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Reichert, Dr. Ludwig Verlag

 
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IV. Das Kollegiatstift Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle. MĂŒnchener Reihe (21); Die Deutschen Inschriften (110). Knorr, Walburga; Mayer, Werner. Die Inschriften der Stadt Regensburg. 2023. 314 S. 34 Tafeln, 100 fb. Abb. 27 x 19 cm. EUR 69,00. ISBN: 978-3-7520-0715-2 L, Reichert
Der Band ist der vierte Teil der Inschriftenedition der Stadt Regensburg. Nach den bereits erschienen BestÀnden der Minoritenkirche und des Domes widmet sich diese Publikation den Inschriften des Kollegiatstiftes Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle. Sie umfasst nicht nur die Kirche selbst sondern auch Objekte in den angrenzenden Kapellen, dem Kreuzgang, den unmittelbaren StiftsgebÀuden sowie der Pfarrkirche St. Kassian.
Das 875 von Ludwig dem Deutschen gegrĂŒndete und 1102 von Heinrich II. wiedererrichtete Kollegiatstift Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle ist eine der Ă€ltesten, bis heute bestehenden Institutionen der Stadt. Als zum Bistum Bamberg gehöriger Exklave kommt der Alten Kapelle eine Sondersstellung zu. Zu den Ă€ltesten Inschriften zĂ€hlen die Glocken auf dem Turm der Alten Kapelle, die eines der Ă€ltesten erhaltenen Glockenensembles Bayerns (1247) darstellen. Die Stiftskirche sowie der Kreuzgang beherbergen zahlreiche GrabdenkmĂ€ler der Kanoniker ab dem 15. Jahrhundert, darunter auch Werke namhafter BildhauerwerkstĂ€tten wie die der Roritzer. Daneben gibt es eine ganze Reihe an Inschriften des Totengedenkens fĂŒr Regensburger BĂŒrgerfamilien. Hierzu zĂ€hlen die Ă€ltesten im Original erhaltenen Artefakte noch aus dem 14. Jahrhundert. Besonders tritt die Familie der Zant hervor, die eine eigene Kapelle stiftete und durch zwei Bauinschriften belegt ist. Die lange Tradition als Bestattungsort spiegelt die reiche kopiale Überlieferung in einer von Elias Eppinger stammenden Abschriften des spĂ€ten 16. Jahrhunderts wider. Durch dieses Quellenwerk kann der ehemals umfangreiche Bestand an spĂ€tmittelalterlichen, heute nicht mehr erhaltenen Grabinschriften ab dem spĂ€ten 13. Jahrhundert rekonstruiert werden. Ein Tragaltar des 12. und ein Pedum des 16. Jahrhunderts bezeugen den ehemals großen im DreißigjĂ€hrigen Krieg verlorenen Kirchenschatz.
. Die Deutschen Inschriften (114); Göttinger Reihe (23). Kagerer, Katharina. Die Inschriften des Landkreises Nienburg/Weser. 2023. 570 S. 235 Abb., 48 fb. Abb. 27 x 19 cm. EUR 62,00. ISBN: 978-3-7520-0636-0 L, Reichert
Der Band wird in 372 Katalognummern Inschriften aus der Mittelweserregion vom 13. Jahrhundert bis zum Jahr 1650 prĂ€sentieren. Der bedeutendste Inschriftenstandort im Landkreis Nienburg ist das ehemalige Zisterzienserkloster Loccum. Etwa die HĂ€lfte der rund 100 Loccumer Inschriften, darunter zahlreiche GrabmĂ€ler, ist im Original erhalten, die ĂŒbrigen sind in Handschriften des 17. und 18. Jahrhunderts ĂŒberliefert und werden teilweise erstmals publiziert. Einen reichen Inschriftenbestand bietet außerdem Nienburg, frĂŒhere Residenzstadt der Grafschaft Hoya. Die ĂŒbrigen Inschriften, die sich auf die Klöster und Stifte in Schinna, Nendorf und BĂŒcken sowie auf die Dörfer und Flecken des Landkreises verteilen, geben Einblicke in die SelbstreprĂ€sentation von BĂŒrgern, Bauern und landsĂ€ssigem Niederadel.
Inklusive der BestĂ€nde des Landesmuseums Mainz ohne Provenienzangaben. Mainzer ArchĂ€ologische Schriften (18). Gorecki, Joachim. Die römischen MetallgefĂ€ĂŸe aus Mainz und Rheinhessen. 2023. 510 S. 1093 Abb., 3 fb. Abb. 29,2 x 20,5 cm. EUR 78,00. ISBN: 978-3-7520-0679-7 L, Reichert
Der 461 Nummern verzeichnende Katalog der römischen MetallgefĂ€ĂŸe aus Mainz und Rheinhessen gibt erstmals einen umfassenden gefĂ€ĂŸtoreutischen Überblick dieser bedeutenden Materialgruppe fĂŒr den Legionsstandort und die Provinzhauptstadt Mainz sowie deren Umland. SĂ€mtliche bekannten GefĂ€ĂŸe bzw. GefĂ€ĂŸfragmente aus Museen, Privatsammlungen und dem Bestand der LandesarchĂ€ologie werden in dem Band behandelt, auch solche, die nur noch als Literaturzitat ĂŒberliefert sind. Der weitaus grĂ¶ĂŸte Fundanteil stammt erwartungsgemĂ€ĂŸ aus dem Stadtgebiet von Mainz sowie aus dem Rhein, der mit seinem Verlauf die Siedlungsareale zum Teil begrenzt. Es ist zu berĂŒcksichtigen, dass hier die Fundverteilung auch die Grabungs- und Sammlungsgeschichte widerspiegelt. Soweit möglich, wurden die Objekte in rekonstruierender Form neu gezeichnet; Fotos belegen den eigentlichen Erhaltungszustand. FĂŒr fast die HĂ€lfte der GefĂ€ĂŸe liegen Metallanalysen vor. Der Katalog gliedert das Fundmaterial nach Metallart, funktionalen und typologischen Kriterien. AusfĂŒhrliche Angaben zum Forschungsstand sowie eingehende chronologische ErlĂ€uterungen zu den GefĂ€ĂŸtypen gehen ĂŒber einen rein beschreibenden Katalog hinaus und nehmen Teile der geplanten Auswertung bereits vorweg.
