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Daniel Heintz. Architekt, Ingenieur, Bildhauer im 16. Jahrhundet

In jahrelangen Forschungen ist es der Autorin überzeugend gelungen, auf der Basis oftmals nur spärlichen Quellenmaterials und weniger historisch überlieferter Bauten ein ausgesprochen präzises Bild von dem architektonischen Schaffen des um 1530 geborenen Architekten, Ingenieurs und Bildhauers Daniel Heintz zu rekonstruieren. In ihrer profunden Studie über den vermutlich nur Spezialisten bekannten Architekten geht Johanna Strübin Rindisbacher davon aus, dass der gleichzeitige "Gebrauch von gotischer und Renaissancearchitektur" für einen innovativen "Werkmeister des ausgehenden 16. Jahrhunderts nördlich der Alpen nichts Aussergewöhnliches, sondern typisch" war (S. 224). Eine These, die im Verlauf der Arbeit bestätigt werden kann.
Mittels minutiöser Bauanalysen weist die Autorin in ihrer ertragreichen Monografie über Daniel Heintz nach, dass diese Persönlichkeit exemplarisch "einen neuen Architektentypus" (ebenda) verkörpert, der zum einen noch tief in der Tradition mittelalterlicher Bauhütten verwurzelt ist, und zum anderen doch auch schon die Möglichkeiten voll auszuschöpfen versteht, welche sich im Zuge der literarischen Eroberung der Antike durch die Gelehrten des Humanismus und der italienischen Renaissance nördlich der Alpen für die Baukunst eröffneten.
Folglich ist die akribische Darstellung der Beschäftigung des vor allem in Basel (Zunfthaus zu Weinleuten) und Bern (Gewölbe, Lettner, Turmhelm des Münsters sowie Justitia-Statue am Hauptoprtal) tätigen Daniel Heintz mit den einschlägigen Architekturhandbüchern der Renaissance (Serlio, Vitruv), nicht nur besonders spannend zu lesen, sondern zugleich auch höchst aufschlussreich, zeigt sich dabei doch, in welcher Weise theoretisches Wissen praktisch genutzt wurde (Kapitel: "Bildungshintergrund und Handwerkerexistenz", S. 107-138), wobei - wie Johanna Strübin Rindisbacher zeigen kann - die konsquente Handhabung der Säulenarchitektur einerseits sowie die Verwendung des zu jener Zeit nicht mehr üblichen Kielbogenmaßwerks für die Architektur des Daniel Heintz charakteristisch sind. Auf dem Hintergrund umfangreicher Recherchen kann die Autorin zudem einige Arbeiten dem im Jahre 1596 verstorbenen Architekten neu zuschreiben.
Das Werk ist ein Studien- und Kunstbuch im besten Sinne des Wortes und dem Verlag ist dafür, dass die enorme Arbeitsleistung der Autorin in der opulenten Ausstattung des Bandes ein angemessenes Äußeres erhalten hat, sehr zu danken. Ähnlich wie in Günther Bindings wegweisendem Werk „Was ist Gotik?“ aus dem Jahre 2000 führt die Lektüre dieses verdienstvollen Buches (und nicht zuletzt auch die der im Anhang beigegebenen Dokumente von und über Daniel Heintz) die Leser tief in die Kulturgeschichte des Bauens.
Matthias Mochner
Strübin Rindisbacher, Johanna: Daniel Heintz. Architekt, Ingenieur, Bildhauer im 16. Jht. 256 S. 209 sw. u. 23 fb. Abb. 30 cm. Ln., Stämpfli, Bern 2002. EUR 92,20
ISBN 3-7272-1086-9
 
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