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„Fotografie ist Architektur.“

Marcel Gautherot fotografierte Brasiliens Architektur-Moderne.
Brasiliens Architektur-Moderne ist ein Thema, das einige hervorragende Fotografen dokumentiert haben. Lichtbildner wie José Medeiros, Thomaz Farkas, Marcel Gautherot oder Hans Gunter Flieg sind die bekanntesten von ihnen – interessanterweise drei davon kamen aus Europa: Brasiliens Attraktivität war groß seit Beginn des Zweiten Weltkriegs.
Marcel Gautherots Werk wird vor allem mit seinen Bildern des Aufbaus von Brasília, mit der Architektur von Oscar Niemeyer verbunden. Doch war er nicht nur an dem neuen Brasilien interessiert. Volkstümliche Riten, Bilder aus dem Dschungel oder der Fischer von Belém sind ebenfalls Teil seines großen Werks, das im vergangenen Sommer in einer Ausstellung im Maison Européenne de la Photographie in Paris wiederentdeckt wurde.
Begleitend zu der Schau des französisch-brasilianischen Fotografen ist jetzt ein Buch bei Scheidegger & Spiess erschienen. Es ist die erste Monografie des 1910 geborenen und 1996 verstorbenen Fotografen. Im Zentrum stehen seine Bilder Brasílias, die den Bau, die Baustellen und die Arbeiten zeigen – aber auch die fertigen Gebäude.
Die fotografische Auseinandersetzung mit der modernistischen Formensprache ist das bevorzugte Feld des Fotografen. Sein Auftraggeber, Oscar Niemeyer, war von seiner Arbeit überzeugt: „Marcel Gautherot war viele Jahre lang unser Lieblingsfotograf. Wir haben die Gebäude entworfen, er hat sie fotografiert … Und was er für Fotos machte … Wie gekonnt er die richtigen Blickwinkel und die Kontraste in der Architektur traf, von der er so viel verstand!“
Tatsächlich ist das Verständnis für die Architektur eine Grundvoraussetzung für die fotografische Umsetzung. Gautherot hatte selbst in den 1920er Jahren Architektur studiert und später den Satz geprägt „Fotografie ist Architektur“. Jemand, der nichts von Architektur verstehe, so Gautherot, sei schlichtweg nicht im Stande, ein guter Fotograf zu sein.
In seinem Werk versammelt Gautherot viele Schlüsselmomente der brasilianischen Architekturgeschichte – fotografierte sie stets im quadratischen 6x6-Format. Im Gleichgewicht sind diese Architekturbilder. Dieses Buch zeigt: Gautherot ist der große Statiker unter den Fotografen.
Der Band umfasst mehr als 200 Fotografien aus allen Schaffensphasen. Er wird herausgegeben vom Instituto Moreira Salles in Rio de Janeiro, das Gautherots Nachlass beherbergt. Hans-Michael Koetzle hat in der Zeitschrift „Photographie“ die Besonderheit des Buchs sehr treffend auf den Punkt gebracht: „Es gibt Bücher, denen man ansieht, dass sie auf einen großen Namen oder auf plakative Motive bauen, um auf dem Markt die „schnelle Mark“ zu machen. Und dann gibt es Bücher, die man in die Hand nimmt und die einen nur aufgrund eines einzigen Eindrucks gefangen nehmen: Einzigartigkeit. Marcel Gautherot – Die Monografie ist ein solcher unverwechselbarer Bildband.“

12.12.2016
Marc Peschke
Marcel Gautherot. Die Monografie. Hrsg.: Instituto Moreira Salles; Beitr.: Leenhardt, Jacques; Frizot, Michel; Titan Jr., Samuel. 224 S. 241 Triplex-Abb. 28 x 24 cm. Gb. Scheidegger & Spiess Verlag, Zürich 2016. EUR 48.00 CHF 49,00
ISBN 978-3-85881-495-1   [Scheidegger & Spiess]
 
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