modepflichten des Mittelalters lassen sich hervorragend an den meist farbenprächtig illustrierten mittelalterlichen Handschriften ablesen. Sie bergen einen außerordentlichen Schatz an Informationen. Da sie Angehörige aller gesellschaftlichen Schichten in allen möglichen Situationen und aus jeder erdenklichen Perspektive darstellen, lassen die abgebildeten Kleider und Moden darüber hinaus umfangreiche Rückschlüsse auf die gesellschaftlichen Verhältnisse zu. Da zudem nur wenige Kleidungsstücke aus dem Mittelalter erhalten sind, gewinnt die illuminierte Handschrift zusätzlich an Bedeutung, wenn es darum geht, welche Wirkung die Menschen mit ihrer Kleidung erzielen wollten.
Margaret Scott zeigt in diesem reich illustrierten Band die Zusammenhänge von Mode und Kleidung auf und beschreibt anschaulich, in welchem Maße darin soziale Unterschiede zwischen wohlhabenden und ärmeren Schichten zum Ausdruck kommen. In Epochen gegliedert stellt Scott für die Jahre von 840 bis 1100 die Kleider der Reichen und Berühmten vor und legt im folgenden Kapitel die Anfänge der Mode in die Zeit zwischen 1100 und 1300. Mode und Moral ist offenbar zwischen 1300 und 1400 ein Thema und die Kleidung aller Klassen findet zwischen 1400 und 1500 ihren Niederschlag.
Nicht ganz nachvollziehbar ist die Kapitelüberschrift „Kleidung gestern und heute“ des Zeitraums zwischen 1500 und 1570, es sei denn, die Autorin mutmaßt, dass die zurzeit kreierte Mode in Paris, London, Mailand oder Berlin im Frühjahr Anregungen aus dem Barock auf den Laufsteg bringt.

Abgerundet wird der schöne Bildband mit einem leider etwas klein gedrucktem Glossar und einem umfangreichen Literaturverzeichnis.
3.2.2010



Susanne Holst
Scott, Margaret: Kleidung und Mode im Mittelalter. 2009. 160 S., 120 fb. Abb. 29 x 22 cm. Konrad Theiss, Stuttgart 2009. Gb EUR 29,90
ISBN 978-3-8062-2199-2
 
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