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Kloster Lüne

Der 1991 in der weithin bekannten Reihe „Die Blauen Bücher“ erschienene Kunstführer durch das Benediktinerinnen-Kloster Lüne bei Lüneburg von Angela Lorenz-Weber ist von 48 auf 64 Seiten erweitert neu herausgekommen. Ein ganz anderer Text des Kunsthistorikers und Göttinger Museumsdirektors i. R. Dr. Jens-Uwe Brinkmann in Lüneburg mit etlichen neuen Bildern von Jutta Brüdern in Braunschweig, ergänzt durch Rotraut Kahle in Lüneburg, vermittelt einen kunsthistorischen Hochgenuss, aber vor allem die unvergleichliche Atmosphäre dieses bis heute lebendig gebliebenen frühen Kulturzentrums nahe dem Lüneburgischen St. Michaeliskloster am Kalkberg und der alten Salz- und Hansestadt an der Ilmenau.
Besonders die zahlreichen Farbfotos erhöhen den Reiz der wissenschaftlich fundierten, übersichtlich gegliederten und gut verständlichen Ausführungen zur Geschichte des weitgehend erhaltenen Klosterbaus seit 1373, zu seinem Außenbereich, zum Siechen- und Kornhaus, dem Klosterhof, zur Brunnenhalle, zum Winter- und Sommer-Remter, zu den restaurierten Wandmalereien, zum Schenkschieven-Wappen-Schrank von 1613, zum Küchenraum, zu den vier Kreuzgängen, zum Kapitelsaal, zur Barbarakapelle mit Äbtissinnengruft und vielem mehr.
Die Klosterkirche wird mit ihrer Backstein-Architektur und ungewöhnlich kostbaren Ausstattung im Einzelnen vorgestellt, der obere Nonnenchor mit seinen Kunstschätzen besonders gewürdigt. Die anschaulich beschriebenen und abgebildeten Schlafhäuser und Zellen seit 1420 gehören zu den viel bestaunten Attraktionen.
Dem Textilmuseum von 1995 mit seinen mittelalterlichen Kunst-Stickereien und farbenfrohen Symbol-Teppichen ist ein lehrreicher Extra-Abschnitt gewidmet.
Ein nach Autoren geordnetes und modernisiertes Literaturverzeichnis, eine Zeittafel zur Baugeschichte, ein Glossar für Fachbegriffe und ein farbiger Lageplan beschließen die preisgünstige Schrift. Der Einband zeigt vorn den Bronze-Laufbrunnen von 1400 in der Eingangshalle, hinten den inneren Nonnen-Friedhof von 1422 mit nördlichem Kreuzgang und der Kirche von Südosten.
Der Leser erfährt die für Norddeutschland einmalige Klosteranlage als eine Entwicklung durch die Jahrhunderte. Die Spuren der Reformation von 1529 mit dem Ersatz des Propstes durch weltliche Amtsjuristen als Verwalter und Richter des Landesherrn sowie durch evangelische Prediger wird mit den prunkvollen Epitaphien der Beamten Roefsack und Breyhan von 1590 und 1723 wie des Superintendenten Scharf von 1703 in der Kirche verdeutlicht (S. 42-43). Die von dort später in die Kreuzgänge verlegten großen Grabplatten galten ebenfalls protestantischen Verwaltern des Klostervermögens (s. Sarnighausen: Gräber für Amtsjuristen in Kloster Lüne, in: Damals, 4. Heimatbuch für den Landkreis Lüneburg, Husum 2001, S. 190-204; ders.: Ein alter Lageplan des Klosters und Amtes Lüne, in: Entwicklungen, 6. Heimatbuch für den Landkreis Lüneburg, Husum 2008, S. 22-31).
Nicht nur für Besucher des Klosters von fern und nah, sondern für jeden kunst-, kirchen- oder heimatgeschichtlich Interessierten ist diese bibliophile Kostbarkeit wärmstens zu empfehlen.
6.10.2009
Hans-Cord Sarnighausen
Jesn-Uwe Brinkmann: Kloster Lüne. [Lüneburg] Ill. v. Brüdern, Jutta. 64 S. 81 meist fb. Abb. 24 x 17 cm. (Blauen Bücher ) Pb Langewiesche, Königstein 2009. EUR 6,90
ISBN 978-3-7845-0829-0   [Langewiesche - Königstein]
 
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