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Von Gutenberg zur CD

Das Geburtsjahr Johannes Gutenbergs, des Erfinders des Buchdruckes, nahm die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek zum Anlaß, die Gutenberg-Bibel und weitere europäische Buchdrucke in einer Ausstellung zu präsentieren. Da sich dort auch ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Digitalisierungszentrum befindet, wurde konsequenterweise zur Verbesserung der wissenschaftlichen Literaturversorgung die 1454 fertiggestellte Bibel eingescannt und im Internet und auf Doppel-CD zugänglich gemacht. Die Göttinger Gutenberg-Bibel nimmt eine besondere Stellung ein, da sie eine der wenigen vollständigen unter den 12 erhaltenen Pergamentexemplaren ist. Von vermutlich 180 gedruckten Exemplaren sind nur noch 49 bekannt, darunter sind 37 auf Papier gedruckt und oftmals unvollständig. Durch die Digitalisierung sind nun die 1282 Seiten der zwei Bände umfassenden Bibel auf CD-ROM in allen Details einsehbar. Ergänzend wurde auf einer zweiten CD auch das Göttinger Musterbuch, dessen Vorschläge zur Ausmalung von Handschriften in einer transkripierten Version vorliegen, beigegeben. Zusätzlich belegt das "Helmaspergersche Notariatsinstrument" mit einem Rechtsstreit zwischen Gutenberg und seinem "Finanzier" Johannes Fust die Urheberschaft Gutenbergs. Hinzu kommen sehr kurze, erläuternde Texte zur Person Gutenbergs, dem frühen Buchdruck und den Auswirkungen von Gutenbergs Erfindung auf das Druckgewerbe, die Reformation und die deutsche Sprachentwicklung. Außerdem ermöglicht die CD direkte Bildvergleiche zwischen Bibel und Musterbuch sowie Detailansichten der illuminierten Seiten. An der Auflösung der Bildschirme und dem begrenzten Speicherplatz des Mediums CD liegt es, wenn bei Ausschnittvergrößerungen die Abbildungen leicht unscharf wirken. Durch eine einfache Navigationsleiste, kann man sich leicht durch die "bildlastigen‘ CD-ROMs bewegen.
Ein besonders gewichtiges Werk hat sich die "Digitale Bibliothek‘ mit dem Werk Albrecht Dürers vorgenommen, das die Ausgabe von Fedja Anzelewsy: Albrecht Dürer, Werk und Wirkung, Erlangen 1980 auf CD nutzbar macht. Das Besondere ist ein Programm, das allen vom Verlag produzierten CD-ROMs zugrundeliegt. Jede neuere Version des Programmes, die sich auf einer neuen CD aus dieser Verlagsreihe befindet, aktualisiert automatisch die schon installierte, ältere Programmversion.
Nun ist es möglich, das Werk Dürers mit Abbildungen und korrespondierendem und strukturiertem Textapparat einzusehen. Auf dem Bildschirm hat man ein Funktionsregister, Text- und Bildfenster und eine Navigation ist ebenso möglich, wie das Zoomen in die qualitativ recht hochwertigen Bilder, während die Anordnung und Hierarchie sogenannter "Funktionsregister" weniger einsichtig ist, wo ähnlich einer Inhaltsangabe die Strukturen der abrufbaren Bild- und Textinformationen präsentiert werden. So bewegt sich der Nutzer wie in einem Buch durch Leben und Werk Dürers, seine kunsttheoretischen Schriften und Lebenszeugnisse, begleitet von Fußnoten, Bibliografie und Register. Alle Werkabbildungen befinden sich in Briefmarkengröße, die zu vergrößern und nach Begriffen sortierbar sind. Des weiteren ist es möglich, einen digitalen Zettelkasten anzulegen oder bearbeitbare Listen zu führen. Mit dieser CD kann der wissenschaftliche Nutzer gut arbeiten. Dass aufgrund des Speichermediums und wegen der Bildrechte die Bilddateien keine Druckqualität haben, versteht sich. Unverständlich ist aber, warum Vergrößerungen und Zooms auf dem Bildschirm sehr unscharfe und aufgepixelte Abbildungen erzeugen. Dennoch: Soviel Information und Bildmaterial zum Gesamtwerk Dürers auf einer CD läßt auch gewisse Unschärfen vergessen.
Annegret Winter
Göttinger Gutenberg -Bibel, Musterbuch und Helmaspergersches Notariatsinstrument. Hrsg. Elmar Mittler u.a. CD-ROM 2 disc. 2000. EUR 49,80
ISBN 3-598-40470-0
 
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