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Schlösser für den Staatsgast

Da sind sie wieder, die beiden deutschen Staaten. Zurück aus ihrer Geschichte in unserer wiedervereinigten Gegenwart. In zwei Rückblenden auf die Staatsgäste der Berliner "Herren in Pankoff" (so Konrad Adenauer) und die der Herren in Bonn am Rhein. Im Zentrum die Schlösser Schönhausen in Berlin (1966-1990) und, weitaus repräsentativer, Augustusburg in Brühl (1949-1996). Mit ihrer Geschichte, ihrem Umfeld von präsidialen Amtssitzen auch in Villen, von Gärten, Appartement-, Gäste- und Bettenhäusern, Sperrzonen.
Dort rollten die beiden Republiken ihre roten Teppiche aus. Besonders häufig in den siebziger Jahren der nun wenn auch beschränkten so doch gegenseitigen Anerkennung, der die internationale folgte. Und damit eine Vielzahl von Staatsoberhäuptern und Staatsgästen. Einhundert waren es im Westen in all diesen Jahren, einhundert zwanzig in der besonders anerkennungsbedürftigen DDR. Immer begleitet von einem fremd anmutenden Protokoll, das sich dem interessierten Leser hier mit vielen Szenarien einer ritualisierten und formalisierten staatlichen Repräsentation öffnet.

Es ist ein Blick auf, nicht hinter die Kulissen dieser Besuche. Mit Exkursionen zur Architektur und Gestaltung von Innenräumen im Spiegel von Zeitgeschichte und Geschichtsbild. Wie dem des Wandels des Preußenbildes in der DDR, markiert durch die Fassaden-Entpreußung von Schönhausen 1949 und seine Umgestaltung im Inneren um 1975, angelehnt an preußisches Rokoko. Bisweilen auch anschaulich akzentuiert durch zeitübergreifende Stilvergleiche, wie die von Wilhelm Piecks und Konrad Adenauers Schreibtisch (der dann im Begleitbuch fotografiert fehlt). Das Fazit: Beide Schlösser erweisen sich systemübergreifend immer wieder als Orte ähnlicher Gestaltungs- und Geschmacksmuster.

Konzeptionell ausgeblendet bleibt das Potential an Situationen unfreiwilliger Komik solcher Staatsbesuche, wie es sich auf dem Einband mit der Fotografie von Erich Honeckers Bruderkuß für Leonid Breschnew (Berlin-Ost, 1979) andeutet. Der rote Teppich für eine solche Fotostrecke, ergänzt etwa durch Karikaturen und satirische Zeichnungen, wird nicht ausgerollt. Weshalb dann dieses Begleitbuch und die Ausstellung doch sehr bemüht wirken, wirken müssen. Und dabei auch ins Staubtrockene geraten. Ein älteres Publikum mag das goutieren, aber die Jüngeren?

Die Ausstellung wird am jeweiligen zeithistorischen Ort gezeigt. Vom 1.4. bis 3.7. 2016 im Schloß Schönhausen in Berlin und vom 30.7. bis 1.11.2016 im Schloß Augustusburg in Brühl.

13.05.2016
Wolfgang Schmidt, Berlin-Friedenau
Schlösser für den Staatsgast – Schönhausen und Augustusburg. Staatsbesuche im geteilten Deutschland. Hrsg.: Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg; UNESCO-Welterbestätte Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl. 144 S. 118 z. T. fb. Abb. 29 x 23 cm. Sandstein Verlag, Dresden 2016. EUR 34,00.
ISBN 978-3-95498-216-5
 
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