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Katastrophen im Spätmittelalter

Das Leben der Menschen im Spätmittelalter war mit vielfältigen Unwegbarkeiten behaftet. Mithilfe unterschiedlichster Quellen widmen sich die Autoren Gerhard Fouquet und Gabriel Zeilinger den mittelalterlichen Katastrophen wie Hungersnöten, Erdbeben, Sturmfluten, diversen Krankheiten und anderen Unbillen, die das spätmittelalterliche Leben bestimmten und zum Teil bis heute nichts von ihrem Schrecken verloren haben und auch in Zukunft die Menschheit begleiten werden, auch wenn sich manche Katastrophen der Entwicklung des Menschheit anzupassen scheinen, wenn nicht sogar von vom modernen Menschen erzeugt werden.
Die Autoren zeichnen ein lebensnahes Bild vom Leben an der Wende des Spätmittelalters zur Neuzeitbeziehen indem sie sich vornehmlich auf schriftliche Quellen, darunter Chroniken von Burkard Zinks (S. 14), Hans Stolz (S. 20), Anton Heimreich (S. 45), Jakob Unrest (S. 142) beziehen.
Mit den Katastrophen des Mittelalters verbindet der Leser vor allem die immer wiederkehrenden Pestepidemien, die sich tief im kulturellen Gedächtnis der Menschen eingebrannt haben und ihren Niederschlag bis in die zeitgenössische Literatur finden. Den Schmerz über den Verlust von Familienmitgliedern, war auch für die Chronisten nur schwer zu ertragen und zu beschreiben, wie im Falle der Chronik von Burkard Zink, dessen Sohn an der Pest gestorben war, (S. 17). Groß waren darum die Bemühungen, gestützt auf medizinische Erfahrung und traditionelle Heilmittel, derartige Kathastrophen zu vermeiden oder zumindest zu lindern.
Dies läßt sich für Osteuropa auch im Werk des Siebenbürger Arztes Paulus Kyr nachvollziehen: Die Gesundheit ist ein Köstliches Ding, aus dem Jahr 1551 (Hermannstadt-Bonn 2010) und für den westlichen Teil unseres Kontinents in der Studie von W. L. Braekman und G. Dogaer, Spätmittelniederländische Pestvorschriften (in: G. Baader, G. Keil, Medizin in mittelalterlichen Abendland, 1982).

Viele Epidemien gingen mit Hochwasser-Katastrophen einher. Abgesehen vom Tod durch Ertrinken von Mensch und Vieh führten Überschwemmungen vor allem an den Flüssen zur Dezimierung der Bevölkerung und damit nicht selten zu Hungersnöten und wirtschaftlichen Einbrüchen. Trotz solcher Schicksalschläge berichten die Chronisten dennoch immer wieder von Wiederaufbau und Neubeginn.

Einen weiteren Schwerpunkt spätmittelalterlicher Katastrophen bilden zahlreiche Schiffsuntergänge (S. 48–57), die historisch beschrieben zahlreiche Archäologen und Hobbytaucher auf Schatzsuche treiben. Den Autoren gelingt rund um dieses Thema ein besonders spannendes Kapitel unter anderem über den venezianischen Seehandel und die Überseebeziehungen von Anreinern des Mittelmeeres und der Nordsee. Daneben werden neue Entdeckungen fremder Länder und Kontinente, Pilgerreisen und das Unwesen der Piraterie angesprochen.

Spannende Quellen sind zu diesem Thema zeitgenössische Reiseberichte wagemutiger Entdecker, deren Leben an Bord bestimmt war von Mangelernährung, Krankheiten und Stürmen. Erzählungen und Legenden wie das „Gespensterschiff“ von W. Hauff, (1826) finden sich bis heute.
Wenngleich historische Quellen mit kritischem Blick gelesen werden müssen, bestätigen Archäologen, Paläoanthropologen, Seismologen und Geologen aufgrund moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse viele, damals scheinbar unrealistisch und dramatisch vorgetragener Erleignisse, die sich aufgrund schwerer Erdbeben zutrugen (S. 65–66).

Im letzten Kapitel beschäftigen sich die Autoren mit dem Thema "Geld". ( Zu empfehlen auch: „Kaufleute und Bankiers im Mittelalter“ von Jacques le Goff). Ähnlich wie heute barg das Wirtschaftssystem im europäischen Spätmittelalter zahlreiche Risiken und Krisen und führte immer wieder zu neuen Versuchen, derartigen Schwankungen zu begegnen.

Der Text des Buches ist flüssig geschrieben. Jedes Kapitel ist mit zahlreichen, meist farbigen Abbildungen versehen, ergänzt mit einer Tabelle der wichtigsten Daten.

22.10.2012
Roxana-Elena Licuţă
Fouquet, Gerhard; Zeilinger, Gabriel Zeilinger. Katastrophen im Spätmittelalter. 180 S. 24 x 16,5 cm. Gb. Philipp v. Zabern, Darmstadt 2011. EUR 29,90. CHF 41,90
ISBN 978-3-8053-4362-6
 
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