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El servidor del ka en el Reino Antiguo

Die vorliegende, in Spanisch abgefasste, Studie stellt eine Überarbeitung der Dissertation des spanischen Ägyptologen Raúl Sánchez Casado an der Universität von Sevilla aus dem Jahr 2019 dar und liegt nun in der Reihe BAR International Series publiziert vor. Der Autor widmet sich der Entwicklung und Bedeutung des Titels Hm-kA im Alten Reich (ca. 2700–2200 v. u. Z.). Der Titel wird im Deutschen meist als Ka-Diener oder Ka-Priester übersetzt und stellt eine wichtige Person im Totenkult dieser Zeit dar. Für die Studie werden vorwiegend Grabdarstellungen und Beischriften sowie sogenannte juristische Texte vorgestellt und untersucht.
Zunächst widmet sich der Autor der lexikographischen Analyse, der Schreibung des Titels und seiner Umsetzungen. Dabei geht er auch auf mögliche Vorformen während der formativen Phase (4./3. Jt. v. u. Z.) ein. Er folgt dabei Forschern wie etwa P. Kaplony, die bereits eine Verbindung zwischen Hm-kA und den während der 1. Dynastie erstmals belegten Titel sxn-ax postuliert haben.
Durch die Anbindung an das Konzept des Ka – einer Seelenmanifestation im altägyptischen Glauben – wird bereits die Funktion der Ka-Priester, der Schutz des Verstorbenen umrissen. Häufig tauchen die Personen sowohl ikonographisch als auch inschriftlich bezeichnet in Szenen von Opferprozessionen etc. auf Grabwänden von Elite- und Beamtengräbern auf und werden somit vor allem im Totenkult der nichtköniglichen Elite verortet. Stützt man sich auf die ikonographischen und inschriftlich vorliegenden Quellen scheint zudem engsten Familienangehörigen eine wichtige Rolle in der Besetzung dieser Position zugekommen zu sein. Weiterhin sind aber auch Bestellungen durch den König bzw. Hinweise auf ein Klientelverhältnis mit dem Verstorbenen nachweisbar. Wie der eigentliche Rekrutierungsprozess vor sich ging, ist jedoch bislang weitgehend unklar und kann auch von Casado nicht weiter exemplifiziert werden. Interessanterweise zeigt sich zudem, dass dieses Amt / Funktion nicht nur von Männern, sondern auch Frauen ausgeübt wurde, wenngleich die Belege hierfür unweit geringer ausfallen.
Die unterschiedlich auf uns gekommenen Titel verweisen auf offensichtliche Rangunterschiede unter den Ka-Dienern – erhalten sind die Bezeichnungen jmy-r („Vorsteher“), sHD („Untervorsteher“) und jmy-xt („Gefolgsmann“) sowie der Schreibertitel sS. Dies führte dazu, dass in der Forschung häufig davon ausgegangen wird, dass auch die Ka-Diener – ähnlich wie andere Priester – in Phylen (Arbeitsgruppen) eingeteilt waren und unterschiedliche Kompetenzbereiche (Rangunterschiede) vorliegen. Zwar geht auch Casado von diesem Konzept aus, merkt jedoch völlig zu Recht an, dass vor allem die teils unweit geringere Anzahl an Ka-Dienern in den sogenannten Provinzfriedhöfen (häufig nur 1–2 Personen pro Grab) eher an ein variables Konzept denken lässt.

Neben unterschiedlichen Rängen sind Zusammenhänge mit mehreren Institutionen überliefert – so z. B. pr-n-Dt. Letzteres wird von Casado als Magazin identifiziert, in dem Objekte für den Totenkult und die Opferungen am Grab aufbewahrt bzw. zur Verfügung gestellt wurden. Das Zusammenspiel und die Bedeutung der einzelnen Institutionen ist bislang jedoch noch unzureichend erforscht.
Im zweiten Teil der Arbeit kommt Rául Sánchez Casado auf die ikonographischen Quellen zu sprechen, die vor allem in Form von Opferszenen im Grab vorliegen (S. 21–146). Diese relativ große Quellengruppe gibt Auskunft über die Personen und einzelnen Aufgabenbereiche der Ka-Diener im Totenkult. Sie führen die Opferungen am Grab durch und sind für die Besorgung der Opfergaben (z. B. durch Vogelfang etc.) zuständig. Die Ka-Diener sichern somit den Totenkult für den Verstorbenen ab, zugleich stellt die Anstellung als Ka-Priester eine Absicherung eben dieser Personen dar. Gerade diese Absicherung und die damit verbundene Pflichten waren bereits im Ägypten des Alten Reiches so wichtig, dass sie – vor allem in der 5. und 6. Dynastie (ca. 2435–2118 v. u. Z.) häufiger Gegenstand sogenannter juristischer Texte sind. Diese zeigen nicht zuletzt die besondere gesellschaftliche Stellung der Ka-Diener, die von anderen Arbeiten (auch Militärdienst etc.) befreit wurden. Interessant ist an diesen Texten vor allem der Umstand, dass es anscheinend nötig geworden war aufgrund vieler Verstöße, diese Regeln auch in Dekreten und offiziellen Texten zu formulieren.
Den Abschluss des Bandes bilden drei Anhänge, in denen eine Gräberliste mit entsprechenden Nennungen (Anexo I) und weitere wichtige Objekte (Anexo II) sowie schließlich eine Liste der Titelträger und ihrer Belege (Anexo III) vorgelegt werden. Indizes, Bibliographie und ein Katalog runden den Band ab.
Mit der vorliegenden Arbeit hat Casado eine gute Quellen-Kompilation vorgelegt, die für weitere Forschungen eine gute Basis darstellen.

05.02.2021
Robert Kuhn
Raúl Sánchez Casado, El servidor del ka en el Reino Antiguo. Funciones y espacios de actuación, BAR International Series 2997, Oxford 2020. Spanisch. 376 S., 51 Abb. 4 Tabellen. www.barpublishing.com. Pfund 82,00
ISBN 978-1-40735-676-1
 
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