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Rob Krier

Elegant kolorierte, große Architekturcapricci locken das Auge an, lassen den Blick über die Katalogseiten zur Frankfurter Ausstellung fliegen. Ja, man kann sich kaum satt sehen an den Architekturveduten mit ihren vielen Staffagefiguren. Eine Pracht, die im 20. Jahrhundert selten wurde - Ideen des Luxemburgers Rob Krier, "ein romantischer Rationalist", wie das Deutsche Architektur Museum in Frankfurt seine große Retrospektive genannt hat.
Der große, im Springer Verlag erschienene Katalog zeigt jetzt Exponate eines Konvoluts aus vier Jahrzehnten, welches Krier dem Museum vor zwei Jahren schenkte. Staunend lässt sich erleben, wie sich Krier, einer der wichtigsten Architekturtheoretiker der Zeit, die Stadt der Zukunft erträumt. Gebautes wie das Stadtviertel Kirchsteigfeld bei Potsdam, die Citadel Broekpolder bei Beverwijk, De Resident in Den Haag oder der Noorderhof bei Amsterdam steht neben bisher nur Erdachtem.
Das "Romantische" im Werk des 1938 geborenen Krier, das ist vor allem das Traditionelle: In den Niederlanden entstanden vehement diskutierte Stadtplanungen und Ortschaften aus einem Guss, welche die Architekturgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts teilweise bis ins Detail nachahmen. Nicht lässig oder ironisch ist das Spiel mit den Vorbildern - Krier ist ein entschiedener Rationalismus-Kritiker, der ganz in der Tradition prämoderner, europäischer Stadtarchitektur steht.
Dazu gehört auch Kriers großes Können als Zeichner: Farbgebung, die Liebe zum Detail, aber auch die Kunst des Weglassens, den schnellen, doch gekonnten Strich, all das beherrscht Krier wie kaum ein anderer. Gerade sein grafisches Werk rückt in Erinnerung, was man beinahe schon vergessen hatte: In anderen Zeiten, etwa in der Renaissance – die Vitruvs "De architectura" wiederentdeckt hatte – war der Architekt weniger ein Techniker, als ein bewunderter Künstler.
Der Ausstellungskatalog liefert nicht nur ein vollständiges Werkverzeichnis und einen Überblick über Kriers Schaffen aus vier Jahrzehnten - darüber hinaus sind hier Essays abgedruckt, die den Band zu einem wichtigen Beitrag zur Theorie des postmodernen Städtebaus machen. So schreibt etwa Helmut Böhme über "Die Neuschöpfung der Europäischen Stadt", Bernhard Schäfers über "Die Sehnsucht nach dem verlorenen Glück" oder Bart Lootsma zum Thema "Warum sind eigentlich neotraditionalistische Wohnhäuser so anders, so attraktiv?"
Marc Peschke
Kleefisch-Jobst, U. und Flagge, I. (Hrsg.): Rob Krier. Ein romantischer Rationalist / A Romantic Rationalist Architekt und Stadtplaner. Architect and Urban Planner, 228 Seiten, zahlr. fb. Abb. 23 x 30 cm, deutsch/englisch, Gb. EUR 39, Springer Verlag, Wien 2005 EUR 50,-
ISBN 3-211-23771-2
 
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