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Zeche Zollverein

In Acht B√§nden f√ľhrt die Reihe KunstOrt Ruhrgebiet zu einzigartigen Werken, die weit √ľber die Region hinaus von Bedeutung sind. Die Reihe will, wie es im Klappentext hei√üt, den Leser herausfordern, sich intensiv mit dem Original auseinanderzusetzen. Vom Bochumer ‚ÄěTerminal‚Äú Richard Serras, √ľber das Bottroper Josef Albers Museum bis zur Goldenen Madonna im Essener M√ľnster und dem Werdener Bronzekruzifixus finden sich in den bereits erschienenen 8 B√§nden die Kunstorte des Ruhrgebiets.
Der Zielsetzung der kleinen Reihe "Kunstbetrachtung / Kunstreflexion" entsprechend wird in Band 6 die Industrieanlage Zeche Zollverein Schacht XII in Essen ausschließlich unter ästhetischen Aspekten betrachtet, eben als Kunstwerk. Allerdings dies zu 90 Prozent nur von außen. Dabei wäre ein genaueres Hinsehen in das Innenleben des Industriedenkmals dringend notwendig gewesen.
In der gegenwärtigen Konfliktsituation, in der dieses Weltkulturerbe steht, hilft das Buch darum nicht wirklich weiter. Denn es droht ihm, ähnlich wie dem Kölner Dom, von der UNESCO auf die "Rote Liste" gesetzt zu werden und seinen Rang als Weltkulturerbe zu verlieren, weil der größte Bau der Anlage, die Kohlenwäsche, entkernt und innen umgebaut wird sowie mit einer - sogar die äußere Optik störenden - großen Gangway erschlossen werden soll. Damit verliert die "Wäsche" ihren - inzwischen - einzigartigen Wert als Denkmal der Technikgeschichte. Es bleibt nur die Optik, und noch nicht einmal diese bleibt ungestört.
Von dieser Problematik wei√ü das Buch noch nichts, im Gegenteil kann man den "Anhang II" so lesen, als solle die technische Substanz der "W√§sche" erhalten werden. Brauchbar, ja anregend immerhin sind die Analysen des Buches, wenn es um die √§sthetischen Intentionen der Architekten Schupp und Kremmer geht oder wenn man etwas erfahren will √ľber ihr planerisches Vorgehen sowie ihre bautechnischen und allgemein gestalterischen Mittel. Die Verfasserin vers√§umt auch nicht, die Anlage in den √§sthetischen Theorien seit Kant bis Gottfried Boehm (1988) zu verorten. Am Schluss gelingt es gelingt ihr sogar, "Ambivalenzen des Bewu√ütseins" aufzuzeigen und das Fortschrittspathos der Bauzeit, 1928-1932, kritisch zu bewerten.
Die Formgebung des Buches entspricht dem Anspruch der Reihe, und die 17 s/w- und 7 Farbfotos erf√ľllen nicht nur ihren Informations-Zweck, sondern vermitteln ihrerseits einen hohen √§sthetischen Reiz. Mit 17 Euro muss der allerdings einigerma√üen teuer erkauft werden.
Hans-Curt Köster
Chevallerie, Huberta de la: Zeche Zollverein Schacht XII in Essen. Gebauter Gedanken. 80 S. Abb. (KunstOrt Ruhrgebiet ) Pb; Klartext, Essen 2004. EUR 17,-
ISBN 3-89861-221-X
 
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