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RICOCHET #8

Experiment und Hoffnung.
Ein schmaler Band stellt Jan Paul Evers vor.

Die Ausstellungsreihe „RICOCHET“ im Museum der Villa Stuck stellt seit einiger Zeit regelmäßig Positionen der Gegenwartskunst vor, die sich „Diskursen unserer Zeit“ widmen. Das man dabei Künstlerinnen und Künstler auswählt, die auch ästhetisch neue Wege gehen, fällt auf. In der inzwischen achten Folge stellt das Museum den 1982 in Köln geborenen Jan Paul Evers vor – ein schmaler, bei Kerber erschienener Katalog begleitet die Schau.

Schwarzweiße, leicht unscharfe, abstrakte Raumkompositionen wechseln hier ab mit Bildern von Segelschiffen, Wüsten, Palmen, Stränden, Hochhäusern oder asiatischen Tempelarchitekturen. Ein Pfau spreizt – ganz der schillernden Farbe beraubt – sein Gefieder. Ein Blick in einen Dschungel wechselt ab mit jenem auf Architektur-Arkaden. Alles ist schwarzweiß, alles ein wenig unscharf, aber wie passt das zusammen?

Eine Geschichte möchte der Künstler nicht erzählen. Um Stimmungen scheint es hier eher zu gehen, als um die Einzelmotive. Kontemplativ ist die Wirkung, konzentriert. Der Betrachter wird vom Bild nicht umgarnt, im Gegenteil: Alles ist etwas spröde, doch deswegen nicht unelegant. Finales Ergebnis eines analog-digitalen Collage-Prozesses, der in der Dunkelkammer seinen Abschluss findet – in Unikaten, die auf Bilder unterschiedlichster Provenienz zurückgehen.

Einige der Arbeiten könnten aus der Zeit der Foto-Avantgarde stammen, aus dem frühen 20sten Jahrhundert, aus Bauhaus-Fotografie oder auch Piktoralismus, als das „Experiment“ noch Heilung und Hoffnung versprach. Evers findet seine Vorlagen mit der eigenen Kamera, dem Handy, in Filmstills oder im Internet, eignet sich Fremdes an und bearbeitet die Bilder in der Dunkelkammer weiter. Mit Schablonen aus Graupappe erschafft er sich neue Räume und schließlich gegenstandslose Formen, die mit jenen Bildern aus fernen Ländern kontrastieren.

Die Arbeiten von Jan Paul Evers reflektieren nicht nur die Geschichte der Fotografie und des Mediums, das ganze Vermächtnis der modernen Kunst, sie bieten – noch interessanter – vor allem einen poetischen Rückzugsraum aus der vieltönenden Kakophonie zeitgenössischer Bildproduktion. Man betrachtet sie gerne. Sie lassen das Auge zur Ruhe kommen und setzen den Geist in Bewegung.

14.05.2014
Marc Peschke
RICOCHET #8. Jan Paul Evers. Buhrs, Michael; Faber, Verena; Schmid, Sabine. Hrsg.: Museum Villa Stuck. Dtsch/Engl. 48 S. 19 sw. Abb. 26 x 20 cm. Gb. Kerber Verlag, Bielefeld 2014. EUR 15,90. CHF 22,50
ISBN 978-3-86678-942-5
 
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