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Beate Passow - Farbenprächtige Exoten - „Miles and more“

Als Auftakt des Ausstellungszyklus „Starke Frauen“ waren im Sommer im Ismaninger Kallmann-Museum neue Arbeiten der Münchner Fotokünstlerin Beate Passow zu sehen. Seit einiger Zeit schon sind es vor allem außereuropäische Kulturphänomene, welche die 1945 geborene Künstlerin interessieren. Das nun im Nürnberger „Verlag für moderne Kunst“ erschienene Katalogbuch „Miles and more“ stellt vier neue Fotoserien erstmals in einer Publikation vor: Zu sehen sind „Zwerge“, kleinwüchsige Männer in Pakistan oder auch mit wundervoll leuchtenden Burkas verschleierte Frauen in Deutschland, die auf einem Motorrad, im Hallenbad oder auch bei Bier und Bretzel im Biergarten sitzen. Skurrile, prachtvolle Maskerade.

Mit viel Liebe zur Schönheit des Fremden inszeniert Passow ihre Fotografien - und gerade in dem Widerspruch verstörender Bildinhalte und ihrer opulenten, verführerischen Inszenierung liegt die besondere Kraft ihrer Bilder. So sieht sie auch die pakistanischen Shuas - Menschen, deren Köpfe im Kindesalter durch einen künstlichen Eingriff klein gehalten und die später zum Betteln geschickt werden: Unter der fotografischen Ägide von Beate Passow wachsen sie über ihr ärmliches Dasein heraus und werden zu geheimnisvollen, märchenhaften Wesen, zu farbenprächtigen Exoten des 21. Jahrhunderts. Kaum zu glauben, dass es so etwas noch gibt.

Jean Baudrillard Satz „Fotografieren bedeutet nicht, die Welt als Objekt zu nehmen, sondern sie zum Objekt werden zu lassen“, spiegelt sich in den fotografischen Inszenierungen von Beate Passow sehr präzise wider. Doch liegt hier die Problematik jenes eurozentrisch geprägten Blickwinkels, der die Ästhetik des Diversen so unbefangen feiert: Denn in gewisser Weise stellt die Fotografin ihre Modelle gnadenlos aus - in jenen Bildern, in denen die „Zwerge“ oder die Shuas für Passow posieren, vor allem aber in einer Serie über tibetanische Prostituierte, die sie (ohne deren Einwilligung) unscharf und anonym, aus einem vorbeifahrenden Auto fotografiert hat. Diese Frauen sind Namenlose - oder besser: Die Fotografie macht sie zu solchen.
4.1.2007


Marc Peschke
Weskott, Hanne: Beate Passow. Miles and More. Vorw. v. Hesse, Gisela /Puyplat, Lisa /Soerries, Christine. Hrsg. v. Weskott, Hanne. 80 S., 60 fb. Abb. 27 x 24 cm. Gb. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2006. EUR 24,00
ISBN 3-938821-59-0
 
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