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Rom von oben. Stadtgestaltung von der Antike bis zur Gegenwart

Fotografien aus hubschrauberschräger Vogelperspektive auf die Tibermündung/ Ostia, römische Vororte, Gärten, Stadtlandschaften, Straßenzüge, in ausgehöhlte antike Bauten und auf Dachlandschaften von heute, Sujet für ein eigenes Fotobuch. Fotografien, eingebettet in sieben Zeitsegmente von der Antike bis heute, korrespondierend mit Experten-Abhandlungen zur historischen, stadtplanerischen und architekturgeschichtlichen Entwicklung dieser Stadt. Stadtgeschichte, chronologisch, als Leitfaden für 2300 Jahre Architekturgeschichte, von den vorchristlichen Foren bis zu Robert Meiers nicht unumstrittenem Museo dell`Ara Pacis (2006). Dazwischen das Rom eines langen Mittelalters, päpstlich-repräsentativer Renaissancearchitektur, architektonische Bühne für die Gegenreformation, und im nach 1870 national geeinten Italien für den eklektizistischen Solitär des Nationaldenkmals Viktor Emmanuel II. (1885-1927). Schließlich Mussolinis Rom, hier weder unkritisch noch distanzierend als architektonischer Bruch verstanden, so eine Herausforderung für manch deutschen Architekturhistoriker. Das antike Rom südländisch präsentiert, im etwas umweg- und wortreichem Parforceritt durch die antike Literatur, das noch heute renaissancegeprägte Rom faktenübersättigt in trocken-professoraler deutscher Kunsthistoriker-Prosa. Zwei Pole zwischen eingängigeren Texten in denen sich, inhaltlich dicht, Details einsichtig zu architekturgeschichtlichen Strängen und Strukturen formieren.

Doch dieses Buch wird wegen seiner schönen Fotografien gekauft werden. Die, hier durch die Fokussierung omnipräsenter Bildbearbeitungsprogramme auf Architektonisches, immer wieder einmal eine leicht geschönte römische Realität wiedergeben. Doch davon läßt sich absehen, zeigen sich doch aus der Frontalperspektive vertraute Bauten wie die Pantheon-Kuppel aus dem Vogelperspektiven-Blick als faszinierend unvertraut. Stadtlandschaften wie der Palatin mit dem Circus Maximus lassen die Stadt zum visuellen Sezierobjekt werden, herausgeschnitten auch aus dem gewohnten Frontalblick. So geraten viele Fotografien zum Puzzle, Bilderrätsel, zur Herausforderung an individuelle Erinnerung: Das mauerbewehrte Rund des Amphitheatrum Castrense verbirgt nun nicht mehr länger den gepflegten Konventgarden von Santa Groce di Gherusalemme, das sonntäglich beobachtete bourgeoise Restauranttreiben arrondiert den präsentierten Vogelperspektive-Blick im Park von Mussolinis Villa Torlonia, der mit seiner Frontfassade so souverän-mächtig wirkende Lateran zeigt sich, wie viele andere Kirchen, in der nackten architektonischen Schmucklosigkeit seiner Rückseiten. Und wird nicht mit dem sich länglich ins Bild schlängelnden Passetto di Borgo die bisher nur unscharfe Vorstellung von diesem päpstlichen Fluchtweg zwischen Vatikan und Engelsburg fast physisch erfahrbar ?

In der Vorstellung der Römer konnten nur die Götter auf diese Stadt herabsehen. Wir sehen mit diesem Buch in sie hinein. Für Stadtplaner, Architektur- und Kunsthistoriker Pflichtlektüre, für Rom-Liebhaber Anregung zu einer neuen Sicht auf Altvertrautes der kaum widerstanden werden kann.

(Die italienische Originalausgabe, „Roma dell`alto. Forme della citta nella historia“, erschien 2013 bei Jaca Book in Mailand als Sonderband der Reihe „Patriomio artistico italiano“.)

21.02.2014
Wolfgang Schmidt, Berlin-Friedenau
Rom von oben. Stadtgestaltung von der Antike bis zur Gegenwart. Campitelli, Alberta; Cassanelli, Roberto; David, Massimiliano; Frommel, Christoph L.; Pardo, Vittorio Franchetti; Sauron, Gilles; Wiedmann, Gerhard. 176 fb. Abb., 33 x 24 cm. Gb. Schnell & Steiner, Regensburg 2013. EUR 79,00. CHF 99,50
ISBN 978-3-7954-2759-7   [Schnell & Steiner]
 
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