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From Samoa with Love?

Wer die Ausstellung „From Samoa with love? Samoa-Völkerschauen im Deutschen Kaiserreich. Eine Spurensuche“ in München nicht besuchen konnte, hat die Möglichkeit mit Hilfe dieses Katalogs viel über die Kultur und die Geschichte dieser in der Vergangenheit für Deutschland so wichtigen pazifischen Inseln zu erfahren. Denn wie aus dem Buch zu entnehmen ist, war Samoa „Deutschlands Perle im Pazifik“ (Siehe Peter Hempenstall, S. 27–45) 14 Jahre (1900–1914), in der die beiden so entfernten und verschiedenen Kulturregionen intensive Verknüpfungen kannten.

Samoa war für Deutschland nicht nur ein Handelspartner, sondern schaffte es auch die Faszination der Europäer in vielfältiger Weise zu beeinflussen. Die Autoren machen die Leser mit führenden Schlüsselfiguren dieses europäisch/deutsch-samoanischen Kulturkontaktes nämlich den Gebrüdern Friedrich und Carl Marquardt vertraut. Während Friedrich Marquardt für seine Tätigkeiten als Zollbeamter und Polizeichef im kulturellen Gedächtnis der Insel geblieben ist, wurde sein Bruder Carl Marquardt mit dem Buch „Die Tätowierung beider Geschlechter in Samoa“ (1899) sowie mit seinem „Ethnographica-Handel“ berühmt (Siehe H. Thode-Arora, S. 47–57). Spezifische samoanische zeremonielle Objekte wie Kawa-Schalen, Kawa-Becher, Tätowierinstrumente, Zierkämme, Ahnenfiguren, als auch wertvolle Rindenbaststoffe etc., gelangten in dieser Zeit in diverse deutsche Museen und Sammlungen und warten auch noch heute darauf in lehrreichen Ausstellungen (z. B. in München, Köln) betrachtet zu werden.

Die Völkerschauen-Veranstaltungen des 19. Jh. trugen zur Stärkung wirtschaftlicher, politischer sowie kultureller Kontakte zwischen Samoa und Deutschland bei. Bekanntheit hat beispielsweise die Völkerschau von 1900/1901 erlangt, auf der u.a. ein öffentliches Treffen mitsamt Geschenkeübergabe zwischen dem Häuptling Te’o Tuvale und dem deutschen Kaiser Wilhelm II. begangen wurde. Wo einige dieser Geschenke heutzutage zu sehen sind und welche rituelle Bedeutung ihnen innewohnt, erklären die Autoren in den Beiträgen des Katalogs ausführlich.

Werbeplakate, Postkarten, Karikaturen der Völkerschauen, als Beweis solcher Veranstaltungen schaffen es bis heute eine gewisse Faszination auf Betrachter auszuüben. Sie geben aber mit ihren Slogans wie: „Unsere neuen Landsleute“ (S. 120, 121), „Fürst Tamasese, Sohn des Königs von Samoa“ (S. 147), „Komm in meine Bretterbude in mein Paradies“ (S. 88), „Kein Rassenhaß bei Hagenbeck“ (S. 88), „Die Einverleibung Samoa’s“ (S. 188), ebenso einen Eindruck in die Denkweise dieser Zeit.
Neben dem Einfluss, den die fremden und entfernten Regionen freilich in Literatur und Fotografie hinterlassen haben, ist auch der auf die zeitgenössische Malerei und das Kunstschaffen im Allgemeinen zu verweisen. Als besonders eindrückliches Beispiel soll hier das sinnliche Porträt der Miss Fay- eine der vielen samoanischen Schönheiten, von Nathaniel Sichel (1896) genannt werden.

Der 215 Seiten Katalog ist mit einer hervorragenden Auswahl an Karten- und Bildmaterial ausgestattet und bietet dem interessierten Leser den idealen Einstieg in die Welt Samoas und somit auch eines Stückchens deutscher Kolonial- und Kulturgeschichte. Die Beiträge von Hilke Thode-Arora, Galumalemana A. Hunkin, Peter Hempenstall, Hermann Rumschöttel und Michel Tuffery bringen mit farbigen und schwarz-weißen bildlichen Quellen die Gesichter, die Ereignisse der Zeit und die aktuelle samoanische Kunst in besonderer Art und Weise näher. Weitere exzentrische Geschichten und historische Fakten, die Abenteuergeister erwecken, sind im Buch zu entdecken.

13.08.2014



Roxana-Elena Licuţă
From Samoa with Love? Samoa-Völkerschauen im Deutschen Kaiserreich – eine Spurensuche. Hrsg.: Thode-Arora, Hilke. 218 S. 162 z. T. fb. Abb. 27 x 21 cm. Gb. Hirmer Verlag, München 2014. EUR 39,90. CHF 51,90
ISBN 978-3-7774-2237-4
 
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