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Die Zinnen der Partei - Zeugnisse der Arbeiterbewegung

In der Geschichte des „Volkshauses“ spiegelt sich die Geschichte der Arbeiterbewegung, als deren Zentrum die SPD diese Gegenkultur im ausgehenden 19. Jahrhundert organisiert. Aus kleinsten Anfängen entstehen in kürzester Zeit beachtliche Zentren der Arbeiterschaft, in denen man Versammlungen abhielt, soziale Aktivitäten organisierte und Tageszeitungen druckte. Aber auch Läden richtete man ein und stellte Bildungsangebote zur Verfügung, die sich besonders auch an die Jugend richtete.

Auf wenigen einleitenden Seiten erläutern Christoph Lehmann, Angelika Petruschat und Klaus Wettig die Entstehung dieser zahllosen Volkshäuser. Waren es 1901 noch 11 Einrichtungen, verfügten die Sozialdemokraten 28 Jahre später bereits über 184 Häuser. 1933 liquidierten die Nazis die „Konzentration AG - Sozialdemokratische Druckerei- und Verlagsbetriebe“ – wie sich das Geamt-Unternehmen nannte - in der sämtliche Einrichtungen zusammengefaßt waren und treuhänderisch von der Partei verwaltet wurden.

Nur zögernd wurde nach 1945 das Eigentum an die SPD, bzw. an die SED als die „Nachfolgepartei“ in der DDR wieder zurückgeben, oder Entschädigungen gezahlt. Heute stehen die „Zinnen der Partei“ in der Regel wieder im rechtlichen Eigentum der Konzentration GmbH, deren wirtschaftliche Eigentümerin der Immobilien wieder der SPD-Bundesvorstand ist.

In dem vorliegenden Band werden 28 dieser ehemaligen Volkshäuser, einige Ersatzbauten, die man nach dem Krieg erwarb und umbaute, sowie zwei Neubauten in Frankfurt und Berlin vorgestellt. Begleitet von kurzen Texte zur Geschichte des Hauses oder seiner Vorgängerbauten, wenigen kaum erläuterten historischen Fotos und Dokumenten wird jedes Gebäude in seinem heutigen Zustand in ganzseitigen und oft sehr gelungenen Fotografien dargestellt. Im Anhang findet sich eine kurze Bibliographie der Namensgeber und Architekten.
Obwohl auf jeder Seite reichlich Platz für weitere Informationen ist, fehlen zu allen Gebäuden Grundrisse oder Anmerkungen über architektonische Besonderheiten. Und leider fehlt es auch an Berichten über diejenigen Menschen, die sich in diesen Häusern einst engagierten, d. h. an Ereignissen, die die Geschichte dieser Häuser erst lebendig werden lassen. So ist am Ende dieses Buch weder ein Architekturführer, noch ein Begleiter durch eine bedeutsame Geschichte sozialdemokratischen Wirkens.
Aber immerhin ist das Buch ein ansprechender Fotobildband sozialdemokratischer Bauten, der Lust auf mehr macht. Wäre zu wünschen, dass aus den entsprechenden Parteizentralen weiteres Material zusammengetragen und dargestellt wird, um in einer neuen, weiteren Auflage noch Aufnahme zu finden.




Gesine Holzer
Die Zinnen der Partei. Die Sozialdemokratie als Bauherr. Hrsg.: Lehmann, Christoph. 220 S. 30 x 23 cm. Gb. Vorwärts-Buch Verlagsgesellschaft, Berlin 2005. EUR 29,80
ISBN 3-86602-121-6
 
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