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Ancient Metalworks from the Black Sea to China

Die Privatsammlung Borowski wurde von dem in der Schweiz lebenden und dort 2003 verstorbenen Kunsthändler während seines langjährigen unermüdlichen Schaffens zusammengetragen und mit der Eröffnung eines eigenen Museum 1992, dem so genannten “Bible Lands Museum Jerusalem” gewürdigt. Erfreulicherweise ist nun damit begonnen worden, einem breiten Publikum die Kollektion in Form thematisch strukturierter, vor allem auf der Basis unterschiedlicher Materialien organisierter Ausstellungskataloge zu präsentieren. Bislang sind im selben Verlag weitere Kataloge zur Thematik der „griechischen und römischen Bronzen“, „Antike Gemmen“ und „Glas“ erschienen. 2011 wurde der vierte Band, der den asiatischen Metallarbeiten gewidmet ist publiziert.
Ein Großteil der in dem Katalog publizierten Objekte entstammt dem Umfeld der im weitesten Sinne nomadisch lebenden Steppenvölker im heutigen nördlichen China und stellt vor allem Funde aus Grabkontexten vor. Aufgrund der zumeist herausragenden handwerkstechnischen Leistung und dem sehr fein gearbeiteten Tierstil ist davon auszugehen, dass es sich vorwiegend um Arbeiten handelt, die für die Bestattungen der Anführer gefertigt wurden (vgl. S. 11).

Eine beträchtliche Anzahl von Objekten aus dem östlichen und zentralen Asien stellen die bronzenen Applikationsarbeiten dar, die von U. Jäger, einem ausgewiesenem Kenner auf dem Gebiet, bearbeitet wurden. Chronologisch und geographisch geordnet stellt er die einzelnen Objekte vor, wobei die wesentlichen Details und eine gute, auf das Wesentliche beschränkte Beschreibung gegeben werden. Eine große Anzahl der Bronzen aus der Sammlung Borowski wird von den so genannten Gürtelblechen, -schnallen und -haken gestellt, die zumeist aus dünn gehämmertem Bronzeblech – teils auch als Guss in verlorener Form hergestellt – bestehen, welches wiederum in feinster Kleinarbeit mit zumeist antithetisch ausgerichteten Tier- und Floralszenerien versehen wurde. Die Objekte stammen chronologisch gesehen aus dem 4. Jh. v. Chr. –9. Jh. n. Chr. Dabei sind nicht nur die Vielfalt der Gestaltung und Motive beeindruckend, sondern auch die technischen Unterschiede: So existiert neben einer Vielzahl rechteckig eingefasster, teils ausgestanzter Gürtelbleche auch solche, die „ungerahmt“ allein die einzelnen Tiere repräsentieren (z.B. Kat.-Nr. 47) und als Meisterwerke früher Metallverarbeitung angesehen werden können.
Neben den Applikationen der Gürteltracht gehört eine große Anzahl von weiteren metallenen Amuletten – ebenso im Tierstil ausgeführt – sowie rundplastische Tierdarstellungen zum Inventar der Sammlung. Wie bei den Gürtelgarnituren herrscht auch hier eine große Varianz was die Motive (Pferde, Gazellen, Feliden etc.), als auch die technische Ausführung angeht.
Besonders feine Arbeiten stellen zudem die Stabaufsätze dar, die anscheinend in Zusammenhang mit dem Grabinventar stehen. Zwei herausragende Objekte sind hierbei ein aus dem 6.–7. Jh. stammender Aufsatz in Form eines Januskopfes (Kat.-Nr. 129), sowie der berühmte „Borowski-Bird“ (Kat.-Nr. 135). Letzter wird als Aufsatz einer Standarte bzw. als Applikation eines Helmes (S. 97) gedeutet und gibt einen aus Bronze gearbeiteten Vogel mit 25 cm langen, ausgebreiteten Schwingen wieder.
Eine weitere Objektkategorie, die auf einen besonderen Status der einstigen Besitzer verweist, sind Messer und Dolche, die teilweise wahre Meisterwerke der Gusstechnik darstellen. Zu den Statusanzeigern gehören sicher auch die Ringe und feinen, teils mit rundplastischen Tierapplikationen verzierten Fibeln. Neben den Bronzeobjekten sind hier auch solche aus Silber und mit Einlegearbeiten, zumeist Malachit, zu nennen. Von vergleichbarer Schönheit und Liebe zum Detail sind die am Ende dieses Kataloges vorgestellten Werke aus Knochen oder Elfenbein. Auch hier finden die ebenso in Metall gearbeiteten Motive, also Vögel und diverse Quadrupeden, ihren Niederschlag.
Der zweite Teil des Kataloges wurde von S. Kansteiner bearbeitet und beschäftigt sich mit den Objekten, die aus dem westlichen Asien, also vorwiegend der Region des heutigen Georgien und Kaukasusgebietes, stammen. Neben den auch aus dieser Landschaft bekannten unterschiedlichen Stabaufsätzen und Gürtelapplikationen zeigt gerade die Kunstfertigkeit und Verzierung von Metallgefäßen, wie Bechern und Schalen aus Silber, einen starken Kontakt und Einfluss der Skythen und des Iran.
Der Band schließt mit einem Abkürzungsverzeichnis und einer Bibliographie.
Die hier beschriebene Kleinkunst weist auf die besondere Bedeutung von Tieren hin, die besonders mit der Steppe bzw. den entsprechenden Mythen der Steppennomaden verbunden sind. Die Ausführung und Kunstfertigkeit der einzelnen Objekte betont dabei zusätzlich in besonderer Weise die unterschiedlichen regional differierenden Stile und gegenseitigen Beeinflussungen, die wiederum für die Archäologen und Historiker das Hauptargument für Handelskontakte etc. bieten, sowie Hinweise auf mögliche typologische und chronologische Einordnungen geben. Die einzelnen Objekte werden dabei von den Autoren jeweils mit kurzen, aber prägnanten englischsprachigen Katalogtexten vorgestellt, in denen die Charakteristika, Gedanken zu Nutzung und Interpretation, sowie ein Verweis auf entsprechende Literatur gegeben werden. Dabei ist jedes Objekt mit einer guten Farbfotografie abgebildet. Allein der Wissenschaftler, der sich mit den Artefakten detaillierter beschäftigen möchte, wird bei einigen der Objekte eine Zeichnung vermissen.

01.02.2012
Robert Kuhn - Leipzig
Jäger, Ulf; Kansteiner, Sascha. Ancient Metalworks from the Black Sea to China in the Borowski Collection. With an Introduction by Sir John Boardman. Engl. 186 S. 24 x 17 cm. Gb. Harrassowitz, Wiesbaden 2011. EUR 58,00. CHF 99,00
ISBN 978-3-447-06496-5   [Harrassowitz Verlag]
 
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