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Prinz Eugen. Feldherr Philosoph und Kunstfreund

Lebendig schaut Prinz Eugen, der Feldherr, Türkensieger, Staatsmann und Bauherr des berühmten Wiener Belvedere, vom Cover des Ausstellungskatalogs den Leser an. Stolz deutet er auf seine Gemäldesammlung. Dieses Porträt des Prinzen als Mäzen in barocker Anmutung ist kürzlich entstanden, kreiert für die Ausstellung „Prinz Eugen. Feldherr Philosoph und Kunstfreund“. Es handelt sich um eine computergenerierte Collage aus barocken Kupferstichen und Gemälden, die programmatisch zu verstehen ist: Der Prinz wird, aus Quellen und Artefakten konstruiert, als Kulturförderer gewürdigt.

Mit Abbildungen von Porträts, Briefen, Büchern, Karten, Stichen, Waffen, Moden und Möbel haucht der reich illustrierte Katalog dem Prinzen, seinen Zeitgenossen und seinem räumlichen Umfeld Leben ein. Die fotografischen Reproduktionen der Ausstellungsstücke sind in chronologischen, dem Lebenslauf Eugens folgenden Themenkomplexen präsentiert und werden durch Aufsätze vertieft.

Dem Unbedarften bieten die ersten Texte zum Thema „Bauherr im Felde“ und stichpunktartige Übersichten zu Beginn jedes Katalogteils eine Einführung in das dreiundsiebzigjährige Leben des Prinzen (1663-1736) und in seine zahlreichen Ämter. Die Perspektive der Aufsätze zielt dabei auf das Menschliche. Der Alltag im Krieg, die Persönlichkeit Eugens, auch die dunklen Seiten seines Charakters sowie die türkische Perspektive auf den Feldherren kommen zur Sprache. Die übrigen, unter den Überschriften „Sammler und Mäzen“, „Bücherfreund“, „Naturfreund“ und „Tod“ gebündelten Essays richten sich an den kunsthistorisch interessierten Leser. Sie berichten aus der zweiten Lebensphase Eugens, besonders über seine Wiener Bauten und Sammlungen. Die Bildersammlung italienischern und holländischer Meister des 17. Jahrhunderts im oberen Belvedere, die Kupferstich- und die Büchersammlung werden im Kontext ihrer Zeit gewürdigt. Gleich zwei Texte stellen den Verbleib der Sammlungen dar. Mit Spezialinteresse werden die Entstehungsgeschichte der Gärten des Belvedere, besonders die Jahre 1716 bis 1725, und Eugens letztes Bauprojekt, der Umbau von Schloss Hof ab 1726 unter Johann Lukas von Hildebrand, beschrieben. Bei diesen Texten handelt es sich um Grundlagenforschung, die im Zuge der Rebarockisierung der Wiener Belvedere Schlösser entstanden ist.

Denn der „Mars ohne Venus“, wie Eugen von seinen Zeitgenossen spöttisch genannt wurde, war unverheiratet und hatte keine Kinder. Nach seinem Tod gingen seine Besitztümer an seine Nichte Anna Viktoria von Savoyen, die sie veräußerte. Eine reale, örtliche Einheit der Lebenswelt Prinz Eugens hat sich somit nicht erhalten. Um zumindest einen partiellen Eindruck des barocken Zustandes aus der Entstehungszeit der Schlösser wiederherzustellen, wurden kürzlich die Gartenanlagen des Belvedere rekonstruiert und die Sala Terrena des Oberen Belvedere restauriert. Ein Projekt, das aus staatlichen Mittel und Mitteln des World Monuments Funds finanziert wurde. Die Basis für diese Baumaßnahmen, die konservatorische Arbeit, wird nun in der Ausstellung und dem hier besprochenen Katalog veröffentlicht.


Der Katalog zeigt somit nicht nur die verschwundene Lebenswelt von Prinz Eugen und setzt sie text- und wortreich im Gedankenraum zu einer neuen Einheit zusammen. Vielmehr berichtet er auch über die historische Basis von Rekonstruktionen: Nicht anders als es der Umschlag des Katalogs vorführt, wird ein Bild aus den vorhanden Materialien collagiert. Ob dieses Bild dann baulich realisiert werden muss, bleibt allerdings die heikle Frage.

1.04.2010


Vera Herzog
Prinz Eugen. Feldherr Philosoph und Kunstfreund. Hrsg. Agnes Husslein-Arco. Beitr.: M.-L. von Plessen, L. Auer, T. Baumgartner, Chr. Benedik, C. Diekamp, L. Hanzl-Wachter, M. Hochedliger, G. Mauthe, I. Ortayli, K. Schütz, E. Spantigati, P. Stephan, J. Willms. 336 S., 36 Farbtafeln, 309 fb. Abb., 24 x 32 cm, Gb., Hirmer Verlag, München 2010. EUR 45,00
ISBN 978-3-7774-2521-4
 
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