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Lust auf Reisen in die Antike?

Was man als "das griechische Wunder" bezeichnet, ist die Kunst des 5. Jahrhunderts, die sich vor dem Hintergrund der Perserkriege entfaltete. Bis heute habe man – so der Autor Werner Gauer, er nahm zwischen 1966 und 1969 an verschiedenen Grabungen teil – außer den gängigen mythologischen Deutungen und dem idealistischen Verständnis der Klassik vom Existenzkampf der Generation von Salamis kaum Notiz genommen.
Gauer verfolgt mit seinem Buch die Absicht, die klassische Kunst der Griechen mit der Geschichtsschreibung zu versöhnen, so wie das Volk von Athen sich durch die Kunst mit seiner Geschichte versöhnt hat.
Unmittelbar nach den Perserkriegen wurde der Zeustempel von Olympia erbaut, und eine Generation später der Parthenon. An beiden Bauten findet man kaum eine Spur von den wirklich elementaren Ereignissen der Zeit. Weder am Zeustempel habe man sie gesucht, heißt es im Vorwort, noch am Parthenon. Über den Parthenon gibt es nur Vermutungen, dass in den Reitern des Panathenäenfrieses die 192 Gefallenen der Schlacht von Marathon gemeint sein könnten.

Auch der Mordtat am Anfang der Perserkriege, ein nur von Herodot überlieferter Doppelmord an den Gesandten des Königs Dareios, habe man bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dieser Mord hat den Gegenschlag des persischen Weltreichs unausweichlich erscheinen lassen und damit den Zorn des Zeus und die vom delphischen Orakel vorausgesagte Zerstörung Athens und seiner Heiligtümer nach sich gezogen.

Wie kaum ein anderes Ereignis der Weltgeschichte ist dieser Mord, für den die Athener im Gegensatz zu den Spartanern erst sehr viel später Buße geleistet haben, in die Geschichte eingegangen. Erst kurz nach der Mitte des 5. Jahrhunderts machten die Athener ihren Frieden mit dem Perserkönig und errichteten, als späte Beichte, den Parthenon.

In seiner „Gedankenreise“ stellt Werner Gauer die antiken Kulturstätte Athen, Delphi und Olympia vor und fügt weitere am Wege liegende Reiseziele hinzu.
Im Anhang finden sich Anmerkungen zur Forschungsgeschichte sowie Erläuterungen von Namen und Fachbegriffen.

Eine ähnliche Gedankenreise führt nach Sizilien. Auch hier entfaltet sich der ganze Reichtum griechischer Kunst und Architektur. Tempel und Theater zeugen von der Macht und Pracht der alten Städte. Unter anderem ist die Villa Casale in Piazza Armerina mit ihren Mosaiken ein beeindruckendes Zeugnis der verfeinerten Zivilisation der römischen Spätzeit.
Zahlreiche Dichter von Homer bis Ovid, Philosophen von Empedokles bis Platon kommen in Form von Zitaten zu Wort und machen die Vergangenheit verständlich und lebendig.
Historiker wie Thukydides und Diodor informieren über Kriege und Aufstände und über Persönlichkeiten des antiken Lebens und seiner Eliten. Von dem „Stier des Phalaris“ und dem „Schwert des Damokles“ ist ebenso die Rede wie von dem genialen Mathematiker und Physiker Archimedes und dem unersättlichen römischen Provinzstatthalter Verres. Es werden Mythen erzählt, nach dem Wesen der polytheistischen Religion gefragt und nach der Bedeutung der Götter und den Formen ihrer Verehrung.
Eine Rundreise mit Texten, Bildern, Beschreibungen und Erklärungen führt von Palermo nach Messina.
Beigefügt sind u.a. Erläuterungen antiker Namen, ein Glossar zur Architektur und ein Literaturverzeichnis.

Beide Bücher sind Reiseführer, die weit mehr zu bieten haben, als man üblicherweise von Reisebüchern erwartet. Keine leichte Kost, aber in gut verständliche Sprache gepackt und, mit Muße vor Ort oder daheim als Gedankenreise nachvollzogen, eine Bereicherung für jeden Freund der Antike.

Und Leser, die hin und wieder der geistigen Entspannung frönen möchten, von Teenagern begleitet werden oder Mitreisende dabei haben, denen die Antike völlig fremd ist – und der letzte Krimi ausgelesen – denen seien die spektakulärsten Kriminalfälle des Altertums empfohlen. Da aber weder die DNA bekannt war noch unabhängige Kriminalkommissare am Werk waren, bleiben die Mörder unerkannt. Vermutungen sind erlaubt.

10.04.2013

Hartz, Cornelius. Tatort Antike. Berühmte Kriminalfälle des Altertums. 144 S., 14 x 22 cm, Gb. Philipp von Zabern, Darmstadt 2012. EUR 19,99 CHF 28,90 ISBN 978-3-8053-4507-1
Roeske, Kurt. Sizilien im Spiegel antiker Zeugnisse. Ein kulturhistorischer Reisebegleiter. 2011. 220 S., 1 Karte. 24 x 17 cm, Pb., EUR 29,80 CHF 52,00. ISBN 978-3-447-06436-1


Gabriele Klempert
Gauer, Werner. Der Zorn des Zeus und die klassische Kunst der Griechen. Einladung zu einer Griechenlandreise. 208 S., zahlr. Abb. 21 x 14 cm, Gb. Philipp Rutzen, Ruhpolding 2012. EUR 29,80 CHF 40,90
ISBN 978-3-447-06741-6   [Harrassowitz Verlag]
 
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