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Köln und seine Agrippina. Vom Monstrum zur Mutter

Köln ohne Römer, das geht gar nicht. 2000 Jahre alt wird sie, die in Köln geborene Agrippina. Ein Grund zum Feiern? Schließlich soll die römische Kaiserin machtbesessen und skrupellos, männermordend und moralisch verdorben gewesen sein. Ganz Europa sieht dies so.

Nur Köln tickt anders. Denn hier gilt das „Monstrum“ als Urmutter und Gründerin der Stadt. Hier schwebt sie 1531 wie eine Heilige am Kölner Himmel. Und auch der Kölner Gelehrte und Lokalpatriot Ferdinand Franz Wallraf will 1794 wieder einmal „die Ehre der Mutter retten“.
Agrippina wohin man schaut – auf Versicherungspolicen, in der Kunst, in Reiseführern, in Liedern und im Karneval: „Agrippina, Agrippinensis, wenn do ding Pänz sühs, bes de vun de Söck“. „Wenn du deine Kinder siehst, bis du von den Socken“.

Die „Pänz“, die Kölner Kinder, wissen offenbar, was sie an ihr haben. Jeder kennt sie. In Köln. Der wohl einzigen Stadt des Kontinents, deren Begründerin gleichzeitig als Mutter, Monstrum und Jungfrau gilt. Das muss uns erst mal jemand nachmachen.
Wie es dazu kam, beschreibt Mario Kramp auf breiter Quellenbasis. Kritisch, unterhaltsam und reich illustriert. Da geht es um Sex and Crime im europäischen Barock, die drei Damen Agrippina, Colonia und die Jungfrau, raus und rein im Kölner Rathaus, auch die Rückkehr der Römer wird gefeiert und die Große Oper in Köln, Händels Agrippina und ein fulminantes Festspiel.

Begleitet wird dieses geschichtliche Kaleidoskop von einem Ausblick von Irene Franken. Schließlich feiert frau nicht alle Jahre ihren 2000. Geburtstag. Beschlossen wird der Band mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis.
Ein Buch nicht nur für Kölner. Aber klar wird, Köln ist eben eine ganz besondere Stadt.
Die Ausstellung „Agrippina – Kaiserin aus Köln“ läuft noch im Römisch-Germanisches Museum. Bis zum 28. März 2016.

22.01.2016
Gabriele Klempert
Köln und seine Agrippina. Vom Monstrum zur Mutter. Zum 2000. Geburtstag der römischen Kaiserin. Kramp, Mario. 240 S. s/w und fb. Abb. Pb. Emons Verlag. Köln 2015. EUR 18,95.
ISBN 978-3-95451-900-2
 
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