SiedlungsarchĂ€ologie im Alpenvorland XV. Die Pfahlbausiedlungen von Sipplingen-Osthafen am Bodensee 1. Befunde und dendrochronologische Untersuchungen. Matuschik, IrenĂ€us; MĂŒller, Adalbert; Billamboz, AndrĂ©; Nelle, Oliver; Ebersbach, Renate; Schlichtherle, Helmut. 2023. 516 S. 1 Tabellen, 133 fb. Abb., 21 sw Abb. 29,7 x 21 cm. 2 BĂ€nde. EUR 89,00. ISBN: 978-3-7520-0648-3 L, Reichert
Die Fundstelle „Sipplingen-Osthafen“ am Nordufer des Überlinger Sees gehört zu den bedeutendsten prĂ€historischen Seeufersiedlungen des Bodensees. Seit 2011 ist sie Teil des UNESCO-Welterbes „PrĂ€historische Pfahlbauten um die Alpen“.
Entdeckt wurde das prĂ€historische Siedlungsareal bereits im Jahre 1864. Durch eine Caissongrabung, die Prof. Dr. Hans Reinerth in den Jahren 1929–30 durchfĂŒhrte, wurde die Fundstelle schon frĂŒh bekannt. Reinerths Grabung in einem ausgepumpten Senkkasten war seinerzeit zwar eine Pionierleistung in der Entwicklung der Grabungsmethode, ließ aber aus heutigem Blickwinkel viele wissenschaftliche Fragen offen.
In den 1960er und 1970er Jahren wurden Teile des Siedlungsareals durch die Anlage eines Hafens zerstört. Dies gab 1978 den Anlass zu ersten taucharchĂ€ologischen Untersuchungen. In den folgenden drei Jahrzehnten gelang es durch systematische Sondagen, Bohrungen und OberflĂ€chenaufnahmen, die Reste von mindestens 21 Siedlungen aus der Zeit zwischen 3900–900 v. Chr. zu dokumentieren. Obwohl kaum großflĂ€chige Grabungen stattfanden, ergaben die gezielten, ĂŒber das ganze Siedlungsareal verteilten Schnitte, Bohrungen und systematischen OberflĂ€chenaufnahmen ein detailreiches Bild zur Siedlungsentwicklung ĂŒber 3000 Jahre. ArchĂ€obiologische, geoarchĂ€ologische und dendroökologische Untersuchungen ermöglichten dabei Einblicke in die Wirtschaftsweise, die Ressourcennutzung und den menschlichen Einfluss auf die Umwelt in der Siedlungskammer von Sipplingen im Lauf der Jahrtausende.
Im vorliegenden Band werden die Ergebnisse der Grabungen und der dendrochronologischen Analysen vorgelegt sowie die Schlussfolgerungen zur Besiedlungsgeschichte und zur Siedlungs- und Hausbauweise diskutiert. In zwei weiteren BĂ€nden folgen Funde und naturwissenschaftliche Untersuchungsergebnisse.
ArchĂ€ologie des Mittelalters in Baden-WĂŒrttemberg. Scholkmann, Barbara; Brenker, Fabian. 2023. 413 S. 65 sw Abb., 221 fb. Abb. 24 x 17 cm. EUR 24,95. ISBN: 978-3-7520-0729-9 L, Reichert
Seit ĂŒber 60 Jahren sind die im Boden erhaltenen Überreste aus dem Mittelalter ein Arbeits- und Forschungsfeld der archĂ€ologischen Denkmalpflege und der UniversitĂ€ten in Baden-WĂŒrttemberg. Die Ergebnisse der zahlreichen grĂ¶ĂŸeren und kleineren Ausgrabungen sind ebenso umfangreich wie die Erkenntnisse neu und bedeutend: Ă€lteste Zeugnisse christlicher Architektur, mĂ€chtige Klöster oder die Entwicklung der Pfalzen und StĂ€dte waren ebenso Gegenstand archĂ€ologischer Forschung wie Skelette und SpeiseabfĂ€lle mit vielen Informationen ĂŒber ErnĂ€hrung, Wirtschaftsweise und Glaubenswelt der damaligen Bevölkerung. Neu entdeckte Mauern, Gruben und Funde ermöglichten Einblicke in den Alltag in Stadt und Land. Sie zeugen auch von MĂŒhen ebenso wie genialen Erfindungen in Bergbau, Schifffahrt und Handwerk.
Barbara Scholkmann und Fabian Brenker legen in diesem Buch erstmals eine zusammenfassende Bilanz vieler durch die Grabungen neu gewonnenen Einsichten in die Welt des Mittelalters vor. Dazu gehören die lĂ€ndlichen Siedlungen mit Haus, Hof, Feld und Weide ebenso wie die Pfalzen und Königshöfe als Aufenthaltsorte der Herrscher, z.B. Rottweil. Ein umfangreiches Kapitel widmet sich der StadtarchĂ€ologie mit Ergebnissen unter anderem zu Ulm, der einzigen mittelalterlichen Großstadt im SĂŒdwesten, zur zĂ€hringischen GrĂŒndungsstadt Freiburg, der Bischofsstadt Konstanz und nicht zuletzt der Landeshauptstadt Stuttgart. Die archĂ€ologische Erforschung von Burgen ergab interessante Ergebnisse in die Entwicklung adeliger ReprĂ€sentation und HerrschaftsausĂŒbung. Die Bilanz zur SakralarchĂ€ologie umfasst Kirchen, Klöster und Stifte; Friedhöfe und Kirchenbestattungen wurden im Rahmen einer ArchĂ€ologie des Todes untersucht. Daneben werden auch die archĂ€ologisch erforschten Zeugnisse mittelalterlichen jĂŒdischen Lebens zusammengestellt. Zu Handwerk und gewerblicher Produktion können umfangreiche neue Entdeckungen beschrieben werden. Dazu kommen Ergebnisse zum Handel und Verkehr zu Wasser und zu Lande. Ganz besonders vielfĂ€ltig ist schließlich das Spektrum an neuem Wissen zur materiellen Kultur, der Vielzahl der AlltagsgegenstĂ€nde, ihrem praktischen Nutzen wie ihrer gesellschaftlichen Bedeutung. Vorangestellt ist ein umfassender Überblick ĂŒber die Forschungsgeschichte der ArchĂ€ologie des Mittelalters in Baden-WĂŒrttemberg, eine wertende Stellungname zu den bisher vorliegenden Erkenntnissen bildet den Abschluss.
Insgesamt liegt mit diesem Werk eine umfassende Bilanz der bisherigen archĂ€ologischen Erforschung des Mittelalters in Baden-WĂŒrttemberg vor, die nicht nur fĂŒr die mediĂ€vistischen Nachbardisziplinen eine sehr gut aufbereitete Information ĂŒber den aktuellen Forschungsstand bietet, sondern auch eine wichtige Basis fĂŒr kĂŒnftige ForschungsansĂ€tze, Schwerpunktsetzungen und Bewertungen im Fach selbst bietet.
