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Römerbauten in Trier.

Ob Trier die älteste deutsche Stadt ist - wie Trierer Stadtschreiber gern behaupten - bleibt bislang Legende; sicher indes ist, dass es die Römer waren, die dieser Stadt, die heute Bestandteil des UNESCO — Weltkulturerbes ist, über vier Jahrhunderte hinweg ihr charakteristisches Gepräge gaben. Seit Caesar etwa nach 50 v. Chr. das Gebiet der keltischen Treverer als Provinz Gallia dem römischen Imperium angliederte, haben sich fast alle seine kaiserlichen Nachfolger hier verewigt: Augustus, der offiziell “Augusta Treverorum“ (die Stadt des Augustus im Lande der Treverer) im Jahre 17 v. Chr. gründete, den Bau von Straßen und der ersten Moselbrücke veranlasste, Vespasian (1. Jh. n. Chr.), der die neue Brücke und den Ausbau der Stadt mit dem typischen schachbrettartigen Straßensystem (s. Abb. S. 6) und dem Forum initiierte. Antonius Pius (2. Jh.) schließlich, der Trier zur repräsentativen Provinzhauptstadt ausbaute; mit Stadtmauer, eindrucksvollen Toren und Durchgängen - die Porta Nigra war seit 157 in Bau - und der neuen Moselbrücke, deren Pfeiler noch heute die vielbefahrene “Römerbrücke“ tragen. (Dieses Beispiel exzellenter römischer Ingenieurtechnik findet sich im vorliegenden Buch nur kurz auf Seite 10 beschrieben.)
Mark Aurel (2. Jh.) setzte diesen Trend fort: Prunkvolle öffentliche und private Bauten, mit Malereien und Mosaiken geschmückt, entstehen jetzt, (sie können im Rheinischen Landesmuseum Trier in einer repräsentativen Schau bewundert werden): darunter die Barbarathermen, das Amphittheater und jene Thermenanlage, wozu die Teile am heutigen Viehmarkt gehören.
Mit der Entscheidung, Trier zur Hauptstadt von Westrom zu machen, bewirkte Maximian (3. Jh.) einen neuen Höhepunkt im Ausbau Triers: Unter ihm sollen die Pläne zur Errichtung des Palatiums (Basilica) und der Kaiserthermen entwickelt worden sein, mit deren Bau unter Constantius Chlorus (3. Jh.) begonnen wurde.
Sie blieben unvollendet, da Konstantin I. seine Residenz nach Konstantinopel verlegte. Damit begann der bauliche Niedergang Triers, den auch seine Nachfolger (wie Gratian, 4. Jd. und Valentinian II., 4. Jh.) nicht aufhalten konnten.
Klaus Peter Goethert begleitet den Leser in Text, Bild und Zeittafel durch diese Epoche in der Geschichte der Stadt Trier, um sodann fünf markante Römerbauten näher zu beschreiben. Die “Porta Nigra“, das Wahrzeichen Triers, ist zweifelsohne einer der bekanntesten antiken Bauten nördlich der Alpen. Anhand von gelungenen virtuellen Rekonstruktionen wird uns der ursprüngliche Bau veranschaulicht, der nicht “Schwarzes Tor“ hieß; sondern eventuell “Koblenzer“ oder Mainzer Tor“, da die Römer ihre Tore nach den Zielorten benannten, zu denen die hindurchgeleiteten Straßen führten.
Sehr detailliert, gelegentlich über die Maßen minutiös werden die einzelnen Bauphasen, Grundrisse, Abmessungen und Baumaterialien beschrieben, der heutige Bau in seiner Gliederung und Beschaffenheit und natürlich auch die ‘Wechsel seiner Zweckbestimmung vom römischen Tor, über Simeonskirche, Antikenkabinett bis hin zum geschützten Denkmal. Dazu wird Bildmaterial von ausgezeichneter Qualität geboten.
Vom ursprünglichen Amphitheater ist heute nur noch wenig erhalten. Lediglich das Oval der Arena, die schrägen Hänge, einst als Zuschauerränge genutzt, Ruinen von Torbauten und das westliche Vomitorium (Zugang) sind erhalten, ebenso der Arenakeller mit Resten der Umkleide- bzw. Aufenthaltskabinen für Gladiatoren und wilde Tiere. Auch hier sind es die virtuellen Rekonstruktionen, die die einstige Anlage kenntlich machen. Von unterschiedlichen Standorten aus wird sodann der Leser zu Baugeschichte und architektonischen Detailles geführt, mit technischen Fragen der Statik, Neigungskurven, Be- und Entwässerung konfrontiert und auf die wenigen noch erhaltenen Schmuckelemente, wie die Wandmalereien im westlichen Vomitorium, hingewiesen.
Römische Thermenanlagen üben auch nach 2000 Jahren immer wieder eine ganz einzigartige Faszination aus. Nicht nur die technische Präzision der Beheizung, Belüftung, Wärmeregulierung, die Bausubstanz und Materialqualität, auch die architektonische Gestaltung der Gebäude selbst und der Außenanlagen, die Raumgliederung, künstlerische Ausstattung, die innenarchitektonische Umsetzung philosophischer Konzepte zur ganzheitlichen Pflege von Seele und Körper - all das dokumentiert ein außergewöhnlich hohes Niveau römischen Ingenieurwesens und Kunst in einer seitdem nicht mehr erreichten harmonischen Symbiose.
Gisela Ewert
Goethert, Klaus P: Römerbauten in Trier. Porta Nigra, Amphitheater, Kaiserthermen, Barbarathermen, Thermen am Viehmarkt.Hrsg. v.Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz /Landesamt für Denkmalpflege Rheinalnd-Pfalz /LandesmedienzentrumRheinland-Pfalz. 160 S., 2 sw. u. 127 fb. Abb. 21 x 15 cm. Pb., (Führungsh. d. Ed. Burgen,Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz 20) Schnell & Steiner, Regensburg 2003. EUR 12,90
ISBN 3-7954-1445-8   [Schnell & Steiner]
 
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