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Romanische Kunst im Burgund

Frankreich ist immer noch eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen und Burgund ein Mekka nicht nur für Wein- sondern auch für Kunstkenner. Was liegt da für einen französischen Verlag näher, als diese Klientel mit Übersetzungen von Kunstführern zu bedienen, die bereits in der Landessprache erschienen sind. Nach einer kurzen Einführung zur Geschichte Burgunds beschreibt Denis Grivot, seit über 40 Jahren Geistlicher an der Kathedrale von Autun, die ausnahmslos zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert entstandenen Kirchen, nach Regionen geordnet. Diese sehr kurzen Beschreibungen zeichnen sich durch einen ungewöhnlich persönlichen Stil aus, der mehr dem subjektiven Empfinden und der Wertung der Objekte verpflichtet ist, als den kunstgeschichtlichen Details. Dennoch gelingt es dem Autor gelegentlich, neue Fragen aufzuwerfen, aber wesentliche Zusammenhänge architektonischer und kunstgeschichtlicher Natur finden entweder keine oder eine zu beiläufige Erwähnung, was bei der Fülle von fast 100 Kirchen auf gerade mal 63 Seiten auch kaum zu erwarten ist. Wer eine Abhandlung über die Ursprünge und die Entwicklungsstufen des Gewölbebaues oder die Eigenheiten cluniazensischer oder zisterziensischer Baukunst erwartet, sollte sich daher an anderer Stelle informieren.
Der insgesamt schlampigen Übersetzung traut man nicht so recht, dass sie die Gedanken des Autors richtig wiedergibt. Wenn von „schnippigen Löwen“ oder einer „reinlichen Kirche“ die Rede ist, wird offenbar, dass kein mit dem deutschen Fachvokabular Vertrauter sich dieses Buches annahm. Unfreiwillig komisch wird der Text, wenn es heißt, daß „man sich auf die wunderbare Stimmung vorbereiten soll, die sich beim Eintreten ins Kircheninnere seiner entmannt“.
Dem Fotografen Hervé Champollion darf man dagegen ein Kompliment für seine Aufnahmen machen. Das gilt auch für Details, wie Kapitelle, Portale oder Fresken. Die Bilder machen Lust auf neue Entdeckungen abseits ausgetretener Touristenpfade. Namen wie Chapaize, Curgy, Perrecy-les-Forges, Gourdon, Iguerande oder Bois-Sainte-Marie sind auch Insidern weniger geläufig, lassen aber vielleicht eher die Wesensart der burgundischen Romanik erahnen als die berühmten Bauwerke von Tournus, Autun, Fontenay, Paray-le–Monial oder Vézelay, die das Gerüst jeder geführten Burgundreise bilden. Eine Karte hilft beim Auffinden der portraitierten Kirchen, und wer sich weder von der ungewohnten Diktion noch vom Fehlerteufel abschrecken läßt, sondern sich lieber sein eigenes Urteil bildet, dem sei dieses Büchlein trotz der beschriebenen Mängel als optischer Wegweiser und Appetitmacher empfohlen.
Stefan Huppertz-Wild
Grivot, Denis: Romanische Kunst im Burgund. Ill. v. Champollion, Hervé. Hrsg.: Editions Ouest-France. Aus d. Franz. v. Creusevault, Barbara. 05/2001. 64 S., 83 Abb., 2 Ktn - 25,8 x 19,4 cm. 298g. (Referenzen ) Br DM 26,80
ISBN 3-88571-267-9
 
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