Das NeuenbĂŒrger Erzrevier im Nordschwarzwald als Wirtschaftsraum wĂ€hrend der SpĂ€thallstatt- und FrĂŒhlatĂšnezeit. Gassmann, Guntram; Wieland, GĂŒnther; Schmitt, Felicitas. 2023. 168 S. 14 Tabellen, 1 Beilage, 24 sw Abb., 105 fb. Abb. 29,7 x 21 cm. EUR 39,00. ISBN: 978-3-7520-0650-6 L, Reichert
In den Jahren 2004 bis 2011 wurden in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt umfangreiche Relikte einer keltischen Eisenproduktion des 6./5. Jhs. v. Chr. bei NeuenbĂŒrg im Nordschwarzwald archĂ€ologisch erforscht. Die außergewöhnlich gut erhaltenen VerhĂŒttungsplĂ€tze stellen ein einzigartiges montanarchĂ€ologisches Denkmal in Baden-WĂŒrttemberg dar und gehören zu den Ă€ltesten Nachweisen dieser Technologie nördlich der Alpen.
Nach der Entdeckung keltischer Siedlungsspuren auf dem NeuenbĂŒrger Schlossberg in den 1930er Jahren wurde ein Zusammenhang mit dem NeuenbĂŒrger Erzrevier vermutet, aber erst 1995/96 durch gezielte GelĂ€ndeforschungen nachgewiesen. Der tatsĂ€chliche Umfang konnte dann im Rahmen des DFG-Projekts erfasst werden.
Systematische Prospektionen in den WĂ€ldern um NeuenbĂŒrg erbrachten umfangreiche und zum Teil außergewöhnlich gut erhaltene Überreste der keltischen EisenerzverhĂŒttung in Form von Abfallhalden aus Rennofenschlacken und Ofenbauteilen. Mittlerweile sind ĂŒber 80 dieser Produktionsareale bekannt, sie liegen in einem ca. 5 x 6 km umfassenden Bereich sĂŒdlich und östlich der Höhensiedlung auf dem NeuenbĂŒrger Schlossberg. Anscheinend wurde hier ĂŒber einen relativ kurzen Zeitraum wĂ€hrend der spĂ€ten Hallstatt- und frĂŒhen LatĂšnezeit eine intensive und hoch spezialisierte Eisenproduktion betrieben. Ausgrabungen an bislang sechs VerhĂŒttungsplĂ€tzen belegen eine sehr einheitliche Organisation und Produktionsweise. Bei den Grabungen wurden immer wieder standardisierte Ensembles der metallurgischen Produktionskette angetroffen, welche Erzaufbereitung, VerhĂŒttung und erste Weiterverarbeitungsschritte der Stahlluppe umfassen. Mehrere Rennfeueröfen an jedem Platz lassen auf eine zentral organisierte, kontinuierliche und normierte Metallproduktion schließen. Die Erzaufbereitung erfolgte durch Rösten und anschließendes Zerkleinern auf Steinpodien mittels faustgroßer „Pochsteine“ und SchiebemĂŒhlen. Die in den Rennfeueröfen produzierten Stahlluppen wurden noch am VerhĂŒttungsplatz ausgeschmiedet, die weitere Verarbeitung fand dann wohl in den Siedlungen statt.
Die Kenntnis von Bergbau und ErzverhĂŒttung ist wahrscheinlich als Technologieimport ĂŒber die Kontakte der frĂŒhkeltischen Welt zum mediterranen Raum in den Nordschwarzwald gelangt und hat hier zur Herausbildung einer kurzfristigen ĂŒberregional bedeutenden Eisenproduktion im NeuenbĂŒrger Erzrevier gefĂŒhrt.
Band 2 Die altsabĂ€ischen und minĂ€aischen Inschriften. Mit einem Anhang: Unbeschriftete Objekte und FĂ€lschungen. Epigraphische Forschungen auf der Arabischen Halbinsel (10). Stein, Peter. Die altsĂŒdarabischen Minuskelinschriften auf HolzstĂ€bchen aus der Bayerischen Staatsbibliothek in MĂŒnchen. 2023. 644 S. 84 Tafeln, 262 Abb .29,7 x 21 cm. EUR 110,00. ISBN: 978-3-7520-0704-6 L, Reichert
Auch wenn das antike SĂŒdarabien zu den vergleichsweise gut dokumentierten Schriftkulturen des Alten Orients zĂ€hlt, beschrĂ€nkte sich die textliche Überlieferung lange Zeit auf sogenannte Monumentalinschriften – fĂŒr die öffentliche Zurschaustellung gemachte, formulargebundene Bau- und Weihinschriften, juristische Verlautbarungen und herrschaftliche Tatenberichte. Dokumentarische Texte aus dem Alltagsleben wie Wirtschaftsabrechnungen, signierte VertrĂ€ge oder Briefe kamen erst seit den 1970er Jahren ans Tageslicht. Diese Alltagskorrespondenz wurde in handliche HolzstĂ€bchen geritzt, wobei eine eigene, von der zeitgenössischen Monumentalschrift deutlich abweichende Kursivschrift entstand. Mehrere tausend solcher Aufzeichnungen sind heute bekannt, doch nur ein kleiner Teil davon ist publiziert, was nicht zuletzt mit Schwierigkeiten der Lesung und der neuartigen sprachlichen Gestalt dieser Texte zusammenhĂ€ngt. So wartet namentlich die Briefkorrespondenz mit zahlreichen bislang völlig unbekannten Wörtern, Syntagmen und stilistischen Ausdrucksweisen auf, die unser VerstĂ€ndnis der zugrundeliegenden Sprachen deutlich erweitern. Dies gilt insbesondere fĂŒr die noch immer nur rudimentĂ€r erschlossene minĂ€ische Grammatik, deren Kenntnis mithilfe der im vorliegenden Corpus umfangreich vertretenen Texte in dieser Sprache einen erheblichen Zugewinn erfĂ€hrt. Die ausfĂŒhrliche philologische Kommentierung sĂ€mtlicher Texte steht daher im Mittelpunkt der Edition.
