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Der Central Park in New York

Die pünktlich zum 100. Geburtstag des New Yorker Central Park erscheinende monographische Analyse beleuchtet, mit welchen künstlerischen Mitteln die Landschaftsarchitekten Frederick Law Olmstedt und Calvert Vaux den Park gestalten wollten.
Der Anteil der deutschen Gartenbautheoretiker und –praktiker an der Gestaltung des Central Parks kommt in amerikanischen Werken zu diesem Thema kaum vor. Olmstedt und Vaux werden zwar als Gestalter benannt, was sich wohl daraus erklärt, dass größtenteils Amerikaner darüber geschrieben haben, doch gibt es keinerlei kunsthistorische Studien, die versuchen, die Frage zu erhellen, mit welchen künstlerischen Mitteln Olmstedt gearbeitet und in wieweit die deutsche Gartenkunst ihn beeinflusst hat. Woher bezog er seine Ideen, was hat er bei seinen zahlreichen Besuchen in europäischen Parks an Eindrücken mitgenommen? Diesen Fragen geht Franziska Kirchner in ihrem Buch nach und belegt eindrucksvoll den großen Anteil, den unter anderen auch Fürst Pückler auf die landschaftsarchitektonische Gestaltung der Parkanlage hatte. Olmstedt und zahlreiche seiner Kollegen reisten häufig in die Lausitz und ließen sich vom Muskauer Park inspirieren. Fürst Pücklers Schaffen erfuhr dadurch eine neue, enorme Verbreitung, die einen anhaltenden Einfluss auf die amerikanische Landschaftsarchitektur auslöste. Auch Theoretiker wie Hirschfeld, der Urheber des Volksparkgedankens, beeinflussten Olmstedt stark. Hirschfelds Werk "Theorie der Gartenkunst" und seine damit verbundene soziale Vision war in mehrfacher Hinsicht für Olmstedt entscheidend.
Darüber hinaus waren zahlreiche emigrierte Gärtner maßgeblich an der Entstehung des Central Parks beteiligt, was bislang selbst in Überblickswerken nur unzureichend berücksichtigt wurde. Olmstedt übertrug seinen Mitarbeitern aus dem deutschsprachigen Raum, die aufgrund ihrer guten Ausbildung häufig in Führungspositionen tätig waren, wichtige Entscheidungsbefugnisse und verließ sich auf ihre botanische Kompetenz und gartenkünstlerische Sensibilität. Eine Tatsache, dem dieses Buch Rechnung trägt, das Menschen beim Namen nennt und ihre Arbeit zeigt.
Der sozialen Funktion eines öffentlichen Parks auf das städtische Leben und seine Bedeutung für Menschen in einer Zeit, als die Begriffe Arbeiter und Elend oftmals zusammengehörten, geht die Autorin ebenso nach wie der Veränderung des Begriffs Natur im 19. Jahrhundert in Amerika.
Ergänzt durch einen Blick auf das Leben mit und im Park in der heutigen Zeit und wunderbar begleitet von den Fotografien Franz Mazuras, ist es der Autorin gelungen, nicht nur ein wichtiges Buch für das Fachpublikum zu schreiben, sondern auch den Laien auf eine Entdeckungsreise zu schicken, sich den Central Park ganz ohne Reisekosten zu erschließen und nicht zuletzt, sich auf die Spurensuche zu begeben, auf welche Weise heimische Landschaftsgestaltung auch im fernen Amiland ihren Ausdruck findet. Ein informatives und zugleich schönes Buch, das für Landschafts- und Gartengestalter jedweder Qualifikation und für jeden Parkwanderer nicht nur ausgesprochen nützlich sein dürfte, sondern auch das Auge erfreut.
Michael Albishausen
Kirchner, Franziska: Der Central Park in New York und der Einfluß der deutschen Gartentheorie und Praxis auf seine Gestaltung. Grüne Reihe – Quellen und Forschungen zur Gartenkunst. 2001. 210 S. 120 z. T. fb. Abb., 28 cm, GB. Wernersche Verlagsanstalt, Worms 2001. Euro 54,80
ISBN 3-88462-178-5
 
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