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Der Dom zu Schwerin

Der Schweriner Dom ist die Bischofskirche Mecklenburg-Vorpommerns und als solche historisch und typologisch von den großen Bürgerkirchen in Rostock und Stralsund deutlich unterschieden. Mit seinem großen Vorbild, der Marienkirche in Lübeck, teilt er Monumentalität und Strenge, die er auf ein dem Menschen sehr gemäßes Maß bringt: Jochweite, -breite und Raumhöhe stehen in einem Verhältnis von 1:2:4 zueinander. Mit einer Baugeschichte, die vom Gründungsdatum 1171, über den Baubeginn in der Mitte des 13. Jhs., bis zur Errichtung des Hauptturmes nach einem Entwurf von 1888 reicht, umfaßt die Geschichte dieses Bauwerks acht Jahrhunderte. Dabei bietet es, trotz Reduzierung und Purifizierung, ein stolzes Panorama sakraler Kunst, das vom Triumphkruzifix, über den spätgotischen Schreinaltar bis hin zu hochmittelalterlichen Freskenzyklen in Tauf- und Heiligblutkapelle reicht. Dass der Deutsche Kunstverlag gerade dieses sakrale Bauwerk, nach St. Nikolai in Kalkar, dem Dom in Magdeburg und der Burg Eltz, in das neue Programm seiner "Großen Kunstführer" aufnimmt, ist also durchaus gerechtfertigt. Bestimmend prägen sich die ganzseitigen Innenraum-Ansichten ein, in denen Jutta Brüdern alle möglichen Sicht- und Gehachsen des Bauwerks, wie auch dessen Wand- und Deckenstrukturen in ihrer Totalität erfaßt. Auch die schwer erkennbaren Fresken und Glasgemälde, zumal aus nazarenischer Zeit, werden eindrucksvoll ins Bild gesetzt. Diese den Betrachter in das Bauwerk hineinziehenden Großaufnahmen der renommierten Photographin (die einst unter Martin Gosebruch am Kunsthistorischen Institut in Braunschweig arbeitete) sind es, die diesen Kunstführer zu einem wirklich großen unter den kleinen, die freilich längst nicht mehr klein im Preis sind, machen. So wenn die ganze Seite ruhig von einem Bronzekruzifix Ernst Rietschels beherrscht wird, dessen karg weiß geschlemmter Backsteinhintergrund zwei Drittel der Bildfläche verschwenderisch einnimmt, auf dem sich einzig der Schatten des Kreuzes abzeichnet.
Der übersichtlich nach Objekten gegliederte Text des Denkmalpflegers Horst Ende scheut auch zeitgeschichtlich kontrovers Beurteiltes nicht, so die Nageltür zu Gunsten von Kriegsspenden 1914/18 oder den demontierten Hauptaltar von 1936 von Nils Graf Stenbock-Fermor, der zeitgenössisch wirkende Geistliche mit ins Bild setzt.

Jörg Deuter
Ende, Horst: Der Dom zu Schwerin. Fotos v. Brüdern, Jutta. 64 S., 48 meist fb. Abb. 24 x 16 cm. (Grosse DKV Kunstf. ), Deutscher Kunstverlag, München 2005. Pb EUR 12,80
ISBN 3-422-06519-9
 
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