Doch auch der inhaltliche Ertrag aus den vielfĂ€ltigen neuen Textgattungen ist immens. So erfahren wir beispielsweise Details ĂŒber Zinsregelungen bei Geldschulden, die DurchfĂŒhrung von Gerichtsverfahren oder rituelle Praktiken von Orakel und Magie – Sachverhalte, die in den zeitgenössischen Monumentalinschriften ĂŒberhaupt nicht zur Sprache kommen. Die zahlreichen Übungstexte, vom Alphabet bis zum vollstĂ€ndigen Urkundenformular, lassen RĂŒckschlĂŒsse auf die Verbreitung von LiteralitĂ€t sowie die Ausbildung des Schreibernachwuchses zu. Als zeitgenössische Dokumente bilden die beschrifteten HolzstĂ€bchen aus dem antiken Jemen eine wichtige PrimĂ€rquelle fĂŒr die Kultur- und Sozialgeschichte der Arabischen Halbinsel in vorislamischer Zeit.
Mit den hier veröffentlichten 180 Texten und Textfragmenten in sabĂ€ischer und minĂ€ischer Sprache sowie im amiritischen Dialekt, die etwa dem Zeitraum vom 9. bis zum 2. Jh. v. Chr. entstammen, wird die Edition der insgesamt 385 SchriftstĂŒcke umfassenden Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek in MĂŒnchen zum Abschluss gebracht. Es handelt sich dabei um das grĂ¶ĂŸte zusammenhĂ€ngend publizierte Corpus dieser Art. ErgĂ€nzend zu den altsĂŒdarabischen Schriftdokumenten wird in einem Anhang summarisch auch auf die im MĂŒnchner Sammlungsbestand befindlichen HolzgegenstĂ€nde und die nicht wenigen modernen FĂ€lschungen beschrifteter StĂ€bchen eingegangen. SĂ€mtliche behandelten Objekte sind in einem umfassenden Tafelteil illustriert. Der lexikalische und onomastische Ertrag der Texte wird durch detaillierte Verzeichnisse erschlossen.
2. Halbband 2022. ArchÀologischer Anzeiger. Hrsg.: Fless, Friederike; von Rummel, Philipp. ArchÀologischer Anzeiger. 2023. 396 S. 390 fb. Abb . 111 Abb .28 x 21 cm. EUR 40,00. ISBN: 978-3-7520-0727-5 L, Reichert
Im ArchĂ€ologischen Anzeiger werden KurzbeitrĂ€ge zu aktuellen Forschungen und Berichte ĂŒber Grabungsprojekte des DAI sowie von Fachkollegen weltweit publiziert. SchwerpunktmĂ€ĂŸig informiert die Zeitschrift ĂŒber Themen aus dem Mittelmeerraum von der Vorgeschichte bis in die SpĂ€tantike, durchaus aber auch ĂŒber Projekte außerhalb des Kernbereichs der Alten Welt.
Eine Neubewertung der Weihung anatomischer Votive in Latiums HeiligtĂŒmer. Menschen - Kulturen - Traditionen (20). Boecker, Velia. Kulte - Orte - Körperteile. 2023. 354 S. 80 fb. Abb . 13 Abb .29,7 x 21 cm. EUR 68,00. ISBN: 978-3-7520-0711-4 L, Reichert
Zu den interessantesten Funden aus den HeiligtĂŒmern des antiken Latium gehören aus Terrakotta gefertigte Nachbildungen von Körperteilen, die sich ins 4. bis 1. Jh. v. Chr. datieren lassen. Diese anatomischen Votive galten bisher als Indikatoren fĂŒr Heilkulte und als Bestandteile griechischer oder römischer Religion, die im Laufe der römischen Expansion in die HeiligtĂŒmer Latiums ĂŒbernommen wurden. Auf diese Körperteilweihungen und ihre Deutung wirft diese Monographie einen neuen, frischen Blick. Sie wertet die archĂ€ologischen Kontexte aus und analysiert mehr als 100 Fundorte mit insgesamt ĂŒber 15.000 anatomischen Votiven nicht nur quantitativ, sondern auch hinsichtlich ihrer Verbindung zu topographischen Merkmalen und der Anbindung an Straßen und Siedlungen. Auf dieser Grundlage lassen sich zwei Gruppen von StĂ€tten klassifizieren, die sich hinsichtlich ihrer Lage, der Zusammensetzung der Votivkomplexe, der adressierten Gottheiten und in geschlechtsspezifischer Hinsicht voneinander abgrenzen lassen. Beide Gruppen wurzeln vermutlich in Ă€lteren, regionalen Kulttraditionen und lassen mit Blick auf die Architektur der StĂ€tten oder hinsichtlich der adressierten Gottheiten keinen spezifischen Schwerpunkt als „Heilkult“ erkennen. Stattdessen zeigen die quantitative Analyse der Votivkomplexe und die Untersuchung der Vergesellschaftung der Körperteilweihungen mit anderen Votivgaben die anatomischen Votive als Medien, die in Situationen eingesetzt wurden, die mit Unsicherheit, Stress oder persönlichen Krisen verbunden waren. Sie dienten somit der StĂ€rkung der persönlichen Resilienz, indem sie diese Unsicherheiten und Ängste thematisierten, sichtbar machten oder ihre Überwindung symbolisierten. Damit sind anatomische Votive höchstwahrscheinlich nicht als Opfergaben mit einer statischen Bedeutung in einem festen kultischen Kontext zu verstehen, sondern vielmehr als multivalente Objekte in einem flexiblen Bezugsrahmen. Es ist davon auszugehen, dass die Bedeutung der Körperteilweihungen von ihren Stiftern und Stifterinnen individuell festgelegt wurde und je nach Kontext variieren konnte.
Die Kontextualisierung der Funde ermöglicht eine neue Sicht auf die StĂ€tten, die bislang als HeilkultstĂ€tten betrachtet wurden und erlaubt die Neu-Deutung der Körperteilweihungen als Zeugnis lokaler, eng vernetzter Gemeinschaften mit einem von autochthonen Traditionen beeinflussten Vorstellungshorizont. Damit lassen sie sich auch als Teil einer eigenstĂ€ndigen IdentitĂ€t innerhalb eines grĂ¶ĂŸeren Bezugsrahmens verstehen. Dieser Perspektivwechsel trĂ€gt zu neuen Einsichten in die Tradition und Thematik archĂ€ologischer StĂ€tten bei, die frĂŒher als HeilkultstĂ€tten betrachtet wurden.
