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Designed for Kids

„Designed for Kids“ sollte lieber „Designed for Parents“ heißen. Denn die Kriterien, nach denen die Produkte im vorliegenden Buch in den neun Objektfeldern vorgestellt werden, sind nicht relevant für Kinder, sondern für ihre Eltern. Geschirr bekommt Pluspunkte, wenn es spülmaschinenfest und bruchsicher ist und die Farben nicht verblassen. Bei Autositzen zählt, neben der Unfallsicherheit, eine schnelle und unkomplizierte Montage. Bei Textilien findet man keine Anziehsachen, sondern Decken und Kissen, Teppiche, Bettwäsche.

Natürlich ist es relevant für Kinder, dass ihre Eltern nicht ständig genervt sind von der Unhandlichkeit der Objekte, die ihnen das Leben erleichtern sollen. Aber wenn etwas „Designed for Kids“ sein soll, muss auch die kindliche Perspektive bei der Auswahl der Objekte berücksichtigt werden. Zum Beispiel: Ist Plastikgeschirr und der ständige Konsum aus Kunststoffflaschen gesundheitsschädlich? Schwitzt man in den Autositzen? Sind Kinderwägen rückenfreundlich? Gibt es Anziehsachen, die atmungsaktiv, wasserfest, strapazierfähig und trotzdem aus natürlichen Materialien (Farben, mit Baumwoll- oder Wollanteil) sind? Gibt es überhaupt Anziehsachen, die nicht von anderen Kindern in Asien genäht werden und somit für die Weltgemeinschaft der Kinder designed sind?

Allein die Objektfelder - Mobilität, Babyzimmer, Essen und Trinken, Möbel, Dekoration und Textilien, Spielzeug, Unterwegs, Elektronik und Lampen sowie Zubehör - und ihre Gewichtung verrät schon viel über die Perspektive des Autors und die seines Zielpublikums. Man sieht geradezu den flexiblen Mittdreißiger vor Augen, der kurz bevor er in die medizinische Befruchtungsphase gelangt, eine Familie gründet, weil das „hipp“ ist. Natürlich will er dabei nichts von seinem bisherigen Lebensstil aufgeben, weder die Mobilität, noch das durchgestylte Heim. Man sieht auch die schon früh vergreisten Kinder, die altklug ihr Markenbewusstsein zur Schau stellen und vom Frühenglisch zum Frühballett zum Frühlesen gefahren werden, ohne je die Möglichkeit gehabt zu haben, mit Stiften und einfachen Pappkartons gerüstet ein ästhetisch vielleicht nicht einwandfreies Haus zu formen, oder mit einem Stock bewaffnet durch den Wald zu laufen und sich den Hosenboden der Designerjeans beim Wiesenrutschen dreckig zu machen.


Es ist klar, dass sich unter dem Titel „Designed for Kids“ kein konsumkritisches Buch verbirgt. Das darunter aber ein Buch zu finden ist, dass einem Möbelhauskatalog ähnelt, leider aber nicht offen legt, wer für die Auswahl bezahlt hat, ist schon enttäuschend. Das soll nicht heißen, dass der Leser im vorliegenden Werk nicht auch einige Klassiker finden kann, die wirklich sinnvoll und hilfreich sind für Eltern. Um diese Objekte kennen zu lernen, brauchen Sie aber kein Buch: Fragen Sie einfach andere Eltern oder warten Sie, dass Ihr Kind das eine oder andere geschenkt bekommt.

8. 4. 2011
Vera Herzog
Richardson, Phyllis. Designed for Kids, Die 300 schönsten Dinge rund ums Kind. 256 S., 450 fb. Abb. 23 x 29 cm, Gb. Edition Braus, Berlin 2010. EUR 29,90
ISBN 978-3-89904-333-4
 
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