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Das Goldene Zeitalter: Kunst umd Kommerz in der niederländischen Malerei des 17. Jh.

Das goldene Zeitalter der holländischen Malerei war geprägt von einer bis dahin noch nie dagewesenen Qualität und Dichte der Bildproduktion. Zugleich änderte sich die Bildthematik radikal, da es nicht mehr nur Kirche und Adel vorbehalten war, Kunstwerke in Auftrag zu geben. Das Bild wurde zur Kapitalanlage der Mittelschicht und damit zur Ware, zum frei gehandelten Objekt.
Den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und nicht zuletzt künstlerischen Voraussetzungen widmet sich Michael North, Professor für Neuere Geschichte in Greifswald, mit großer Sachkenntnis, die er bereits bei seinen Veröffentlichungen zur Geschichte des Geldes und zur Geschichte der Niederlande bewiesen hat. Der Autor sieht die Blüte der nördlichen Niederlande im 17. Jahrhundert, in der die Kunst eine neue Dimension gewann, zum Großteil in der wirtschaftlichen Leistung begründet. Durch Modernisierung und Kommerzialisierung erreichte Holland eine Spitzenstellung in der Textil- und Keramikindustrie, im Schiffbau, in der Landwirtschaft sowie im Fischfang und Dank dieses florierenden Handels erlangten die niederländischen Kaufleute eine Vorherrschaft auf den Märkten der damaligen Welt, was North mit zahlreichen Beispielen belegt. Weitere Kapitel sind dem Wandel der Stände zur bürgerlichen Gesellschaft, der sozialen Stellung der Maler (wobei besonders die Rolle der Lucas-Gilden hervorgehoben wird) sowie den Auftraggebern und dem erstmals entstehenden anonymen Kunstmarkt gewidmet. Anhand von Künstler-Inventaren, Nachlaßinventaren und zeitgenössischen Beschreibungen berühmter Sammlungen untersucht North die private Nachfrage nach Kunstwerken: So hingen in fast allen niederländischen Häusern Kunstwerke und in Delft besaßen gar zwei Drittel der Haushalte Gemälde. Die Auswertungen geben auch Aufschluß darüber, welche Themen von wem, d.h. von reformierten und katholischen Haushalten, und zu welcher Zeit nachgefragt wurden und welche Bedeutung die niederländische Malerei für die Kunstmärkte Englands, Frankreichs und Deutschlands hatte. Ergänzt wird die gut lesbare Darstellung mit zahlreichen Tabellen, einigen Abbildungen sowie einem Anmerkungsapparat, Literatur- und Quellenverzeichnis. Michael North hat eine wissenschaftlich fundierte, auf Zusammenhänge bedachte Arbeit vorgelegt, die gegenüber der ersten Auflage 1992 überarbeitet einiges erweitert wurde.
Beate Fischer
North, Michael: Das Goldene Zeitalter. Kunst und Kommerz in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. 2. erw. Aufl. 2001. ca. 200 S., ca. 21 schw.-w. Abb. auf 16 Taf. - 22,5 x 14 cm. Gb DEM ca 48,- Niederlande
ISBN 3-412-13700-6
 
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