Altkreis SchwÀbisch Hall und Limpurger Land. Heidelberger Reihe (20); Die Deutschen Inschriften (112). Drös, Harald. Die Inschriften des Landkreises SchwÀbisch Hall II. 2023. 2028 S. 295 Tafeln, 125 fb. Abb., 859 Abb. 27 x 19 cm. 3 BÀnde. EUR 220,00. ISBN: 978-3-7520-0680-3 L, Reichert
Die Inschriften der Stadt Meißen. Leipziger Reihe (8); Die Deutschen Inschriften (113). Neustadt, Cornelia; Riebel, Martin; Zinsmeyer, Sabine. Zusammen mit Ohst, Henning. 2023. 943 S. 99 Tafeln 229 Abb. 27 x 19 cm. 2 BĂ€nde. EUR 120,00. ISBN: 978-3-7520-0719-0 L, Reichert
Inschriften sind historische Quellen ersten Ranges. Die auf GrabdenkmĂ€lern, Glocken, Kelchen, Kanzeln, AltĂ€ren und an Hausfassaden „fĂŒr ewige Zeiten“ angebrachten Texte bieten eine wesentliche ErgĂ€nzung der handschriftlichen und gedruckten Überlieferung. Sie zeichnen sich durch ihre öffentliche Wirkung aus, die vielfach die Konzeption und AusfĂŒhrung der Texte bestimmt hat. Seit 1996 arbeitet die SĂ€chsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig zusammen mit fĂŒnf weiteren deutschen Wissenschaftsakademien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an einem Langfristvorhaben zur Erfassung und Bearbeitung der Inschriften des Mittelalters und der FrĂŒhen Neuzeit bis zum Jahr 1650. Die ErtrĂ€ge dieser Forschungen werden in der Reihe „Die Deutschen Inschriften“ (DI) publiziert, die mittlerweile ĂŒber 100 BĂ€nde umfasst, sechs davon sind bis Ende 2019 aus den beiden in Halle (Saale) und Dresden angesiedelten Forschungsstellen der Leipziger Akademie hervorgegangen. Die Edition gibt die oft schwer lesbaren Inschriften buchstabengetreu wieder, AbkĂŒrzungen werden aufgelöst, lateinische und niederdeutsche Texte ĂŒbersetzt. Publiziert werden nicht nur die im Original erhaltenen Inschriften, sondern auch solche, die nur noch aus Abschriften, Ă€lteren gedruckten Publikationen oder Fotografien bekannt sind. Knappe Beschreibungen der inschriftentragenden Objekte ergĂ€nzen die reine Textedition und vermitteln den zum VerstĂ€ndnis notwendigen Zusammenhang zwischen Text, Objekt und Standort. Jede Inschrift wird ausfĂŒhrlich kommentiert. Ziel ist es, die kulturhistorischen Informationen der Inschriften und ihrer TrĂ€ger zum einen fĂŒr die verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen (Philologien, Geschichte, Kunstgeschichte) auswertbar zu machen und neue Impulse fĂŒr die Forschung zu geben; zum anderen findet das Interesse regionalgeschichtlich interessierter Laien BerĂŒcksichtigung. Inschriften spiegeln vielfĂ€ltige kultur- und geistesgeschichtliche Prozesse. Dazu gehören beispielsweise die im Laufe der Jahrhunderte sich wandelnden Formen der Selbstdarstellung oder die VerĂ€nderung von Frömmigkeitspraktiken und -vorstellungen. In der gegenwĂ€rtigen Zeit ist die Erfassung der Inschriften noch aus einem anderen Grund besonders dringlich geworden: Die oft im Freien befindlichen DenkmĂ€ler aus Stein, Metall und Holz sind in starkem Maße schĂ€digenden UmwelteinflĂŒssen ausgesetzt. Paradoxerweise muss nun der vergĂ€ngliche Beschreibstoff Papier bewahren, was einst auf vermeintlich dauerhaften Materialien fĂŒr ewige Zeiten angebracht worden ist.
Die römische Kaiservilla Pausilypon. Gesamtanlage und Bauten des oberen Plateaus. DenkmÀler antiker Architektur (21). Busen, Tobias. Hrsg.: Piesker, Katja. 2023. 348 S. 97 Tafeln, 6 Beilagen, 710 Abb., 53 fb. Abb. 33,5 x 23,7 cm. EUR 119,00. ISBN: 978-3-7520-0705-3 L, Reichert
Plinius der Ältere berichtet in seiner Naturgeschichte von der Villa Pausilypum in Campanien, nicht weit von Neapel. Die Forschung ist sich einig, dass besagte Meeresvilla am Nordrand des Golfs von Neapel lag. Sie stellt eine der wenigen Anlagen ihrer Art dar, die ĂŒber mindestens eineinhalb Jahrhunderte eindeutig dem römischen Kaiserhaus zugeordnet werden kann. Auf einem HĂŒgelrĂŒcken oberhalb der felsigen SteilkĂŒste gelegen, finden sich dort, eingebettet in die umgebende Landschaft, unterschiedlichste Architekturen und Ensembles, unter denen diejenigen des oberen Plateaus hervorstechen: um einen runden Platz sind ein Theater, ein Odeion und weitere Sonderbauten arrangiert.
Seit den frĂŒhesten Ausgrabungen im Jahr 1841 wurden immer wieder einzelne Aspekte der Villa Pausilypon betrachtet. Mit diesem Band wird nicht nur ein verlĂ€sslicher Plan der Anlage vorgelegt, der sowohl die vorhandenen als auch die heute verlorenen archĂ€ologischen Reste einbezieht. Der Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der Bauten des oberen Plateaus. Hierbei bildet die detaillierte, verformungsgerechte Dokumentation der Reste die Grundlage fĂŒr Überlegungen hinsichtlich Planung, Entwurfs- und Bauprozessen, Umbauphasen und architektonischer Rekonstruktion. Im Anschluss wird die Gesamtanlage in den Blick genommen und auf unterschiedliche, fĂŒr die römische Villenarchitektur entscheidende Aspekte hin diskutiert. Interessant ist hierbei die Sonderrolle der Villa Pausilypon als Herrschersitz und die damit verbundenen architektonischen Lösungen hinsichtlich der Inszenierung des Ankommens und der inneren Erschließung, die in geschickter Weise die notwendigen Funktionen einer Residenz mit den Charakteristika der Otiumarchitektur verbindet.
Eine wirtschaftsarchĂ€ologische Studie zum kaiserzeitlichen SĂŒdetrurien. ArchĂ€ologische Forschungen (42). Pasieka, Paul P. Von BlĂŒten und Krisen. 2023. 330 S. 28 Tafeln, 33 Abb., 28 fb. Abb. 33,5 x 23,7 cm. EUR 112,00. ISBN: 978-3-7520-0664-3 L, Reichert
Im Zentrum des Buches steht einerseits eine wissenschaftsgeschichtliche Einordnung der theoretischen und methodischen Konstruktion der Struktur und Performanz der römischen Wirtschaft. Andererseits wurde daraus ein polythetisches IndikatorenbĂŒndel als methodische Grundlage fĂŒr die Auswertung archĂ€ologischer legacy data entwickelt, das beispielhaft am kaiserzeitlichen SĂŒdetrurien ein sowohl quantitativ als auch qualitativ umfassenderes Bild der rĂ€umlichen und diachronen Entwicklung der Wirtschaft zeichnet. Das Buch leistet darĂŒber hinaus einen Beitrag zu Fragen der ökonomischen Integration und Spezialisierung sowie zur Modellierung des ökonomischen Suburbiums der Stadt Rom.
