KunstbuchAnzeiger - Kunst, Architektur, Fotografie, Design Anzeige Metzler Lexikon Kunstwissenschaft Anzeige Verlag Langewiesche Königstein | Blaue Bücher
[Home] [Foto, Film, Medien] [Rezensionen] [Druckansicht]
Themen
Recherche
Service

[zurück]

Wie ein sonderbarer Traum – Viviane Sassens Fotobuch „Parasomnia“

Beinahe ist es schon ein Klischee, davon zu schreiben, der fotografische Blick auf Afrika wäre voller Klischees. Aber es stimmt ja: Fotografien des afrikanischen Kontinents ähneln sich zuweilen sehr stark, freilich aber auch nicht mehr als Bilder anderer Regionen der Erde.

Vivane Sassen hat nun ein Fotobuch gemacht, dass so ganz anders ist, als die meisten Fotobücher, die wir bisher von Afrika kennen. Die in Kenia aufgewachsene Fotografin, die heute in Amsterdam lebt, geht einen ungewöhnlichen Zwischenweg zwischen Reportage, Dokumentation, Modefotografie und Inszenierung, wie ihr jetzt im Prestel-Verlag erschienenes Buch zeigt.

Die in verschiedenen afrikanischen Ländern, vor allem in Kenia, Uganda und Tansania entstandenen Arbeiten, eine Auswahl aus den Serien „Flamboya” und „Ultra Violet”, verstören vor allem in ihren wuchtigen, grellen Farbigkeit. „Parasomnia“ hat die 1972 geborene Fotokünstlerin ihr Buch nach einer Schafstörung genannt – und so fühlen sich diese Bilder auch an: wie ein sonderbarer Traum. Grelles Licht, dunkle Schatten, satte Farben – eine fremde Welt, dennoch unverkennbar Bilder der Gegenwart.

Selten waren sich Kunst und Modefotografie so nah wie in diesem Werk. Man sieht, dass Sassen für Zeitschriften wie die „Vogue“ fotografiert, doch geht sie in ihrem neuen Buch über die Abbildhaftigkeit der Modefotografie weit hinaus: Absolut ungewöhnliche Bildideen kann man hier bestaunen, skurrile Posen, extreme Farben, aber auch Stillleben, die nie einen Hehl aus ihrer Künstlichkeit, aus ihrer Inszenierung machen.

Sassens fotografischer Stil mutet urban an, jung, aber gleichzeitig auch surreal und fremdartig. „Beim Fotografieren versuche ich, wieder das kleine Mädchen zu sein“, hat sie einmal gesagt. Eine Fremdartigkeit, so Sassen, die aus ihrer eigenen Biografie als Weiße in Afrika herrühre. In Afrika bleibe sie immer eine Fremde, hat Sassen einmal gesagt. Statt eines Vorworts ist dem Buch eine Kurzgeschichte des 1963 geborenen ugandischen Autors Moses Isegawa beigegeben, die Lust macht, mehr von ihm zu lesen. Sein Roman „Abessinische Chronik“ ist in vielen europäischen Ländern erschienen.

20.02.2012
Marc Peschke
Isegawa, Moses; Sassen, Viviane. Viviane Sassen - Parasomnia. Engl. 104 S. 55 Abb., fb. 30 x 25 cm. Gb., Prestel Verlag, München 2011. EUR 39,95. CHF 53,90
ISBN 978-3-7913-4521-5
 
© 2003 Verlag Langewiesche [Impressum] [Nutzungsbedingungen]