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Taxi Driver

„Du laberst mich an?“
Steve Schapiro am Set von Taxi Driver

„Taxi Driver“ ist ein Kultfilm – einer jener Filme, über die man auch heute, Jahrzehnte nach ihrem Entstehen, noch staunen kann. Faszinierend sind auch die Fotografien, die Steve Schapiro am Set von „Taxi Driver“ gemacht hat. Ein Bildband stellt sie jetzt umfassend vor.

Es gibt Bilder, die haben sich ganz tief eingegraben in das kollektive Gedächtnis. Sind Teil einer kulturellen Erinnerung geworden. Martin Scorseses Film „Taxi Driver“ gehört mit seiner Bildgewalt in jedem Fall dazu. Ein Meilenstein der Filmgeschichte, der immer neue Generationen fasziniert. Robert De Niro mit Irokesenschnitt. Ein Psychopath im Ausnahmezustand, Sätze, in die Filmgeschichte gemeißelt: „Du laberst mich an?“ Eine so packende Rolle hat De Niro nie mehr gespielt.

Steve Schapiro war Teil des Filmteams von „Taxi Driver“. Er arbeitete als Set-Fotograf – und hier gelangen ihm sehr eindringliche Bilder des Hauptdarstellers. Etwa jenes, bei dem De Niro reichlich verloren vor dem gelben Taxi posiert und nach rechts oben in den Nachthimmel blickt. Fotografiert hat Schapiro aus einer sehr niedrigen Perspektive – was der Aufnahme monumentale Strenge und hohe Dramaturgie verleiht.

Bekannt wurde der Amerikaner schon in den frühen sechziger Jahren als Pressefotograf für „Time“, „Sports Illustrated“, „Life“, „Look“, „Paris Match“, „Rolling Stone“, „Newsweek“, „Vanity Fair“ oder „People“, doch auch die Arbeit als Set-Fotograf bei über 200 Filmen hat ihn immer wieder fasziniert. Neben den Bildern am Set von „Taxi Driver“ aus dem Jahr 1976 sind vor allem jene von „Der Pate“ von 1972 bekannt geworden. In jüngster Zeit hat Schapiro etwa am Set von „Public Enemies“ von Michael Mann gearbeitet.

Das jetzt im Taschen-Verlag erschienene Buch zeigt betörende Fotografien, wie etwa jene der erst 13jährigen Schauspielerin Jodie Foster, deren Mimik oft ein wenig unbestimmt ist. Ist sie gelangweilt von den Dreharbeiten bei „Taxi Driver“? Oder ist es Melancholie? Die Stärke von Schapiros Bildern liegt in dem Rätsel, das sie uns aufgeben. In der Ungewissheit, die sie umwölkt.

Auch viele unveröffentlichte Fotos zeigt der schwergewichtige Band, in dessen Zentrum natürlich Robert De Niro steht, dessen Vorwort Martin Scorsese verfasst hat und dem zudem historische Texte und Interviews mit Scorsese, Drehbuchautor Paul Schrader und Robert De Niro selbst beigegeben sind.

Ein Buch, in das man sich verkriechen mag. Es nimmt gefangen, nimmt mit ins New York des Jahres 1976. In eine Zeit, die sehr viel rauer war, als man heute denken mag. Wer die Bilder Schapiros im Original sehen will, der kann dies schon bald in Rostock tun. Denn die dortige Kunsthalle zeigt vom 24. März bis zum 5. Mai eine große Schapiro-Retrospektive. (http://www.kunsthallerostock.de/steve-schapiro.html)

19.05.2013

Marc Peschke
Steve Schapiro. Taxi Driver. Hrsg.: Duncan, Paul / Fotograf: Schapiro, Steve. Dtsch/Engl./Franz. 400 S., 44 x 29 cm, Gb. Taschen Verlag, Köln 2013. EUR 49,99 CHF 69,90
ISBN 978-3-8365-4198-5
 
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