Thisoa am Lykaion. Ergebnisse der Forschungen. Mattern, Torsten; Goester, Yvonne. 2023. 380 S. 130 Tafeln, 9 Farbtafeln, 726 Abb., 31 fb. Abb. 29,7 x 21 cm. EUR 118,00. ISBN: 978-3-95490-538-6 L, Reichert
In Arkadien, am Abhang des Lykaion-Gebirges und hoch ĂŒber dem Alpheios-Tal, liegt die antike Stadt Theisoa. Der befestigte Ort wurde nach dem Synoikismos von Megalopolis angelegt und erneut als frĂ€nkische Festung genutzt. In dem Band werden die archĂ€ologischen Baubefunde (Stadt- und Akropolismauern und -tore, HĂ€user, eine ionisch-dorische Stoa) und ihre Rekonstruktion sowie eine neu gefundene Theorodokie-Inschrift vorgelegt. AusfĂŒhrlich wird die antike und hochmittelalterliche Geschichte des Ortes, seine Lage und Aufgabe im Wegesystem zwischen Elis und Zentralarkadien sowie ihr archĂ€ologischer Kontext in der Region herausgearbeitet.
Antike Plastik. Band 32. Reinsberg, Carola; Fittschen, Klaus. Hrsg.: Kunze, Christian. 2023. 260 S. 100 fb. Abb. 176 sw.Abb.. 29 x 22 cm. EUR 68,00. ISBN: 978-3-7520-0673-5 L, Reichert
Die Reihe »Antike Plastik« ist dem Ziel gewidmet, herausragende Werke der griechischen und römischen Skulptur grundlegend zu publizieren und umfassend photographisch zu dokumentieren. In BeitrĂ€gen internationaler Wissenschaftler werden wichtige Neufunde antiker Plastik erstmals vorgelegt oder bereits bekannte StĂŒcke in verbesserter Dokumentation neu erschlossen. Der aktuelle Band 32 der Reihe »Antike Plastik« enthĂ€lt folgende BeitrĂ€ge: Carola Reinsberg, Der spĂ€tarchaische Polyxenasarkophag. – Klaus Fittschen, Der Commodus Malibu aus Castle Howard.
Carola Reinsberg behandelt in einer grundlegenden monographischen Untersuchung den Ă€ltesten griechischen Bildsarkophag. Er entstand um 500 v. Chr. intendiert als Grabmal fĂŒr ein junges MĂ€dchen. Der Relieffries zeigt Lebens- und Mythenbilder. Neben der Datierung und landschaftlichen Zuordnung steht die EntschlĂŒsselung und Gesamtinterpretation der Darstellungen im Zentrum. Der Sarkophag ist ein einzigartiges Zeugnis ionischer Bildhauerkunst im Spannungsfeld östlicher und westlicher Kulturen und erweitert unsere Kenntnisse ĂŒber die Kunst an der anatolischen WestkĂŒste entscheidend.
Klaus Fittschen beschĂ€ftigt sich mit der qualitativ herausragenden BĂŒste des Kaisers Commodus in Malibu, ehemals in Castle Howard, die hier erstmals umfassend publiziert wird. Der Beitrag enthĂ€lt zudem eine ausfĂŒhrliche Besprechung des Bildnistypus und aller erhaltenen Repliken. Jens Daehner untersucht im selben Beitrag die ungewöhnliche Sockelungstechnik der CommodusbĂŒste in Malibu.
A Journey on the Trail of Apostles, Martyrs and Local Saints. Reihe B: Studien und Perspektiven; SpĂ€tantike - FrĂŒhes Christentum - Byzanz (53). Cortese, Arabella. Cilicia as Sacred Landscape in Late Antiquity. 2022. 480 S. 43 Abb., 301 fb. Abb. 29,7 x 21 cm. EUR 198,00. ISBN: 978-3-7520-0637-7 L, Reichert
Cilicia as Sacred Landscape in Late Antiquity ist eine Entdeckungsreise durch die reiche religiöse Landschaft der kleinasiatischen Region Kilikien in der SpĂ€tantike mit ihren kontrastreichen und faszinierenden Naturlandschaften. BerĂŒhmte und wohlhabende StĂ€dte der Kilikia Pedias wie Tarsos oder Anazarbos nahmen Pilger aus den weiter entfernten Gebieten im Westen, die hĂ€ufig auf dem Weg nach Jerusalem waren und von den berĂŒhmten Geschichten ĂŒber kilikische Heilige und insbesondere den Apostel Paulus angezogen wurden. DarĂŒber hinaus beherbergten die rauen Berge, die den westlichen Teil Kilikiens (die sogenannte Isauria) prĂ€gten, KultstĂ€tten lokaler MĂ€rtyrer, die wie der heilige Konon manchmal auch international verehrt wurden. Das Gedenken an die heilige Thekla wurde in Kilikien besonders aufrechterhalten. Ihr Wallfahrtsort befand sich einige Kilometer sĂŒdlich der Stadt Seleukeia am Kalykadnos.
Das vorliegende Buch zielt darauf ab, alle archĂ€ologischen und architektonischen Zeugnisse (Baureste, Inschriften, Dekor, Mosaiken, MĂŒnzen) der Sakralbauten zu prĂŒfen, die die Heiligenverehrung an den verschiedenen Orten bezeugen, und sie, wo dies möglich ist, mit den hagiographischen Zeugnissen, die uns vor allem die Aufenthalts- und Todesorte der Heiligen verraten, zu verbinden. Besondere Aufmerksamkeit ist sowohl den geographischen Merkmalen der Region gewidmet, die den Bau religiöser Strukturen an bestimmten Orten stark beeinflussten und deren Form prĂ€gten, als auch der historischen Rolle der Orte. Zahlreiche Kirchen wurden ĂŒber frĂŒheren heidnischen Strukturen (Tempel, Thermen, Agora, Felsen- oder WasserheiligtĂŒmer) errichtet. Im Zentrum des Buches stehen die Raumplanung (Straßen, ZugĂ€nglichkeit, GebĂ€ude) der Martyria und der Wallfahrtsorte mit den damit verbundenen VerĂ€nderungen der Region, die Verehrung eines Heiligen, und die Organisation seiner PilgerstĂ€tten. Ferner wird danach gefragt wie bestehende Strukturen zur SakralitĂ€t eines Ortes beigetragen haben und eine KontinuitĂ€t mit der Vergangenheit boten und schließlich wie die besondere Beziehung zwischen SakralitĂ€t und Natur architektonisch inszeniert war.
