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Visions: Palestine

Um sich politisch korrekt zu verhalten und keine „falschen“ Bezüge herzustellen, hat sich die Gemeinschaft der „Wikipedianer“ - das sind die Nutzer und zugleich Beiträgler der weltweit offenen enzyklopädischen Wissensdatenbank „wikipedia“ - darauf verständigt, den „Zaun“ bzw. die Mauer, die Israel von Palästina trennt, als „Israeli West Bank Barrier“ oder zu deutsch als „Isrealische Sperranlage“ zu betiteln und diese „ziert“ den Umschlag des Buches und weist die Richtung. Die Politikwissenschaftlerin und Fotografin Andrea Künzig und der Islamwissenschaftler Udo Steinbach sind ausgewiesene Kenner der Region. Sie legen hier einen Bildband vor, der unter die Haut geht.
„Visions: Palestine“ zeigt in eindrücklichen, sich häufig widersprechenden Bildern viel Hoffnungslosigkeit. Auf der einen, israelischen Seite findet sie ihren Ausdruck in Wasserfontänen über grünem Rasen, auf der anderen, palästinensischen Seite das Bild eines kleinen Mädchens, das auf kargem Boden aus Plastikkanistern Wasser schöpft. Aber Andrea Künzig gelingt es auch, die Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft eindrucksvoll einzufangen, wenn orthodoxe Juden „ihrer“ isrealischen Polizei gegenüberstehen oder ein palästinensischer Junge gegenüber einem isralischen Soldaten die Arme hebt. Aber nicht nur sensibel eingefangene, zum Teil sogar „schöne“ Bilder über Aufruhr und Zorn bestimmen die Themen, auch das Alltägliche kommt zu Wort. Es sind Bilder israelischer Kinder, die verurteilt sind zum Spielen in ihren Häusern zu bleiben, oder Kinder, die sich in den Ruinen von Gaza und zerfetzten Autos austoben, ein Barbier in einem Verschlag, der seiner Arbeit nachgeht, oder die müden Gesichter palästinensischer Arbeiter im Kontrast zum fröhlichen Treiben am Strand von Tel Aviv.

Mit diesem Fotoband und dem einleitenden Essay ergreifen die beiden Autoren eindeutig Partei für die Freiheit Palästinas, und man wünscht sich, zusammen mit ihnen einfach nur ein baldiges Ende „der endlosen Demütigungen, die nicht zuletzt dazu beigetragen haben, mit perversen Opfern seiner Selbst und beliebiger ‘Gegner’ ein Stück verlorener Würde zurückzugewinnen“ (Udo Steinbach). Die Region braucht nichts dringlicher als Frieden. Mit Panzern, Kampfhubschraubern und Sperranlagen ist dieser Friede allerdings wohl nicht zu erlangen. Ein eindringliches Buch!
Gabriele Klempert
Andrea Künzig: Visions: Palestine. Fotos v. Künzig, Andrea. Beitr. v. Steinbach, Udo. dtsch/engl. 104 S., 1 sw. u. 83 fb. Abb. 30 x 24 cm. Gb., Kehrer, Heidelberg 2004. EUR 40,-
ISBN 3-936636-07-9
 
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