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Hieronymus Bosch - Visionen eines Genies

Auch 500 Jahre nach seinem Tod haben die Werke des niederländischen Malers und Zeichners Hieronymus bzw. Jheronimus Bosch "nichts von ihrer Überzeugungskraft" und Faszination verloren. Dieser "geniale Darsteller des Natürlichen und Übernatürlichen", der Wirklichkeit und der Welt seiner Phantasie hat seine "ganz persönliche Bildsprache" entwickelt. Er versteht es, das Sichtbare "äußerst realistisch“ wiederzugeben, aber auch das "Unsichtbare, Gefürchtete und die Begierden, das Paradies und die Hölle, die Verführungen durch das Böse und das Versprechen himmlischer Glückseligkeit" lebendig werden zu lassen. Seine Monster sind "frei erfundene Kreaturen", entstanden aus einer genauen Naturbeobachtung und aus dem Wissen, dass das Böse seit Beginn der Schöpfung existiert und dass der Mensch sich nicht geändert hat in "seiner Sucht nach dem Irdischen“. Boschs Bilder wirken beklemmend modern.
Diesen Eindruck vermitteln auch die Abbildungen des vorliegenden Kataloges einer Ausstellung, die die Stadt s’Hertogenbosch, in der Bosch um 1450 geboren ist, gelebt und gewirkt hat und 1516 gestorben ist, aus Anlass seines 500. Todestages präsentiert. Ausstellung und Katalog basieren auf den Ergebnissen eines jahrelangen umfangreichen Forschungsprojektes, das Bosch Research and Conservation Project, eines internationalen Teams von Kunsthistorikern, Konservatoren und Restauratoren, das intensiv und umfassend, modernste Technik nutzend die rund 50 Bosch zugeschriebenen Gemälde und Zeichnungen, sowie seine Arbeitsweise und seine Werkstattpraxis gründlichst untersucht hat. Alle 25 Gemälde und Triptychen und ebenso viele Zeichnungen sind im Katalog jeweils mehrfach, in Gesamtansichten und in vergrößerten Bildausschnitten, farbig und vielfach ganzseitig abgebildet. Gerade die Detailansichten vermitteln einen lebhaften Eindruck von Boschs Genialität und Kreativität und offenbaren einen Künstler, "der der spätmittelalterlichen Tradition" ebenso verbunden war, wie er "in Technik, Form und Bildsprache mit den Konventionen" brach.
Jedes der Kunstwerke wird gründlich auf seine inhaltliche und künstlerische Bedeutung untersucht und gegebenenfalls mit zeitgenössischen Werken verglichen. Dabei wird dem Zeichner Bosch nicht weniger Raum und Aufmerksamkeit gewidmet als dem Maler, weil Zeichnungen "das direkteste Resultat des schöpferischen Willens eines Künstlers" sind. Die dem Katalogteil vorangestellten einführenden Kapitel stellen den Menschen und Künstler Bosch dar, der ein Handwerker und auch ein "bemerkenswerter Intellektueller" war, umreißen sein Leben und Werk und analysieren seine Visionen.
Der Katalog listet im Anhang auch die 50 weiteren zeitgenössischen Werke (Gemälde, Zeichnungen, Stiche u.a.) der Ausstellung auf und nennt die "wichtigsten Studien über Jheronimus Bosch" seit 2000. Er berücksichtigt die wesentlichen Erkenntnisse aus den anlässlich des Bosch-Gedenkjahres erschienenen speziellen und umfassenden wissenschaftlichen Studien und ist somit ein informatives und sehr anschauliches Grundlagenwerk, das Hieronymus Bosch dem Kunstinteressierten nahebringt.

24.04.2016
Christa Chatrath
Hieronymus Bosch. Visionen eines Genies. Ilsink, Matthijs / Koldeweij, Jos. 192 S., 140 fb. Abb. 23 x 27 cm. Gb. Belser Verlag, Stuttgart 2016. EUR 24,99 CHF 31,50
ISBN 978-3-7630-2743-9   [Belser]
 
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