Dieser Band konzentriert sich also auf den spĂ€tantiken Prozess der Schaffung sakraler RĂ€ume in einer marginalen, aber stark bereisten Region Kleinasiens. Durch die VerknĂŒpfung der architektonischen und archĂ€ologischen Analyse von christlichen Kirchenbauten und Martyrien mit literarischen Quellen, soll die sakrale Landschaft einer unterschĂ€tzten Region durch die Brille eines Pilgers rekonstruiert werden und einen Beitrag zum VerstĂ€ndnis des Pilgernetzwerks auf dem Weg nach Jerusalem leisten.
Die Inschriften der Stadt Landshut. Baltolu, Ramona; Goeth, Mirjam; Kohwagner-Nikolai, Tanja; Steininger, Christine. 2022. 828 S. 76 Tafeln, 176 Abb., 63 fb. Abb. 27 x 19 cm. EUR 110,00. ISBN: 978-3-7520-0657-5 L, Reichert
Der Band widmet sich den Inschriften der Stadt Landshut in ihren heutigen Gemeindegrenzen. Erfasst wurden alle Inschriften bis zum Jahr 1650. Durch die Lage an der Isar und den an ihrem östlichen Ufer hervortretenden Hofberg bot sich eine ideale Stelle fĂŒr eine stĂ€dtische Ansiedlung. 1204 lĂ€sst Herzog Ludwig I., der Kelheimer, eine BrĂŒcke bauen. Er wĂ€hlt den Ort als Herzogssitz. Der fĂŒrstliche Hof hinterließ seine Spuren auf der Burg Trausnitz und ab dem 16. Jahrhundert auch in der Stadtresidenz. Zeugnisse aus der Epoche der reichen Herzöge finden sich in der Burgkapelle St. Georg. Die Ausmalung der fĂŒrstlichen WohnrĂ€ume aus der Zeit Wilhelms V. ging beim Brand der Trausnitz verloren. Sie kann ĂŒber Ă€ltere Photographien rekonstruiert werden. Die Stadtresidenz – das Ă€lteste Renaissanceschloss nördlich der Alpen – wartet mit einer reichen Ausstattung aus der Zeit Ludwigs X. auf. Sie bietet ein umfangreiches Programm an Deckenmalereien. Kurios wirken die vielen Graffiti aus der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts, mit denen sich GĂ€ste oder Bewohner des Schlosses an den WĂ€nden verewigten.
Höfische AmtstrĂ€ger treten uns in ihren figĂŒrlich ausgearbeiteten GrabmĂ€lern in den Kirchen der Stadt heute noch entgegen. Zentrales Gotteshaus ist die erste Pfarrkirche St. Martin– seit 1595 Kollegiatsstiftskirche St. Martin und Kastulus – mit ihrem hohen Backsteinturm. St. Jodok beherrscht den Stadtteil der Freyung, wĂ€hrend die Heiliggeistkirche die Altstadt an der Isar begrenzt. In diesen kirchlichen Bauten befinden sich nicht nur zahlreiche GrabdenkmĂ€ler nicht nur des höfischen Adels und des Klerus, sondern auch des stĂ€dtischen BĂŒrgertums. Eine Besonderheit des Landshuter Inschriftenbestandes sind die umfangreichen Beschriftungen an gotischen Bauelementen und AusstattungsstĂŒcken, allen voran der Hochaltar in St. Martin und das Westportal von Heiliggeist mit ausfĂŒhrlichen religiösen Texten in deutscher Sprache deutlich vor Luther.
Geistliche Zentren bildeten auch Klöster. Bereits die Witwe Ludwigs des Kelheimers, Ludmilla grĂŒndete als Ort der Grablege die auf der anderen Isarseite gelegene Zisterzienserinnenabtei Seligenthal. Zum Bestand des Klosters zĂ€hlen die Ă€ltesten im Band bearbeiteten Objekte, darunter eine heute im Bayerischen Nationalmuseum aufbewahrte Mitra aus der Romanik. Das ehemals am Fuße des Burgbergs gelegene Franziskanerkloster fiel weitgehend der SĂ€kularisation zum Opfer. Von seiner Rolle als zentrale GrabstĂ€tte fĂŒr zahlreiche Familien der Stadt berichtet heute nur noch eine Abschrift aus dem 18. Jahrhundert, die Aufnahme in den Band fand.
Die Siedlungsstelle von Oberderdingen-Großvillars, Lkr. Karlsruhe. Epirössen und der Beginn der Michelsberger Kultur. Seidel, Ute. 2022. 392 S. 26 Tabellen, 22 Tafeln, 103 Abb., 46 fb. Abb. 29,7 x 21 cm. EUR 59,00. ISBN: 978-3-7520-0647-6 L, Reichert
Die zweite HÀlfte des 5. Jahrtausends v. Chr. ist eine Zeit des Wandels: Die jungneolithische Michelsberger Kultur löst die alt- und mittelneolithischen Traditionen ab, die weite Teile Mitteleuropas rund ein Jahrtausend lang geprÀgt hatten. Wie sich diese neue Kultur in den verschiedenen Regionen etablierte, ist seit langem Gegenstand der Diskussion.
Die vorliegende Publikation entstand im Rahmen des durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojektes „Untersuchungen zu den Siedlungsstrukturen der Michelsberger Kultur im Kraichgau“. Im Fokus standen offene Fragen, die fĂŒr den bereits zuvor untersuchten Neckarraum nicht zu beantworten waren, fĂŒr die jedoch die Fundstellen im Raum Karlsruhe geeignete Ansatzpunkte versprachen. Die wichtigsten Ziele waren, die vier jungenolithischen Erdwerke bei Bruchsal auszuwerten sowie die zahlreichen unbefestigten Michelsberger Fundstellen im Kraichgau siedlungsarchĂ€ologisch zu analysieren und auf dieser Grundlage neue Modelle zur siedlungs- und kulturgeschichtlichen Entwicklung am Beginn des Jungneolithikums zu entwickeln.
