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Ernst Ludwig Kirchner in den Kunstsammlungen Chemnitz

Dank großzügiger Leihgaben und Schenkungen aus Privatbesitz sowie der Stiftung Dr. Alfred Gunzenhauser sind die Kunstsammlungen Chemnitz im Besitz zahlreicher Werke des bedeutenden Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner (1880 – 1938).

Das Besondere an der Chemnitzer Sammlung ist, dass ihre 76 Werke, darunter Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken aus den Jahren von 1904 bis 1929, Ernst Ludwig Kirchners künstlerische Entwicklungsphasen von den ersten Holzschnitten über die gemeinsame Zeit der Künstlergruppe »Brücke« in Dresden und Berlin sichtbar werden lassen. Im Juni 1905 gründete Kirchner zusammen mit seinen Malerfreunden Karl-Schmitt-Rottluff, Erich Heckel und Fritz Bleyl diese Künstlergemeinschaft, die sich als kritische Jugend-, Protest- und Reformbewegung verstand. Gemeinsam unternahmen die Freunde zahlreiche Sommerausflüge, wo man in ursprünglicher Natur das Erleben der freien Körperkultur ins Bild setzte.
Während seines Aufenthaltes in Berlin entdeckte Kirchner die Faszination städtischen Lebens, die er als ehemaliger Architekturstudent besonders als architektonische Stadtlandschaften umsetzte. Doch 1915 hatte die Freiheit ein Ende, Kirchner meldete sich freiwillig zum Militärdienst, was ihn bald darauf aufgrund traumatischer Erfahrungen zum Alkohol- und Tablettenmissbrauch führte. Die von Zweifel und Krankheit geprägten Jahre während des Ersten Weltkrieges und der Tod seines Freundes Hugo Biallowon stürzten ihn in eine tiefe Krise, die sich in dieser Zeit auch in seinen Gemälden wiederfindet. Nach einigen Aufenthalten in psychotherapeutischen Kliniken zieht sich Kirchner in die Einsamkeit der Schweizer Berge zurück, wo er sich den täglichen Abläufen der örtlichen Bewohner widmet und neue Impulse für sein Werk gewinnt.
Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten beginnt eine Diffamierung seiner Arbeiten, die Kirchner, ebenso wie die Zerstörung der „ersten freien deutschen Kunst“ seiner Künstlerkollegen, nicht erträgt und seinem Leben am 15. Juni 1938 ein Ende setzt.

In eindrucksvoller Weise lässt sich die Entwicklung und Prägung des künstlerischen Œuvres dieses begnadeten Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner anhand dieser Sammlung nachvollziehen.
Eine ausführliche Beschreibung der Werke Kirchners in den Kunstsammlungen Chemnitz, ebenso wie eine Liste der verschollenen Bilder sowie eine Biografie runden den Katalog ab.

07.10. 2016
Gabriele Klempert
Ernst Ludwig Kirchner in den Kunstsammlungen Chemnitz. Hrsg.: Mössinger, Ingrid; Richter, Anja. 136 S. 108 meist fb. Abb. 30 x 24 cm. Gb. Sandstein Kommunikation, Dresden 2015. EUR 28,00. CHF 38,50
ISBN 978-3-95498-155-7
 
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