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Der Koloss von Prora auf Rügen

Der Koloss von Prora auf Rügen - gestern - heute - morgen
Über vier Kilometer lang reihen sich am Rügener Ostseestrand die heute noch tristen Mauern des Seebades Prora, das einst, von den Nationalsozialisten erbaut, der "Volksgesundheit" dienen sollte, aber nie ganz fertiggestellt wurde (Architekt Clemens Klotz, Köln, 1886-1964).
Nach 1945 zunächst Steinbruch, zog in die verbliebenen und rasch fertiggestellten Gebäude sowjetisches Militär ein, gefolgt von dem der DDR. Nach der "Wende" übernahm das Bundesvermögensamt die Anlage. Seitdem fehlt ein Konzept für die nachhaltige Nutzung. 1996 wurde sie zwar unter Denkmalschutz gestellt, aber außer zwielichtigen «Investoren»-Engagements, die glücklicherweise nicht zum Zuge kamen, tat sich nichts. Der Verfall schreitet über all dort fort, wo die Gebäude nicht genutzt und erhalten werden, aber das werden sie z. Zt. nur zu 20%, und zwar von Privatinitiativen wie dem "One World Camp Prora Youth Hostel" und dem "Museum Prora".
Die Autoren Joachim Wernicke und Uwe Schwartz vom Museum Prora schildern detailreich und spannend zunächst die Geschichte der Insel und den Rügener Badebetrieb der Kaiserzeit, bevor sie das gigantische NS-Projekt Prora im einzelnen darlegen. Stück für Stück fördern die Autoren eine Sozialpolitik zutage, die unter dem zynischen Begriff "Kraft durch Freude" in Wahrheit nur Verachtung für die Erholung suchenden Feriengäste übrig hatte.
Ziel der Autoren ist es aber nicht nur zu beschreiben, wie das Blendwerk aus Politik und Propaganda "funktionierte" (auch die Nutzung durch die DDR wird ausführlich geschildert), sondern sie führen auch aus, welche Bedeutung dem Bauwerk als Mahnmal zukommt, und warum die Sanierung und der Erhalt des Kolosses von Prora Sinn macht.
Ausführlich legen die Autoren am Ende des Buches dar, welche Chancen daraus erwachsen, wenn man Ä wie bereits mit dem Verein "Prora 03 e.V." hoffnungsvoll begonnen, die Anlage als internationale Begegnungs- oder gar Ausbildungsstätte nutzen würde, wo sich junge Menschen aus aller Welt treffen und austauschen können. Das dürfte nicht nur der Insel Rügen zugute kommen, sondern weltweit ein Zeichen für Toleranz und Verständigung setzen.
Dieses Buch mit fast 300 Bildern ist ein engagiertes Werk zum Thema Denkmalschutz und fördert auf ungewöhnlich positive Weise das Nachdenken über den düstersten Teil jüngster deutscher Geschichte.
vdr
Der Koloss von Prora auf Rügen gestern – heute – morgen. Joachim Wernicke; Uwe Schwartz. 2. aktualisierte Auflage. 156 S., 300 meist fb. Abb., 19 x 19 cm, Pb., EUR 12,80
ISBN 3-7845-4901-2   [Langewiesche - Königstein]
 
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