Die in den Jahren 2000 bis 2002 untersuchte Siedlungsstelle von Oberderdingen-Großvillars, Lkr. Karlsruhe, nimmt dabei eine SchlĂŒsselstellung ein. Sie bietet fĂŒr den Kraichgau erstmals die Voraussetzungen, eine lokale, flachbodige Bischheimer Gruppe zu umreißen, die nicht als VorgĂ€nger der Michelsberger Kultur gelten kann. Ihr folgt eine Besiedlung der Stufen II und III der Michelsberger Kultur. Die einzeln liegenden michelsberger Gruben bestĂ€tigen dabei das fĂŒr den Neckarraum gewonnene Bild kleiner, kurzzeitig belegter Siedlungen.
Über die Auswertung der Befunde und Funde hinaus umfasst der vorliegende Band eine Evaluation des aktuellen Kenntnisstands zur frĂŒhen Michelsberger Kultur und zu den ihr vorangehenden epirössener Gruppen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Interpretation der Keramikverzierungen, wobei das klassische Konzept geschlossener „Kulturgruppen“ zugunsten einer flexibleren Betrachtung von „Keramikstilen“ aufgegeben wird. Eine systematische Sammlung der verfĂŒgbaren C14-Daten bildet die Grundlage der chronologischen Einordnung. Daneben stehen GIS-gestĂŒtzte Analysen zum Siedlungswesen und der regionalen Verbreitung der Stilgruppen im Fokus.
Results of the excavations conducted by Princeton University, the University of Illinois, and the University of Virginia. Morgantina Studies (VII). Bell, Malcolm. The City Plan and Political Agora. 2022. 444 S. 11 Beilagen, 60 fb. Abb., 763 Abb. 31,5 x 24 cm. EUR 129,00. ISBN: 978-3-7520-0021-4 L, Reichert
Die 1955 begonnenen Ausgrabungen haben Morgantina zu einer der am besten bekannten antiken StĂ€dte Siziliens gemacht. Band VII der Reihe Morgantina Studies beschreibt sowohl den neuen Stadtplan aus dem fĂŒnften Jahrhundert v. Chr. als auch das öffentliche Zentrum oder die Agora der Stadt, wo zwischen der spĂ€tklassischen und der frĂŒhhellenistischen Periode (ca. 400-200 v. Chr.) zehn bedeutende GebĂ€ude errichtet wurden. Der ehrgeizige Stadtplan, der wahrscheinlich dem charismatischen einheimischen FĂŒhrer Douketios zu verdanken ist, spiegelt nachweislich die demokratischen Bewegungen des frĂŒhen Jahrhunderts v. Chr. wider. Der Plan zeichnet sich durch gleich große GrundstĂŒcke und eine ungewöhnlich große Agora fĂŒr politische Versammlungen aus.
Die Agora von Morgantina stand von Anfang an im Mittelpunkt der U.S.-amerikanischen Ausgrabungen. Die meisten GebĂ€ude gehören zu einem ehrgeizigen Programm, das ca. 250 v. Chr. beschlossen wurde, als die Stadt unter der Herrschaft des hellenistischen Syrakus stand. Dies war die Zeit von Archimedes, Theokritos und König Hieron II., deren wirtschaftliche und politische Reformen in Morgantina spĂŒrbar sind. Das Baukonzept schöpfte die großzĂŒgigen RaumverhĂ€ltnisse ganz aus. Das Ergebnis war eine szenografische Anordnung von Monumenten, die Sichtachsen und Höhenunterschiede nutzten, um ein visuell kohĂ€rentes Ganzes zu schaffen. Band VII der Studienreihe Morgantina prĂ€sentiert die materiellen Zeugnisse dieses bedeutenden hellenistischen Komplexes, bietet Rekonstruktionen in Form von PlĂ€nen und Zeichnungen und enthĂ€lt Kataloge der Objekte eines jeden Bauwerks. Politische Institutionen werden ebenso identifiziert wie ungewöhnliche GebĂ€udetypen und innovative Details.
Die Agora von Morgantina bietet nicht nur einen einzigartigen Einblick in die verlorene Stadtarchitektur des hellenistischen Syrakus, sondern dokumentiert auch die drastischen lokalen Folgen des Zweiten Punischen Krieges. Nachdem die Stadt 211 v. Chr. an Rom gefallen war, wurde sie entvölkert und einer Söldnerbande ĂŒberlassen. GebĂ€ude, die frĂŒher politische Institutionen beherbergt hatten, wurden nun grĂ¶ĂŸtenteils dem Handel und der Industrie ĂŒberlassen. Morgantina bietet somit dramatische und detaillierte Belege fĂŒr die traumatischen Auswirkungen des Übergangs von der syrakusanischen zur römischen Herrschaft auf eine sizilianische Stadt.
Das Buch richtet sich vornehmlich an Wissenschaftler*innen und Studierende von Architektur und StĂ€dtebau der Antike. Durch die Analyse der Beziehung zwischen Architektur und politischen Institutionen sowie die Dokumentation der spezifischen Folgen von Entvölkerung und Söldnerumsiedlung ist das Buch auch fĂŒr Historiker*innen von Interesse. Das Buch enthĂ€lt ferner eine Studie des leider verstorbenen, renommierten ArchĂ€ologen Sheldon Judson von der Princeton University zur Geologie des Ortes.
Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier 53/2021. Aus der Arbeit des Rheinischen Landesmuseums Trier. Rheinisches Landesmuseum Trier. 2022. 128 S. 28 Abb., 112 fb. Abb. 24 x 17 cm. EUR 12,80. ISBN: 978-3-7520-0678-0 L, Reichert
Götterkinder: Ein Streifzug durch die griechisch-römische Mythologie II – M(onsieur) Leo, MosellĂ€nder: Zu Amphorenstempeln aus MĂŒlheim-KĂ€rlich und Dieulouard – Papyri aus dem WĂŒstensand: Zur AusrĂŒstung römischer Wagenlenker in Trier und Oxyrhynchos – Blumen fĂŒr die Residenz: Ein Restaurierungsprojekt von Wandbildern aus den spĂ€tantiken Bauten in Trier – SpĂ€tantike und frĂŒhmittelalterliche Bestattungen aus Welschbillig, Kreis Trier-Saarburg – Carl Friedrich Quednows altertumskundliche Verbindungen mit Goethes Weimar und Jena – Exlibris des 20. Jahrhunderts in der Bibliothek des Rheinischen Landesmuseums Trier – Restaurierungen am Caldarium der Trierer Kaiserthermen – Augmented Reconstruction in den Trierer Barbarathermen – ECHO – Die Aura der Antike. Sonderausstellung mit Werken von Werner Kröner im Rheinischen Landesmuseum Trier.
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Stand: 04.10.2023 05:58 Uhr
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