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Tischbrunnen

Im Bereich des prunkvollen Tafelgeräts stellen Tischbrunnen eine besondere Spezies dar. Insofern widmet sich diese Darstellung einer absoluten Rarität. Tischbrunnen verbindet man vor allem mit der Renaissance und dem Hochbarock. Gleichwohl sind auch Beispiele des 18. und 19. Jahrhunderts bekannt. Neben zum Teil nur fragmentarisch erhaltenen Exemplaren aus Kupferblech, Silber, Glas, Bernstein und Bergkristall existiert heute noch eine Anzahl zeichnerischer Entwürfe namhafter Künstler, darunter Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer und Holbein. Alle Beispiele werden stilgeschichtlich untersucht. Eine besondere Würdigung erfährt das häufig erstaunlich aufwendige ikonographische Programm der Tischbrunnen.
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt indessen im Bereich der Technikgeschichte, handelt es sich doch bei den meisten Tischbrunnen um Springbrunnenautomaten, deren Funktionsweise bislang rätselhaft war. Der Autorin ist es gelungen, das technische Prinzip dieser Brunnenautomaten zu recherchieren und mit vielfältigen Varianten bis in das antike Alexandria zurückverfolgen. Im Mittelalter spielt für die Überlieferungsgeschichte vor allem der arabische und der byzantinische Kulturkreis eine maßgebliche Rolle. Im Spätmittelalter scheint das Motiv des Brunnenautomaten schließlich auch in der europäischen Kunst.
Die vorliegende Arbeit besitzt monographischen Charakter. Erstmals gibt es eine klare Begriffsdefinition und typengeschichtliche Darstellung sowie Erläuterungen zur Verwendung von Tischbrunnen im höfischen Festzeremoniell. Das zunächst sehr speziell wirkende Thema hält einige Überraschungen im Bereich einer fächerübergreifenden Forschung bereit.
vdr
Wievelhove, Hildegard: Tischbrunnen. Forschungen zur europäischen Tischkultur. 2002. 223 S., zahlr. auch fb. Abb., 30 cm, Gb., Gb EUR 69,-
ISBN 3-87157-114-8
 
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