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Römische Spuren im Burgund

Burgund ist ein Name, der vielfältige Assoziationen weckt. Reich an natürlichen Vorzügen und herausragenden: von Menschenhand geschaffenen Sehenswürdigkeiten, fasziniert diese französische Landschaft auch durch ihre bewegte Geschichte.
Es ist daher ein reizvolles Unterfangen, wenn Ulrich Erdmann seine Leser zur Spurensuche in die gallisch-römische Zeit einlädt. Er nennt sein Buch einen archäologischen Reiseführer mit dem er interessierten Touristen eine Anleitung zum gezielten Besuch einzelner Orte in die Hand geben will oder zur individueller Gestaltung einer Reiseroute in die Vergangenheit..
Das historische Wissen um Burgund verdanken wir weitgehendst den Römern. Noch vor der Eroberung Galliens durch Caesar in der Schlacht bei Alesia im Jahre 52 v. Chr. haben Plinius der Ältere und Strabo ein zwar grobes, aber doch im Großen und Ganzen zutreffendes Bild zur Geographie und Wirtschaft Galliens vermittelt. Bei Diodorus Siculus, einem Zeitgenossen und Bewunderer Caesars, erfahren wir, dass Gallien sogar in der griechischen Mythologie erwähnt wird und dass der Name "Gallier" auf Galates zurückzuführen ist, dem Sohn von Herakles und einer adligen keltischen Frau. Dieser Galates besaß, wie sein Vater, Geist und Körperkraft und vollbrachte große Helden- und Kriegstaten.
Caesar schließlich war es, der ausführlich in seinem "DE BELLO GALLICO" über die keltische Religion und die Priesterschaft der Druiden berichtete.
Solchermaßen, zur vorrömischen Zeit Burgunds unterrichtet, kann sich der Leser bestens über die Periode der politischen Gestaltung des römischen Galliens und die der Romanisierung informieren. Letztere dauerte bis ins 4. Jahrhundert. Sie ist vor allem an der Urbanisierung des Landes, an der Einführung der römischen Verwaltung, an Städtebau, Wirtschaft und Kultur nachweisbar und nicht zuletzt an der Durchsetzung der lateinischen Schrift. In bewundernswerter Weise versteht es der Autor, diese historischen Tatsachen anschaulich und dabei doch sachlich korrekt zu schildern. Qualitativ hochwertige Abbildungen, z. T. farblicher Art, unterstützen die Textaussagen, die zweigegliedert sind: In einer Einleitung wird die Geschichte und gallo-römische Kultur im Überblick beleuchtet, im 2. Teil, überschrieben mit "Wegweiser zu den wichtigsten Spuren der gallo-römischen Zeit in Burgund" stehen einzelne Fundorte im Vordergrund.
Für insgesamt 63 Orte lüftet Erdmann das römische Vermächtnis, darunter sind Dion im Osten Burgunds, Cluny und Autun im südlichen Teil, Nevera, Champallement und Varzy im Westen sowie Saint-More, Sens und Vertault im Norden. Die textliche Gestaltung zu den einzelnen Fund-Orten folgt zumeist einem einheitlichen Schema. Nach einer kurzen Einführung zur geographischen Lage und der römischen Vergangenheit widmet er sich eingehend den archäologischen Funden. Seine Beschreibungen erfreuen sich eines bemerkenswert leichten Sprachstils; interessante Episoden der Gegenwart, gemischt mit historischen Remi-niszenzen, lockern den Test auf, so dass sich der Leser in einer gewissen Entdeckerposition wiederfindet. Autun, einst römische Regionalhauptstadt, bietet mit seinen noch aufrecht stehenden, wenn auch vielfach restaurierten römischen Bauwerken und einem reich bestückten Museum, ähnlich wie Trier (vgl. Goethert, Klaus-Peter: Römerbauten in Trier. Regensburg: Verlag Schnell u. Steiner GmbH. 2003) Anschauungsunterricht über die Antike. Dazu zählen die gut erhaltene und wiederhergestellte Porte d`Arroux (auf dem Buchumschlag zu sehen), die teilweise rekonstruierte Ruine des Theaters, der Janustempel oder die Pyramide de Couhard. Zum Charakter einer römischen Stadtanlage bietet Autun ebenso wie Champallement einen bleibenden Eindruck. Die ausgegrabenen Gebäudemauern im Raum der Gemeinde Champallement lassen den Plan einer römischen Ortschaft mit Theater, Forum und Handwerkshäusern erkennen.
Die heutige Innenstadt von Sens (Yonne) steht auf dem Schutt der gallo-römischen Stadt. Das Museum von Sens besitzt reiche Schätze an Mosaiken, Wandmalereien, Skulpturen und Grabstelen.
Nicht übergangen soll auch Chalon'-sur-Saône (Saônet- Loire) werden und Bourbon-Lancy. Erstere war einst eine blühende römische Siedlung mit Theater, Amphittheater, Tempeln, Forum, Handwerksstätten und Nekropolen, die noch in Resten erhalten sind. Bourbon-Lancy war berühmt wegen seiner Thermalquellen und stand im Ruf, einer der luxuriösesten Orte Mittelgalliens gewesen zu sein. Ausgeprägt war hier des weiteren die Töpferei, wovon die zahlreichen erhaltenen Terrakotta-Figürchen zeuqen.
Der offensichtlich, in schönen Kunstwerken sich repräsentierende Luxus dieses Ortes hatte bereits die Begehrlichkeiten des französischen Hochadels geweckt. Es wird berichtet, dass auf Veranlassung von Heinrich IV., von Richelieu und auch von Katharina von Medici, antike Statuen aus Bourbon-Lancy beschlagnahmt und nach Paris gebracht worden sind.
Der hier vorgelegte archäologische Reiseführer macht seinem Namen alle Ehre: Er bereitet Lese- und Betrachtungsvergnügen, vermittelt Allgemein- und Detaillewissen, gibt notwendige Erläuterungen, zusätzlich Literaturhinweise, Anschauungsmaterial in Form von Karten, Skizzen und Abbildungen und macht Lust zu einer archäologischen Bildungsreise in die gallo-römische Vergangenheit Burgunds.

Gisela Ewert
Erdmann, Ulrich: Römische Spuren im Burgund. Ein archäologischer Reiseführer. 200 S., 80 sw. u. 29 fb. Abb., 24 cm., Gb., L. Reichert, Wiesbaden 2004. EUR 19,90
ISBN 3-89500-352-2   [L, Reichert]
 
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