KunstbuchAnzeiger - Kunst, Architektur, Fotografie, Design Anzeige Metzler Lexikon Kunstwissenschaft Anzeige Verlag Langewiesche Königstein | Blaue Bücher
[Home] [Kunst] [Rezensionen] [Druckansicht]
Themen
Recherche
Service

[zurück]

Manets neue Kleider – Kleiderfragen

Mit „Kleidern“, wie der Buchtitel vermittelt, hat die vorliegende Studie „Manets neue Kleider“ nur am Rand zu tun. Dieter Eisentraut versucht vielmehr den Diskurs der Bearbeitungen Édouard Manets (1832–1883) aufzunehmen, d.h. die Geschichte seiner Gemälde in Bildern nachzuzeichnen und die entscheidenden Stationen zu markieren. Sein Ziel ist es, eine Typologie der künstlerischen Manetrezeption zu erstellen.
Die Bedeutung Manets als Wegbereiter der klassischen Moderne entwickelt sich vor allem über drei seiner Hauptwerke: die „Olympia“, das „Frühstück im Grünen“ und die „Bar in den Folies-Bergère“. Mit ihrer neuen Malweise und ihren gewagten Sujets schockierten sie die bürgerliche Öffentlichkeit und forderten Künstlerkollegen von Beginn an zu Bearbeitungen seiner Gemälde heraus.
Schon Manet selbst hatte eine fast parasitäre Beziehung zur Malerei der Tradition, indem er immer wieder auf Werke der alten Meister zurückgriff und dabei großstädtische Modernitätserfahrungen wie Entfremdung oder Einsamkeit künstlerisch verarbeitete.

Ein wesentlicher Komplex ist mit dem „Frühstück im Grünen“ und seinen Bearbeitungen verbunden, die von Claude Monet, Max Ernst, und Pablo Picasso bis hin zu Jeff Wall, Anri Sala und Yue Minjun sowie den populären Bildern der Comics und der Werbung reichen.
Ein anderes zentrales Thema ist der Akt und die mit der „Olympia“ erfolgende Aufdeckung einer voyeuristischen Position. Arbeiten von Christian Schade, Félix Vallatton, Francis Bacon, Eric Fischl und andere befragen die Geschlechterdifferenzen und ethnischen Konstellationen und künden von den psychischen Energien, bzw. von dem Potential Manets bis auf den heutigen Tag.
Darüber hinaus wird auch die Wirkungsgeschichte von Manets Bildern der „Bar in den Folies-Bergère“, des „Balkon“ und der „Erschießung Kaiser Maximilians von Mexico“ untersucht, die Künstler vom 19. Jahrhundert bis heute rezipierten, und am Ende fehlt auch nicht eine sozioökonomische Recherche zu den Werken von Hans Haacke und Sophie Calles, die sich in ihrem Manetbezug der Käuflichkeit und der Vermehrung des Geldes im Kunstbetrieb widmen.

Neben Gemälden werden dabei auch Skulpturen, Fotografien, Karikaturen, Videokunst, Performances und Formen der Populärkultur wie die Werbung oder Plattencover in den Blick genommen.

Die aus der künstlerischen Rezeption hervorgegangenen Werke bilden inzwischen einen Hauptstrang der Moderne, der bis in die Gegenwartskunst reicht und längst nicht abgeschlossen ist.
In dieser Studie wird er erstmals umfassend beschrieben und analysiert.


Tatsächlich um „Mode“ geht es aber in dem kleinen Band „Kleiderfragen - Mode und Kulturwissenschaft“. 11 Beiträge einer Ringvorlesung der Universität Salzburg im Jahr 2013/14 dokumentieren den damals aktuellen Stand des Forschungsfeldes Mode und ihre vielfältigen Funktionen als Medium der Kommunikation. Hier werden Fragen nach den Zusammenhängen von Mode und (Post-)Moderne in Literatur, bildender Kunst und Film sowie nach deren gesellschaftlichen Verflechtungen behandelt, wobei es auch um die Angleichung von männlicher und weiblicher Mode seit der Französischen Revolution geht, ebenso wie um die Mode als kulturelle Praxis und die zeitliche Abhängigkeit derselben. Weitere Beiträge behandeln Modefragen in der Kunst des Mittelalters oder untersuchen die Modeästhetik in den Feldern der Literatur bis zur Jugendsubkultur in der Sowjetunion, die das Widerstandspotential von Kleidermoden diskutiert.
Am Ende werden noch zwei „Mode-Filme“ behandelt, ebenso wie Grenzgänge und Übertritte zwischen Kunst und Mode, bis hin zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Mode-Blogs und den Zusammenhängen von Mode, Ökonomie und Politik.
Für alle, die mit Mode und Kommunikation zu tun haben, aber auch für Laien, ist dies eine interessante Lektüre. Allerdings wird mancher Leser das eine oder andere Fremdwort nachschlagen müssen, wie z. B. im Beitrag Vestimentäre Ästhetiken in Dichtung und Kunst im Mittelalter. Vestimentär bedeutet laut Wikipedia, etwas mit der Kleidung ausdrücken, bzw. mitteilen zu wollen.
Jeans und T-Shirt oder Smoking, das ist die Frage.

-------------------

Kleiderfragen. Mode und Kulturwissenschaft. Hrsg.: Gürtler, Christa; Hrsg.: Hausbacher, Eva. 250 S. 23 x 15 cm. Pb. Transcript Verlag, Bielefeld 2014. EUR 29,99. CHF 40,10
978-3-8376-2819-7

08.04.2016

Gabriele Klempert
Manets neue Kleider. Zur künstlerischen Rezeption der "Olympia", des "Frühstücks im Grünen" und der "Bar in den Folies-Bergère". Eisentraut, Dieter. Studien zur Kunstgeschichte (203). 280 S. 130 meist fbg. Abb. 24 x 17 cm. Gb. Olms Verlag, Hildesheim 2014. EUR 68,00.
ISBN 978-3-487-15144-1   [Olms]
 
© 2003 Verlag Langewiesche [Impressum] [Nutzungsbedingungen]