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Das Neue Frankfurt. Ein Plaidoyer für den sozialen Wohnungsbau

Das kleine Bändchen „Das neue Frankfurt“ von Christian Welzbacher liest sich wie ein Krimi. Auch angesichts der heutigen Wohnungsnot von bezahlbarem Wohnraum ist dieses Buch eine wahre Fundgrube für die Architektenschaft und Kommunalpolitiker. Das Stadtentwicklungsprogramm für das „Neue Frankfurt“ schuf in den 1920er Jahren eine Infrastruktur, die nicht nur den sozialen Wohnungsbau umfasste, sondern auch neue Formen der Moderne im Schul-, Verwaltungs- Krankenhaus-, Sakral- und Industriebau im Auge hatte. Es gab für die Bewohner, die meist in völlig übervölkerten Altbauquartieren lebten, neue Lebensräume mit Licht und Luft, woran im „alten“ Frankfurt großer Mangel herrschte.
Fünfzig Quadratmeter Wohnfläche, inklusive Einbauküche, die berühmte Frankfurter Küche von Margarete Lihotzky , mit Bad und „Klosett“ sowie einer Dachterrasse, waren für einen Vierpersonenhaushalt hoch begehrt. Die „Wohnungen für das Existenzminimum“ wurden in kürzester Zeit, aber in solider Fertigbauweise erstellt. Allerdings konnte das Finanzierungsmodell angesichts der Weltwirtschaftskrise und im Nationalsozialismus nicht durchgehalten werden.

In Frankfurt entschieden diese rasante Stadtentwicklung der Bürgermeister (Ludwig Landmann), bzw. der Magistrat zusammen mit eigens dazu herbeigerufenen Städteplanern und Architekten wie z. B. Ernst May, Ferdinand Kramer und Martin Elsaesser u.a., die noch heute hohes Ansehen genießen. Das für die neuen Siedlungen notwendige Bauland wurde durch die Eingemeindung der Randgemeinden und Enteignung der Grundbesitzer gewonnen.

„Niemals zuvor“ schreibt Welzbacher, „hat sich in Deutschland die öffentliche Hand so vehement um das Problem des Wohnungsbaus gekümmert wie in der Weimarer Republik. Niemals später ist so grundsätzlich über all seine Aspekte nachgedacht worden. Und niemals wieder hatte der Entwurf eines Wohnungsbaus für einen Architekten eine solch hohe, weil gesellschaftlich relevante Attraktivität. Sie hatten weder die Musealisierung noch die Kapitalisierung im Blick – sondern den Menschen“.

Christian Welzbacher beschreibt diese gesellschaftspolitische Großtat außerordentlich spannend und verständlich und auf den wenigen Seiten erstaunlich umfassend.

Zu empfehlen sei von Christian Welzbacher darüber hinaus:
Monumente der Macht. Eine politische Architekturgeschichte Deutschlands 1920–1960. Welzbacher, Christian. 240 S., zahlr. sw. Abb. 25 x 18 cm. Gb. Parthas Verlag, Berlin 2016. EUR 29,90 CHF 43,50 ISBN 978-3-86964-106-5

24.06.2016
Gabriele Klempert
Das Neue Frankfurt. Planen und Bauen für die Metropole der Moderne 1920 bis 1933. Welzbacher, Christian. 96 S. 64 meist fb. Abb. 20 x 12 cm. Engl. Br. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2016. EUR 8,00.
ISBN 978-3-422-02426-7
 
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