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Paul Zucker. Der vergessene Architekt

Wenn man nichts baut, wird nichts publiziert, hat ein zeitgenössischer Architekt das Dilema des Architekten zusammengefasst. Qualität wird in Umkehrung dieses Satzes - über wen viel geschrieben wird, der kann auch viel bauen - nicht zwangsläufig garantiert. Schnell wechseln die Moden in der Architektur. Muss, so ist in Bezug auf den Titel dieser Veröffentlichung über den 1888 in Berlin geborenen Architekten, der im Jahre 1971 in de USA starb, zu fragen, ein Architekt erst vergessen werden, um in seiner Qualität erkannt zu werden? Für Paul Zucker, der als Architekt, Dozent und Denker über das Alltägliche hinausgehende Zusammenhänge in den Blick zu nehmen suchte, scheint dieses Diktum zuzutreffen. Um so erfreulicher ist es, dass sich aus der Arbeit Wolfgang Schäches zu Paul Zucker unerwartet eine kleine Monografie entwickelt hat, die diesen Architekten tatsächlich vor dem Vergessen rettet. Nur ein einziges Gebäude Paul Zuckers in Berlin existiert heute noch, das vor kurzem saniert wurde, was dem Autor Anlass für die Beschäftigung mit Leben und Werk Paul Zuckers war: Das heutige Wohn- und Geschäftshaus in der Taubenstraße 23 in Berlin Mitte.
Ein schönes Werk, das in vier Kapiteln Annäherungen an den Menschen, Lehrer und Architekten Zucker ermöglicht. Vor dem biographischen Hintergrund Paul Zuckers in Berlin und nach seiner Emigration 1937 bis 1971 in New York, wo es ihm als Hochschullehrer gelang, gleichsam eine neue Karriere sich aufzubauen, er allerdings nicht mehr als Architekt wirken konnte, wird in einem zweiten Schritt sein theoretisches Werk vorgestellt. Hier wird der an Architektur interessierte Leser bemerkenswertes entdecken, besitzen Paul Zuckers Veröffentlichungen - etwa sein 1929 erschienenes Werk „Die Entwicklung des Stadtbildes. Stadt als Form“, „Fascination of Decay, Ruins: Relic - Symbol - Ornament“, drei Jahre vor seinem Tod veröffentlicht, oder das sich an Platos Dialogen orientierende kunstgeschichtliche Werk mit dem Titel „A Platonic Discourse about Some Philosophical Problems of Art, Between a Young Man (X), the Student (Y), and Paul Zucker, the Author (Z) aus dem Jahre 1959 - doch auch heute noch nicht nur historischen Wert. Schon 1927 formulierte er kritisch mit Blick auf Le Corbusiers Arbeit: "Er irrt, wenn er glaubt, daß das Haus im gleichen Sinn eine Wohnmaschine sein könnte wie das Flugzeug eine Flugmaschine. Das Problem des eigentlichen Bauens liegt gerade dort, wo das rein Ingenieurmäßige überschritten wird, das wir als Vorstufe der künstlerischen Gestaltung heute natürlich überhaupt nicht ausschalten können, das aber trotzdem immer nur die Voraussetzung bleibt" (S. 77). Im dritten Teil der Darstellung wird exemplarisch Einblick in Zuckers Wirken als Architekt - von 1920 bis 1936 etwa 60 Projekte, die fast alle auch realisiert werden konnten - vorgestellt. Es sind Villen, Landhäuser, städtische Bauten bis hin zu Ladenbauten und Geschäften. In den hier beigegebenen Fotografien scheint dabei etwas vom Berlin der 20er Jahre auf. Ein letzter, viertel Teil bietet bibliographisches und biographisches Material, so dass der eigenen Forschungsarbeit nichts im Wege steht. Ein lesenswertes Buch.


Matthias Mochner
Schäche, Wolfgang: Paul Zucker. Die Wiederentdeckung eines Architekten. 80 S., zahlr. Abb. 30 cm. Hl. Jovis, Berlin 2004. EUR 22,-
ISBN 3-936314-40-3
 
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