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Zwei Kinderbücher. Wiese, Stall und Bauernhof und auch noch Blaubart

Zwei hervorragend illustrierte Kinderbücher seien hier angezeigt, die wegen ihrer Illustrationen durchaus zum Bereich Kunst für Kinder gezählt werden dürfen.
Was die für Erwachsene reichlich skurrile, für kleine Leser (ab 5) märchengruslige Geschichte betrifft, sollte man als erstes die letzte Seite lesen: "Moral" und "Weitere Moral" hat Charles Perrault, ein französischer Erzähler aus dem 17.Jahrhundert, seinem "Blaubart" nachgefügt. Hier die "Weitere Moral": "Wär einer auch kein Deut gescheit und kennte sich kaum aus im Zauberbuch der Welt, er wüsste doch, wenn ihm dies Stück gefällt: es ist ein Märchen aus vergangner Zeit. Die Zeit der strengen Gatten ist vergangen, und keiner wird Unmögliches verlangen, auch wenn ihn Eifersucht und Missmut plagen. Er sitzt bei seiner Frau, was Hübsches ihr zu sagen; und welche Farbe auch der Bart hat, der ihn ziert, mit Mühe nur erkennt man, wer hier wohl regiert". Aber die Frau, die mit auf Blaubarts Burg geht, weil er soviel Geld hat, und die in seiner Abwesenheit die verbotenen Gewölbe betritt und die Skelette ihrer zahlreichen Vorgängerinnen findet (wie es für sie ausgeht, verraten wir nicht), die lebte ja zu jener längst vergangenen Zeit, weswegen sie all das mit Blaubart durchstehen muss. In sechzehn großen und einigen schmaleren Bildern hat Eric Battut der Geschichte einen Hintergrund in Schwarz (die riesige Burg als einsperrende Festung) und Weiß (der karge, naturlose Burghof) gegeben. Mit ein wenig Blau und Rot erzählt der 1968 geborene und in Lyon an der Kunstgewerbeschule ausgebildete Battut dann sein eigenes Märchen: Die Braut in derselben Farbe wie Blaubarts hässlich-auffallender blauer Bart, die eine einzige rote Rose, die er ihr überreicht - und gleich im nächsten Bild das altertümliche Schlüsselbund, dann die rote Tür, in die einer der Schlüssel passt und der sich sogleich rot färbt, so dass Blaubart bemerkt, was geschehen ist. Battut hat nicht bloß ein Märchen illustriert, seine Bilder brauchen keine Worte. Damit stehen sie in einem kunstvollen Kontrast zu Perraults Text - und zeigen ein weiteres Mal, dass auf den Verlag bohem press in Zürich Verlass ist, was originelle, qualitätsvolle Bücher betrifft../.
Anzuzeigen ist auch ein neuer wundervoller Band in der Reihe "bohems Tierleben". Zum neunten Mal nun hat Svjetlan Junakovic das Buch in dem auffallenden Format (30x13 cm) gestaltet. Jede der ausklappbaren Seiten zeigt mit ganz kurzem Text und ganz viel Bild ein Tier. Jedes Bild für sich ist in seiner Wahl gedeckter Farben und in der Eindeutigkeit des Motivs ein kleines Kunstwerk für Kinder, das man am liebsten als Poster aufhängen würde. Der Illustrator konzentriert sich auf wenige Details, in seinen unschrillen Bildern gibt es die eine Hauptsache, die auf die kleinen Betrachter (ab 2) wirkt. Das ist gerade in den Zeiten der allerorten flimmernden Bildschirme ein wohltuender, ein mutiger Ansatz. Besonders, weil keines der Bilder erstarrt oder langweilig ist - dafür zeigt der Künstler geübt genug die Bewegung, etwa die des meckernden Ziegenbocks: "Wenn ich ein Hindernis sehe, muss ich dagegen anrennen." Gewiss wird jeder bald seinen eigenen Favoriten haben, bei dem es ihm schwerfällt, das Blatt wiedereinzuklappen. Ich kann mich nur schwer vom Esel trennen, der, mit seinen Säcken beladen, so schön ausdrückt, was er für die Menschen Jahrhunderte lang getan hat. Junakovic (1961 in Zagreb geboren und Absolvent der Kunstakademie Brera in Mailand) hat die Tiere eben nicht als Nutztiere gemalt, sondern ihnen eine darüberhinaus gehende Bedeutung verliehen: "Die Menschen zählen uns, damit sie einschlafen können" blöken die Schafe." Das ist mehr als nur Wolle zu geben, und das schafft der Illustrator zu vermitteln.
Mareile Ahrndt
Perrault, Charles /Battut, Eric (Ill.): Blaubart. 2000. 36 S., farb. Ill. 25,5 cm. 2001, Pp EUR[D] 13,50
ISBN 3-85581-346-9
 
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