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Dieter Leistner. Der Lichtfanatiker

Dieter Leistner ist ein Lichtfanatiker, ein Architekturromantiker - alles, nur kein sturer Dokumentarist. Der 1952 in Salzgitter geborene Fotografen wurde bereits in den achtziger Jahren - nach dem Fotostudium in Köln und an der Essener Folkwangschule - zum Impulsgeber einer neuen Sichtweise der Architekturfotografie, die mehr der Schönheit verpflichtet scheint als der Genauigkeit der Dokumentation.
In den postmodernen Achtzigern entwickelte Leistner seinen originären Stil, der Architektur als Mysterium präsentierte. Leistner ist ein Lichtzauberer, ein Meister des Moments. Dass die Architektur bisweilen zum bloßen Material seiner freien Schöpfungen taugt, hat seine Auftraggeber nie gestört: Seit 1982 arbeitet Leistner für Architekten wie O. M. Ungers, Gottfried Böhm, Coop Himmelblau, Günter Behnisch, Richard Meier oder Hans Hollein. 1999 wurde der Mainzer als Professor für Fotografie an die Fachhochschule Würzburg berufen, außerdem betreibt er in Mainz das Fotografenbüro Architekton.
Banken, Schwimmbäder, den Bundestag und Museen lichtete Leistner ab, mehr als das: fand neue, oft ungeahnte Formen in ihnen. So entstanden abstrakte Kompositionen aus Kreisen und Winkeln, elegante, große Bildfindungen, die der Fotograf in herrliche Farben taucht. Interpretationen der Architektur wurden Leistners Arbeiten oft genannt, die - obwohl sie kaum so aussehen - immer mit vorhandenem Licht entstehen. "Das wichtigste ist die Arbeit mit dem Licht", hat Leistner einmal erklärt. "Ich mag kein Kunstlicht, sondern warte lieber so lange, bis ich optimale Tageslichtverhältnisse habe. Schließlich scheint die Sonne jeden Tag, nur jeden Tag anders." Das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt zeigte Leistner einmal in ganz blauem Gewand - alles echt, wie er sagt, keine Retuschen: "Ich will Träume von Häusern zeigen."
Auf die Frage, wo das Licht denn am schönsten sei, ist sich Leistner ganz sicher: Auf Lanzarote. Vor kurzem zeigte die Kommunale Galerie im Frankfurter Leinwandhaus anlässlich des 50. Geburtstags des Fotografen eine große Retrospektive. Der vorliegende Bildband mit Beiträgen von Wilfried Dechau, Hans-Eberhard Hess, Hilmar Hoffmann, Hans-Michael Koetzle, Ivo Kranzfelder und einigen anderen Autoren zeigt die schönsten Arbeiten Leistners in hervorragender Bildqualität.
Marc Peschke
Dieter Leistner. Traumhäuser. 168 S., 111 fb. Abb., Gb. EUR 24,80
ISBN 3-932509-06-4
 
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