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Cantastorie

Unwillkürlich denkt man beim ersten Betrachten dieses Bildbandes an die bunten, vielgestaltigen textlosen Bilderbücher, die kleine und große "Leser" zum Erzählen und zum Phantasieren anregen.
Cantastorie heißen in Italien die Bänkelsänger und ihre gesungenen Geschichten, die aus der klassischen italienischen Literatur und Kunst bekannte "Geschichten von Odysseus, Karl dem Großen und den Sarazenen, dem verliebten und dem rasenden Roland oder berühmten Banditen in endlosen Episoden wieder und wieder erzählten und sie dabei in immer neue Episoden kleideten."
Großformatige aufrollbare oder zusammenfaltbare bunte Bilder illustrierten diese gesungenen Geschichten; Bilder, die als Bühnenersatz dienten, realistisch-phantastisch, volkstümlich und in „einer paraphrasierenden Vereinnahmung der überlieferten Historie und der historischen Stoffe" farben- und formenreich in Tempera auf Papier, oft auf Packpapier oder auf Pappe gemalt.
Zehn solcher gemalten Geschichten sind hier abgebildet. Statt erläuternder Bildunterschriften sind ihnen jeweils knappe Informationen zu Inhalten, Entstehung und Bedeutung der Erzählungen vorangestellt, gedruckt auf auffallend roten Seiten - sozusagen als Ersatz für den Sänger. Die 150 Cantastorie-Plakate des vorliegenden Bandes entstanden zwischen 1900 und 1948 in den Werkstätten zweier Familien. süditalienischer Puppenspieler und fahrender Sänger und gehören zur Sammlung| des Museums Würth in Künzelsau, wo sie zurzeit in einer Ausstellung gezeigt werden (bis21. Mai 2017). Der attraktive, liebevoll gestaltete Bildband im angepassten Querformat gibt diese gemalten Szenarien in ihrer üppigen Farben- und Formenvielfalt hervorragend wieder. In vier einleitenden Kapiteln führen Museums- und Theaterfachleute sowie eine italienische Musikerin, deren Biographien im Anhang angegeben sind, anschaulich und informativ in die Rolle und Aufgabe des Bänkelsängers, in die musikalischen Aspekte der süditalienischen Volkstraditionen der Cantastorie bis heute, in die Bilder als Kunstgattung, in die Arbeit der beiden Puppenspielerfamilien und in die Eigenart und Besonderheit ihrer Puppen und Bilder sowie deren Symbolik ein. – Ein faszinierendes Bilderbuch für Erwachsene, die Geschichten lieben.

12.12.2016
Christa Chatrath
Cantastorie der Puppenspielerfamilien Maldera und Parisi in der Sammlung Würth. Beitr.: Heike Gfrereis, Etta Scollo, Florian Reichert, Martin Dumke. 152 S., 32 x 24 cm. Gb. Swiridoff Verlag, Künzelsau 2016. EUR 24,00
ISBN 978-3-89929-339-5   [Swiridoff]
 
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