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Schwelle zum Paradies. Die Galluspforte des Basler Münsters

Nach Abschluss der Restaurierungen der Galluspforte am Basler Münster im Jahr 1989 setzten bau- und kunsthistorische Forschungen ein, die schließlich ab dem Sommersemester 2001 in eine offenbar ersprießliche Zusammenarbeit der Kunsthistorischen Institute der Universitäten Basel und Bern mit der Münsterbauhütte, dem Amt für Basler Denkmalpflege und dem Museum Klingental, dem Standort der originalen Münsterplastiken, mündeten. Wesentliche Erkenntnisse dieses Projektes und damit der derzeitige Stand der Forschung werden nun in einem Band durch 17 Beiträge präsentiert, die sich in wissenschaftliche und auf die Ausstellung im Museum Klingental bezogene unterteilen lassen.
Ältere Thesen werden hier widerlegt, wie die verbreitete, dass das Portal nicht am Originalort stünde. Zwar bleibt das Entstehungsdatum des Portals weiterhin im historischen Dunkel, aber es zeichnet sich eine Tendenz zur späten Datierung in die letzen zwei Dekaden des 12. Jahrhunderts ab. Verschiedene Beiträge sind außerordentlich interessant, wie die überzeugende inhaltliche Klärung zweier umstrittener Figuren, die nun als Johannes der Täufer und der Evangelist interpretiert werden. Im Bezug auf die Matthäus-Perikope und der Aufforderung Christi zur tätigen Nächstenliebe als Weg des Heils werden die Figurengruppen der "Barmherzigkeit" als Neuerung der Kunst des Hochmittelalters besprochen. Außerdem wird das Basler Portal mit dem Begriff "Transperipherie" konfrontiert. Er erstammt einem von Peter Cornelius Claussen 1994 veröffentlichten Denkmodell, wonach das für Figurenportale oftmals bemühte Schema der einfachen Abhängigkeit vom Zentrum Ile-de-France aufgehoben werden kann. Vielmehr muss man wohl von komplexeren Interaktionen und Einflüssen ausgehen, die zur Vermittlung oder Entstehung von regionalen Portaltypen beitrugen. Ein Beispiel dafür ist auch der Bezug der Gallus-Pforte im architektonischen Aufbau zur Porte Noire, einem antiken Triumphbogen des Erzbistums Besançon, dem Basel seit dem 11. Jahrhundert unterstand. Ursprünglich freistehend wurde dieser Triumphbogen im 12. Jahrhundert Stadttor und gehörte bis 1408 zum Kapitel von St. Jean, funktionierte als Glockenturm und vorgelagertes Kirchenportal, das Bischofssitz und kirchliches Areal von der Stadt abgrenzte.
Ausgestattet ist dieser Band nicht nur mit gründlichen und facettenreichen Analysen, sondern er ist u.a. reich mit fotogrammetrischen Aufnahmen, Schnitten und bislang unveröffentlichten älteren Fotos bebildert und mit einem unkonventionellen, aber sehr übersichtlichen Layout versehen.
Annegret Winter
Schwelle zum Paradies. Die Galluspforte des Basler Münsters. [Basel] Hrsg. Meier, Hans R /Schwinn, Dorothea. 1. Aufl.. 184 S., 115 sw. Abb., zahlr. fb.Abb. 32 cm. Gb EUR 33,50
ISBN 3-7965-1954-7
 
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