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Heavenly Himalayas

Seit seiner Öffnung für den Tourismus vor knapp 40 Jahren zieht Ladakh, die Himalayaregion im Osten des indischen Bundesstaates Jammu und Kashmir, Besucher magnetisch an, zumal Kaschmir, das "Paradies auf Erden", aufgrund der Unruhen in den letzten Jahrzehnten erheblich an Anziehungskraft eingebüßt hat.
"Am Schnittpunkt uralter Karawanenwege und Pilgerpfade nach Kaschmir, Indien und Tibet, an den Oxus und zur Seidenstraße gelegen, heimgesucht von beutegierigen Eroberern und früh erschlossen von Missionaren der indischen Hochreligionen, stellt sich Ladakh als ein Land von außerordentlicher ethnologischer und kultur- wie religionsgeschichtlicher Mannigfaltigkeit dar" (Anneliese u. Peter Keilhauer, 1980). Beredte Zeugen sind die zahlreichen, insbesondere im Industal gelegenen buddhistischen Klöster und Tempelanlagen, zu denen der Tempel-Komplex von Mangyu gehört, über den bisher keine Monographie vorlag. Nach ihrer ersten Erwähnung durch den deutschen Tibetologen August Hermann Francke vor 100 Jahren war die Tempelanlage von Mangyu, in einem südlichen Seitental des Indus in der Nähe von Alchi gelegen, weitgehend in Vergessenheit geraten und ist heute den wenigsten Reisenden bekannt. Dabei zeichnet sich dieses Heiligtum durch bemerkenswerte Wand- und Deckenmalereien und kostbare Skulpturen im Kaschmirstil aus, den Stil, der seit dem 11. Jh. in Tibet und seinen Nachbarländern charakteristisch ist.
Der Photograph Peter van Harn, ein gründlicher Kenner der Himalayaregion Spezialist für die frühe tibetische Kulturgeschichte und Autor mehrerer Bücher zum Thema, stellt den gesamten, von Mönchen der von Kaschmir geprägten Kadampaschule im 11. oder 12. Jh. gegründeten Tempelkomplex, einem Rundgang entsprechend in Bild und Wort vor:
den Eingangschörten links, die beiden dem gekrönten Buddha Vairocana geweihten Haupttempel, ihre beiden sie flankierenden, jeweils einem Maitreya, dem Buddha der Zukunft, geweihten Türme und den etwas abseits rechts liegenden Chörten. Van Harn geht es um die einzigartigen Wandmalereien, die u.a. durch Witterungseinflüsse und unsachgemäße Behandlung über Jahrhunderte zum Teil schwere Schäden erlitten haben und (noch?) nicht restauriert worden sind. Diese Kunstschätze vor dem Vergessen und damit vor dem Verfall zu bewahren, ist Harns Anliegen. Mehr als 150 hervorragende, meist ganzseitige Farbtafeln, Detail- und Nahaufnahmen zeigen die Wand-und Deckenmalereien und dokumentieren ihren Erhaltungszustand. Mit der Kamera wandert van Harn der Reihe nach durch die einzelnen Räume der 6 Bauwerke, denen jeweils ein ausführliches Kapitel gewidmet ist. Einzelaspekte wie die Inschriften oder die Datierung des Mangyu-Stils werden von verschiedenen Fachleuten behandelt. Ein Kapitel über die Entwicklung des Lamaismus und seiner Klöster im Industal Ladakhs ist zur Einführung vorangestellt.

Mit Grundrisszeichnungen, Landkarte, ausführlichen Anmerkungen und umfangreichen Literaturangaben ist dieser faszinierende Bild-Text-Band vorbildlich ausgestattet und dürfte nicht nur für weitere Forschungsarbeiten von Nutzen sein, sondern für jeden am tibetischen Buddhismus und seiner Kunst Interessierten, nicht zuletzt für Reisen ein Gewinn und (hoffentlich!) -wie beabsichtigt - ein Anstoß zur Erhaltung dieser Baudenkmäler.
Christa Chatrath
Peter van Ham. Heavenly Himalayas. The Murals of Mangyu and Other Discoveries in Ladakh. Englisch. 176 S., 189 fb. Abb., 14 Zeichnungen. 1 Karte. 30 x 24 cm, Gb. Prestel Verlag, München 2010. EUR 59,00 CHF 96,00
ISBN 978-3-7913-4543-7
 
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